Krieg im Alltag: Düsseldorf zeigt Pablo Picasso

Krieg im Alltag: Düsseldorf zeigt Pablo Picasso

Von Thomas Köster

Pablo Picasso blieb während des Zweiten Weltkriegs im von Hitlers Truppen besetzten Paris. Dort machte er auf Stillleben, Akten und Porträts das Grauen präsent. Zu sehen jetzt in einer imposanten Schau im Düsseldorfer K20.

Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf 2020 (Ausstellungsansicht)

"Ich habe nicht den Krieg gemalt, weil ich nicht zu der Sorte von Malern gehöre, die wie ein Fotograf etwas darzustellen suchen", hat Picasso nach der Befreiung von Paris einem amerikanischen Journalisten gesagt. "Aber ich bin sicher, dass der Krieg Eingang genommen hat in die Bilder, die ich geschaffen habe."

"Ich habe nicht den Krieg gemalt, weil ich nicht zu der Sorte von Malern gehöre, die wie ein Fotograf etwas darzustellen suchen", hat Picasso nach der Befreiung von Paris einem amerikanischen Journalisten gesagt. "Aber ich bin sicher, dass der Krieg Eingang genommen hat in die Bilder, die ich geschaffen habe."

Stolze 2.200 Gemälde listet das Werkverzeichnis für die Zeit von 1939 bis 1945. In Düsseldorf ist ein kleiner Teil davon zu sehen: 70 Gemälde, Grafiken und Skulpturen sind es insgesamt.

Die Werke entstanden zum Großteil in Paris, wo Picasso, anders als viele andere Künstler, auch während der deutschen Besatzung verharrte.

Von den Nazis als "entartet" diffamiert, erhielt er Ausstellungsverbot, arbeitete in seinem Hinterhofatelier aber dennoch beharrlich weiter: in einer Art innerer Emigration - und geschützt durch seine Popularität und geschützt ausgerechnet durch den Nazi-Bildhauer Arno Breker. (Hier mit im Bild stehend: der katalanische Dichter und Bildhauer Jaime Sabartés, Picassos Privatsekretär).

"Guernica" - das große Antikriegsgemälde hatte Picasso bereits 1937 während des Spanischen Bürgerkriegs als Reaktion auf die Zerstörung der gleichnamigen Stadt durch einen Luftangriff deutscher und italienischer Bomber geschaffen. Ein derart imposantes Historienbild sucht man in der Düsseldorfer Schau vergebens. Weil es ein solches Bild nicht gab. Wohl aber die Darstellung von Leid.

In Düsseldorf sind mit Frauenporträts, Akten und Stillleben demzufolge die klassischen Picasso-Themen versammelt. Trotzdem kann man im K20 sehen, wie der Zweite Weltkrieg Eingang fand in Picassos Bilder. Vor allem durch Motive wie Totenschädel ...

... gehäutete Tierköpfe, ...

... oder durch die kargen Arrangements seiner Stillleben, die auf die katastrophale Versorgungssituation in Paris während der deutschen Besatzung hindeuten. Hunger und Kälte machten auch dem noch eher privilegierten Künstler Picasso zu schaffen.

Aus manchen Bildern ist sogar die Farbe gewichen - nicht nur, weil Farbe tatsächlich schwer zu bekommen war. Denn auch Paris war in den entbehrungsreichen Jahren des Zweiten Weltkriegs grau: "ein Paris ohne Taxis, ohne Zigaretten, ohne Schokolade, ohne Brote", wie Picassos Freund Brassaï sagte.

Erst als sich im Frühjahr 1944 die Befreiung der Stadt durch die Alliierten abzeichnet, kehrt allmählich die Farbe - und durch die Malerin Françoise Gilot auch neues Leben - für Picasso zurück.

In den Kriegsjahren ist Dora Maar als Gefährtin und Muse an Picassos Seite. Sie ist deshalb auch auf zahlreichen Gemälden dieser Zeit zu sehen: oft als "weinende Frau". Dass ihr eigenes Werk als Fotografin und Malerin erst seit kurzem eine angemessene Würdigung erfährt, ist sicher auch dieser motivischen Vereinnahmung geschuldet.

Wer den Krieg ausdrücken wolle, solle zum Maschinengewehr greifen, hat Picasso einmal gesagt. Er sei "immer in der Wirklichkeit geblieben" - also seiner Alltagswirklichkeit.

Trotzdem zeigen die in Düsseldorf versammelten Gemälde, wie Picasso jenseits der gemalten Gegenstände durch die revolutionäre Formgebung gegen die Grausamkeit seiner Zeit rebellierte.

Auch in diesem Sinne "riecht" Picassos Werk zwischen 1939 und 1945 nach Krieg, wie der expressionistische Schriftsteller Carl Einstein schrieb. Getreu seinem Motto, dass die Kunst nicht dazu da sei, "Wohnungen zu dekorieren. Sie ist die Waffe zum Angriff und zur Verteidigung gegen den Feind".

Die Kunst war für Picasso aber offenbar auch dazu da, Positionen der Hoffnung auf Frieden zu entwickeln. Die große Skulptur vom "Mann mit dem Schaf", die in Düsseldorf allerdings nur durch Entwurfskizzen und ein großes Foto vertreten ist, zeugt davon.

Und das Motiv der Taube natürlich.

Viele seiner Werke datierte Picasso auf den Tag genau: nicht zuletzt für die Nachwelt, die die Chance bekommen sollte, die Bilder unter jenen Umständen zu beleuchten, unter denen sie entstanden. Zwischen 1939 und 1945 waren diese Umstände vor allem kriegsgeprägt. Das erkennt man erst in Überblicksschauen wie der in Düsseldorf.

"Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945" ist noch bis zum 14. Juni 2020 im K20 der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf zu sehen.

Stand: 20.02.2020, 09:00 Uhr