Schön politisch. "Pattern and Decoration" in Aachen

Schön politisch. "Pattern and Decoration" in Aachen

Von Thomas Köster

Kann dekorative Kunst engagiert sein? Die "Pattern and Decoration"-Bewegung hat dies in den 70er Jahren mit bunten Patchwork-Arbeiten in den USA mustergültig bewiesen. Das Ludwig Forum in Aachen wagt eine Wiederentdeckung.

Pattern and Decoration. Ornament und Versprechen, Ludwig Forum, Aachen 2019 (Ausstellungsansicht)

"Ich bin ein wenig aufgeregt", sagt ein gut gelaunter Kim MacConnel. "Immerhin habe ich diese Arbeiten von mir seit 40 Jahren nicht mehr gesehen." Damals reiste Peter Ludwig extra nach New York und kaufte 66 Werke der "Pattern and Decoration"-Bewegung auf.

"Ich bin ein wenig aufgeregt", sagt ein gut gelaunter Kim MacConnel. "Immerhin habe ich diese Arbeiten von mir seit 40 Jahren nicht mehr gesehen." Damals reiste Peter Ludwig extra nach New York und kaufte 66 Werke der "Pattern and Decoration"-Bewegung auf.

So kommt es, dass das Museum Ludwig die größte Sammlung der Bewegung in Europa besitzt. 46 Exponate sind jetzt in Aachen zu sehen. Dazu gehört auch MacConnels "Pagode" (1974), Überrest einer Performance, bei der vier Menschen im Innern auf Plastikinstrumenten spielten. Rechts hinten MacConnels "Edible" (1979).

"Pagode" zeigt an, worum es "Pattern and Decoration" ging: Die US-Künstler brachen radikal mit der Minimal Art und der rationalen Konzeptkunst ihrer Heimat und wandten sich im Sinne eines globalisierteren Kunstverständnisses auch fremden Kulturen zu, die sie ausgiebig bereisten.

So wie Ned Smyth, der seine Kindheit teilweise in Italien verbrachte und hier vor seinem grobsteinigen Mosaik "The Deep" (1985) steht. Das Gegenständliche und Erotische ist dabei nur ein Randaspekt, der die Frau keineswegs zum Objekt machen will. Dementsprechend selbstbewusst ist die Baumtänzerin dargestellt.

Tatsächlich waren in der "Pattern and Decoration"-Bewegung erstaunlich viele Künstlerinnen vertreten. So wie Joye Kozloff, an deren farbenprächtigem Bodenmosaik mit den aus Plätzchenförmchen ausgestochenen Keramikkacheln hier noch letzte Hand angelegt wird.

Oder wie Valerie Joudon, deren Werk noch die größte Nähe zur geometrischen Abstraktion der Moderne aufweist. Aber ganz stark geprägt ist von der Ornamentik des Islam, die sie konsequent "architektonisch" weiterdenkt "Hattisburg" (1979) trägt den Namen einer Stadt im Titel, die eng mit der Geschichte des Ku Klux Klan verbunden ist.

Das alles hat mit Befreiung von Konventionen und Ganzheitlichkeit zu tun. Und ist ein durchaus feministischer Ansatz, der sich auch im Formalen widerspiegelt. Männliche Künstler, die mit Stoffen arbeiten, gab es vorher eigentlich so gut wie nie (Kim MacConnel, "Watermelons", 1978).

Das zeigt sich vor allem auch in dem Raum, der Robert Kushner gewidmet ist. Hier zeigt sich die Begeisterung für orientalische Teppiche, chinesische Holzdrucke, Matisse und den Feminismus. Letzteres vor allem in einem humorvollen Video, in dem sich Kushner bei einer Modenschau-Performance vor Publikum ent- und verkleidet.

In Aachen sind die Arbeiten der "Pattern and Decoration"-Bewegung mit Werken konfrontiert, die von ihr beeinflusst waren. Einen Übergang schafft in gewisser Weise Thomas Lanigan-Schmidt, der mit seinen mit Alu- und Plastikfolie getackerten Altären das Profane ins Heiligste holt.

Am Radikalsten wird dieser Einfluss vielleicht im Wechselspiel von Dekorativem und Politischem bei Rashid Rana deutlich. Denn das oberflächlich harmlose Teppichmuster ihrer Arbeit "Red Carpet 5" (2008-2012) entpuppt sich bei näherer Betrachtung ...

... als Collage aus Fotos von einer geschächteten Ziege.

So zeigt die Schau in Aachen eindringlich, dass keineswegs "Ornament und Verbrechen" zusammengehören, wie das Adolf Loos 1908 im Hinblick auf den unpolitischen Jugendstil proklamierte. Dekoration und Engagement können bis heute sehr wohl eine viel versprechende Einheit bilden (Robert Zakanitch: "Flash", 1978).

"Pattern and Decoration. Ornament und Versprechen" ist noch bis zum 13. Januar 2019 im Ludwig Forum Aachen zu sehen. Danach wandert die Ausstellung nach Wien und Budapest weiter.

Stand: 21.09.2018, 14:43 Uhr