"Outside in – Inside out": Fotografie mal umgekehrt

"Outside in – Inside out": Fotografie mal umgekehrt

Dorota Walentynowicz und Nanna Krogh Lauritsen stellen eigene Lochkameras her und zeigen in ihren Werken, was während der Aufnahme im Innern der Kamera passiert. Das Essener Museum Folkwang widmet ihnen jetzt eine Ausstellung.

Selfie #1, 2014 / Aus der Ausstellung Inside out / Ouside in

Mit ihren selbst gebauten Lochkameras drehen Dorota Walentynowicz und Nanna Krogh Lauritsen bestehende Kamera-Verhältnisse einfach um: Ihnen geht es weniger darum zu zeigen, was vor den Linsen passiert, sondern darum, was sich im Innern ihrer Apparate abspielt. Nicht nur vor, sondern auch in der Kamera findet Kunst statt.

Mit ihren selbst gebauten Lochkameras drehen Dorota Walentynowicz und Nanna Krogh Lauritsen bestehende Kamera-Verhältnisse einfach um: Ihnen geht es weniger darum zu zeigen, was vor den Linsen passiert, sondern darum, was sich im Innern ihrer Apparate abspielt. Nicht nur vor, sondern auch in der Kamera findet Kunst statt.

Die beiden Künstlerinnen knüpfen mit ihren Eigenbauten an die Anfänge der Fotografie und die ersten Kameras an, vor allem an die "Camera Obscura". Diese Lochkamera besteht aus einem einzigen dunklen Korpus, der auf einer Seite eine kleine Öffnung aufweist. Schon in der Antike wurde sie genutzt, um Bilder einer äußeren Wirklichkeit auf die gegenüberliegende Wand eines abgedunkelten Raumes zu projizieren.

Dorota Walentynowicz wurde 1997 im polnischen Gdansk geboren. Die bildende Künstlerin fabriziert ihre Lochkameras aus Materialien wie Karton oder Holz, die Licht von verschiedenen Seiten einfallen lassen. Ihre Kameras bestehen aus dreieckigen Flächen und sind teilweise so groß wie ein erwachsener Mensch.

Walentynowicz spielt mit den Positionen ihrer Kameras: Sie stellt sie an ausgewählten Orten auf, oftmals in dunklen Räumen mit unterschiedlichen, sich bewegenden Lichtquellen. Je nachdem, wie das Licht nun durch die Öffnungen der Kamera auf die sensible Oberfläche des Fotomaterials trifft, entsteht ein eigentümlicher Abdruck. "Of the Blind Spots", von den toten Winkeln aus, heißt dementsprechend auch eine Serie der Künstlerin.

Die 1948 in Dänemark geborene Nanna Krogh Lauritsen arbeitet ebenfalls mit Holz, um ihre Kameras zu bauen. Die Öffnungen ihrer Apparate sind Sternenkonstellationen nachempfunden. Lauritsen benutzt kein Negativ, sondern Direktpositivpapier und erzeugt damit kein Abbild der Wirklichkeit, sondern simple Kreise, die wie Sternenbilder aussehen. Zudem funktioniert das Fotopapier gefaltet gleichzeitig als Kamera und Bildträger.

Die Ausstellung "Outside – Inside out" ist Teil des Ausstellungsformats "6 ½ Wochen", das das Museum Folkwang mit fünf weiteren Präsentationen im Laufe des Jahres weiterführen wird. Die Arbeiten von Dorota Walentynowicz und Nanna Krogh Lauritsen sind noch bis zum 11. März zu sehen.

Stand: 25.01.2018, 10:24 Uhr