Anwendbare Ideale. Peter Behrens in Krefeld

Anwendbare Ideale. Peter Behrens in Krefeld

Von Thomas Köster

Peter Behrens ist einer der Pioniere des modernen Industriedesigns. Zum 150. Geburtstag widmet ihm das Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld eine Ausstellung aus eigenen, eigens restaurierten Beständen.

Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale, Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld 2018 (Ausstellungsansicht)

Er wolle "das Praktische und das Ideale" miteinander in Einklang bringen. Das schrieb Peter Behrens an den Gründungsdirektor des Kaiser Wilhelm Museums, Friedrich Denecken, der sich von Anfang an auch dem Design verschrieben hatte. Von daher ist die Ausstellung gleichen Titels an diesem Ort zum Jubiläum nur konsequent.

Er wolle "das Praktische und das Ideale" miteinander in Einklang bringen. Das schrieb Peter Behrens an den Gründungsdirektor des Kaiser Wilhelm Museums, Friedrich Denecken, der sich von Anfang an auch dem Design verschrieben hatte. Von daher ist die Ausstellung gleichen Titels an diesem Ort zum Jubiläum nur konsequent.

Gezeigt werden rund 250 Arbeiten aus den Beständen des Museums, die für die Schau teils eigens restauriert worden sind. Darunter sind Werbegrafiken und Typografien, Tapetenentwürfe und Plakate, Holzschnitte, Fotografien und – leider nur wenige – Objekte, die die revolutionäre Breite von Behrens‘ Entwürfen illustrieren. Hier einiges Seiten aus dem Musterbuch der "Behrens-Antiqua".

Die berühmte Schrift war Resultat der Arbeit für die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG), für die Behrens ab 1907 als künstlerischer Beirat die Geschichte des Corporate Designs einläutete. "Die scharf umrissene metallische Schrift" galt Zeitgenossen als "Ausdruck für die Zeit des Dampfes und der Elektrizität". Wie Behrens' berühmte elektrische Wasserkessel für die AEG (rechts).

Zeitlich ist in der Ausstellung eine Spanne von den - dem Jugendstil verpflichteten - Anfängen um 1900 bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg abgedeckt: Sie illustriert, mit welch ebenso ausgeklügelten wie klar strukturierten Entwürfen Behrens – und mit ihm Museumsdirektor Denecken – zur "Geschmackserziehung" der Bevölkerung beitragen wollte ("Sieg, Prometheus", 1896).

Berühmt wurde der ausgebildete Maler und autodidaktische Designer Behrens mit dem Wohnhaus Behrens in der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe bei Darmstadt (1901), für das er auch die komplette Inneneinrichtung bis hin zu Besteck und Gläsern kreierte. Diese hier stammen aus seinem "Wertheim-Speisezimmer", dessen Rekonstruktion das Institut Mathildenhöhe momentan zeigt.

Dass Behrens' CI-Tätigkeit für einen Industriekonzern nicht erst mit der AEG begann, macht die Ausstellung anhand von Exponaten deutlich, die bereits ab 1904 für die Delmenhorster Anker-Werke entstanden. Hier das einprägsame Logo für die Linoleumfabrik, das als Schutzmarke fungierte und auf allen Drucksachen erschien.

Dabei wirken viele der vorgestellten Exponate nicht nur wundervoll zeitlos, sondern auch überraschend aktuell. Beispielsweise die Umschlagtitel und Rückseiten der "Mitteilungen der Berliner Elektricitäts-Werke (1907-1909), deren Kalendarien an Tastaturen von Taschenrechnern oder Handys erinnern.

Eine der wenigen Leihgaben ist das Modell der spektakulären AEG-Turbinenhalle in Berlin-Moabit von 1909, die als erstes modernes Industriegebäude gilt. Gefertigt wurde es von Studenten der Peter Behrens School of Arts an der Hochschule Düsseldorf. Dort war Behrens von 1903 bis 1907 als Direktor der Kunstgewerbeschule tätig.

Von den Studenten stammt auch die didaktisch erfreulich unaufdringliche Ausstellungsarchitektur, die bestimmte ikonische Höhepunkte aus Behrens' Werk grafisch wieder aufnimmt. Hier zum Beispiel Elemente aus dem Plakat zur Bewerbung der AEG-Metallfadenlampe von 1907, das in der Ausstellung auch zu sehen ist.

In einer kleinen Medienecke sind in der Ausstellung des Kaiser Wilhelm Museums über Kopfhörer auch Auszüge aus dem Briefwechsel zwischen Behrens und Gründungsdirektor Deneken zu hören, die für die Schau eingelesen wurden. Der Korrespondenz sind auch zwei wundervoll gestaltete Broschüren gewidmet, die das Haus herausgegeben hat.

Gemeinsam mit anderen Broschüren stecken sie in einem Schuber, der vom Kaiser Wilhelm Museum gemeinsam mit dem LVR-Industriemuseum in Oberhausen und dem Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) herausgegeben worden sind. In allen drei Häusern finden gerade Behrens-Ausstellungen statt (hier ein Blick ins MAKK).

"Behrens war eine Scharnierfigur zwischen dem 19. Jahrhundert und der Moderne", sagt Kuratorin Magdalena Holzhey (links). "Die Ausstellungen sind eine Art Prolog zum großen NRW-Verbundprojekt im kommenden Jahr, das sich 100 Jahre Bauhaus im Westen widmet." Der Auftakt ist gelungen.

"Peter Behrens. Das Praktische und das Ideale" ist noch bis zum 14. Oktober 2018 im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld zu sehen.

Stand: 17.05.2018, 12:26 Uhr