Design entstehen lassen: "Pentagon" im MAKK

Design entstehen lassen: "Pentagon" im MAKK

Von Thomas Köster

Sie wollten den Design-Zeitgeist der 80er Jahre "atomisieren". Und schufen damit Klassiker aus Stahl, Licht und Weinkisten. Jetzt widmet sich eine Retrospektive der Kölner Gruppe "Pentagon". Eine echte Entdeckung.

Design Gruppe Pentagon, MAKK, Köln 2020 (Ausstellungsansicht)

"Das Design steuert nicht mehr auf seinen projektierten Höhepunkt zu, sondern auf seine Atomisierung, seine Zerstörung und sein Verschwinden." So erklärten Gerd Arens, Wolfgang Laubersheimer, Reinhard Müller, Ralph Sommer und Meyer Voggenreiter - kurz "Pentagon" - ihre Vorstellung von Gestaltung anlässlich ihrer ersten Ausstellung "Herbstmanöver" in Köln.

"Das Design steuert nicht mehr auf seinen projektierten Höhepunkt zu, sondern auf seine Atomisierung, seine Zerstörung und sein Verschwinden." So erklärten Gerd Arens, Wolfgang Laubersheimer, Reinhard Müller, Ralph Sommer und Meyer Voggenreiter - kurz "Pentagon" - ihre Vorstellung von Gestaltung anlässlich ihrer ersten Ausstellung "Herbstmanöver" in Köln.

Mit ihren Arbeiten richtete sich "Pentagon" gegen das Dekorative der sogenannten Postmoderne, die immer noch der "guten Form" unterworfen war. Dem gegenüber bestanden einige Unikate der Gruppe, die 1985 eine "Möbelgalerie" am Kölner Hansaring eröffnete, aus betont "minderwertigen" Materialien.

Der Gedanke, Möbel in einer Galerie zu präsentieren, war damals relativ neu. Und rheinländisch: Seit 1979 bot die Galerie "Stilbruch" ebenfalls Möbelunikate und Gemälde an. So sollte die Kluft zwischen vermeintlich hoher und niederer Kunst geschlossen werden.

Einige der fünf Gestalter haben sich schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Zur Ausstellung haben sie sich wieder zusammengefunden und gemeinsam ein Ausstellungskonzept konzipiert, das ihr Werk wie auf einer Theaterbühne in Szene setzt.

Ein zweiter Teil der Ausstellung widmet sich der Geschichte der Gruppe, die bis zu ihrer Auflösung 1991 in der gemeinsamen Aktion "Wieder Aktionismus - Überleben in der Fremde" in Wien das neue deutsche Design prägte. Hier der Entwurf zum Stuhlklassiker "d8" der natürlich auch in der Ausstellung zu sehen ist.

Zu den erklärten Höhepunkten von "Pentagon" gehörte 1987 die Teilnahme an der documenta 8 in Kassel. "Liebe Pentagon-Leute, Ihre Arbeit gehört für mich zu den aufregendsten Entdeckungen der letzten Jahre", schrieb damals der kürzlich verstorbene künstlerische Leiter Manfred Schneckenburger. Für die documenta gestaltete Pentagon in einer ehemaligen Diskothek einen Kunst-Begegnung-Raum - bis hin zur Speisekarte.

Eigentlich sei man ja nie eine Designgruppe gewesen, sagt Mitbegründer Gerd Arens, der älteste der Truppe, der heute als Immobilienberater auf Mallorca lebt. Es hätte keine eindeutige Haltung gegeben "außer der, dass Dinge entstehen und erledigt werden müssen", heißt es auch in einer gemeinsamen Stellungnahme. Hier sitzt Arens auf seinem Stahlsofa, auf dem auch Besucher Platz nehmen dürfen.

Von Arens, der 1972 in Köln die väterliche Firma für Schilder- und Lichtreklame "Neon Arens" übernahm, stammen auch die bezaubernden Lichtinstallationen der Ausstellung. Zum Teil basieren sie auf einem einzigartigen modularen Konzept, bei dem die Teile nicht über Stecker und Kabel miteinander verbunden sind, sondern über Magnete. Weil jedes magnetische Feld ja mit einem elektrischen verbunden ist, funktionieren sie trotzdem.

Parallel zur "Pentagon"-Schau eröffnet im MAKK übrigens "Begreifbare Baukunst – Die Bedeutung von Türgriffen in der Architektur", die den Fokus auf den Türgriff als kleinsten gestaltbaren Bestandteil von Gebäuden wirft.

Da sieht man dann den besonders hervorgehobenen Türdrücker FSB 1144 von Jasper Morrison neben Werken von Karl Friedrich Schinkel, Walter Gropius, Hans Poelzig, Alvar Aalto oder David Chipperfield. Oder eben Le Corbusiers ungewöhnliche Lösung für die Eingangstür seiner ikonischen Wallfahrtskirche Notre-Dame-du-Haut im französischen Ronchamp.

"Design Gruppe Pentagon" ist noch bis zum 26. April 2020 im MAKK in Köln zu sehen. "Begreifbare Baukunst" endet schon am 9. Februar.

Stand: 13.01.2020, 06:00 Uhr