Arp Museum zeigt Otto Piene als Alchemist

Otto Piene. Alchemist und Himmelsstürmer, Arp Museum Bahnhof Rolandseck 2019 (Ausstellungsansicht)

Arp Museum zeigt Otto Piene als Alchemist

Der Künstler Otto Piene begriff Feuer, Luft, Wasser und Erde als Grundelemente eines schöpferischen Werkprozesses. Das zeigt eine Retrospektive im Arp Museum in Remagen.

Wie ein westfälischer Künstler zum Alchemisten wurde

Von Thomas Köster

Der Künstler Otto Piene begriff Feuer, Luft, Wasser und Erde als Grundelemente eines schöpferischen Werkprozesses. Das zeigt eine Retrospektive im Arp Museum in Remagen.

Otto Piene. Alchemist und Himmelsstürmer, Arp Museum Bahnhof Rolandseck 2019 (Ausstellungsansicht)

Zeit seines Lebens begriff der 1928 im westfälischen Lasphe geborene und 2014 in Berlin gestorbene Künstler Otto Piene Feuer und Luft, aber auch Wasser und Erde als Grundelemente eines schöpferischen Werkprozesses, der die Ur-Elemente zusammen mit Farbe künstlerisch an- und umverwandeln wollte. Das kann man getrost alchemistisch nennen. Im Bild ein Porträt von Lothar Wolleh aus den 1960er Jahren.

Zeit seines Lebens begriff der 1928 im westfälischen Lasphe geborene und 2014 in Berlin gestorbene Künstler Otto Piene Feuer und Luft, aber auch Wasser und Erde als Grundelemente eines schöpferischen Werkprozesses, der die Ur-Elemente zusammen mit Farbe künstlerisch an- und umverwandeln wollte. Das kann man getrost alchemistisch nennen. Im Bild ein Porträt von Lothar Wolleh aus den 1960er Jahren.

"Otto Piene. Alchemist und Himmelsstürmer" heißt die Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Gezeigt werden rund 60 Gemälde, Grafiken, Keramiken, Licht- und Luftplastiken des schon bald von den USA aus wirkenden Künstlers, die zeigen, wie Piene unter Nutzung der Naturenergien in den Raum hineinwirken wollte.

Alchemistisch sind sicher die berühmten Feuerbilder Pienes, denen die Ausstellung einen großen Raum gibt. Ausgehend von einem schwarzen und mit Brandbeschleuniger bearbeiteten Lackkreis setzte Piene die Gemälde in Flammen und schwenkte sie zwecks Gestaltung hin und her – wobei es nicht immer gelang, den richtigen Zeitpunkt zum Löschen zu finden.

Vom Zufall erzeugte Risse, Krusten und Blasen waren dabei nicht selten. Gleiches gilt für die Plastiken Pienes, von denen im Museum dankenswert viele versammelt sind. Sie bilden vielleicht selbst für Piene-Kenner die überraschenden Highlights der Schau.

Teils waren die Keramiken sogar von innen beleuchtet: wie dieses Exemplar aus der Serie "Hemisphären" (2006), bei denen das Licht durch die Löcher der plastischen Erhebungen nach draußen drang. Im Arp Museum hat man auf diesen Effekt verzichtet. In einem umgekehrt alchemistischen Prozess hat sich hier Gold im Brennprozess in Aubergine- und Brauntöne verwandelt.

Pienes Sonne und Mond hängen, für den Betrachter unerreichbar, in höheren Sphären – Sphären, die die Architektur erst möglich macht. Otto Piene gehörte zu einer Gruppe von Künstlern, die Abstraktion neu erfinden wollten. Sie spielten mit den Elemente – und nannten sich "ZERO".

Überhaupt ist das Arp Museum für eine Piene-Retrospektive der ideale Ort. Immerhin war der Bahnhof Rolandseck zu dieser Zeit ein zentraler Treffpunkt der rheinischen Kunstszene. Im dortigen Festssal planten Piene, Mack und Uecker auch ein Festbankett für den verehrten Italiener Lucio Fontana, das an der Auflösung scheiterte.

Fontana mit seinen perforierten und zerschnittenen Leinwänden, die die zweidimensionale Monochromie seiner Bilder in den Raum erweitern sollten, war auch für Piene ein großes Vorbild. Stolz sei er über diese Gemeinsamkeit gewesen, gab Piene einmal an, aber auch beschämt über die Vorwegnahme seiner Ideen durch den älteren Italiener.

Die Macher der Piene-Schau haben die Werke im Arp Museum deshalb teils mit Werken von Lucio Fontana inj Dialog gesetzt. Die dadurch zu Tage tretenden und zunächst ja unabhängig voneinander entwickelten Ähnlichkeiten in der Konzeption sind wirklich frappierend.

Der Lichtraum, den die ZERO-Gruppe 1964 für die documenta III in Kassel schuf, war dem entsprechend als "Hommage á Fontana" konzipiert. Im Arp Museum ist er nicht zusehen, wohl aber die Rekonstruktion des "Lichtraums Jena" aus dem Jahr 2017, der Pienes Auffassung von raumgreifender Lichtbewegung illustriert.

"Das Licht ist die erste Bedingung aller Sichtbarkeit", heißt es bei Piene. "Das Licht ist die Sphäre der Farbe. Das Licht ist das Lebenselement des Menschen und des Bildes." In den lichtdurchfluteten Räumlichkeiten des Arp Museums wird gerade dieser "alchemistische" Aspekt der Bildwahrnehmung besonders deutlich.

Ebenso wie dem Kreis, so kommt auch dem Gold als Urelemente und Symbole der Ewigkeit in der Ausstellung eine zentrale Bedeutung zu. Auch diese Perspektive auf die Kunst Otto Pienes kann im Arp Museum Bahnhof Rolandseck buchstäblich "atmen".

Von hier aus führt ein direkter Weg zu den "Hauspatronen" des Museums, Hans Arp (rechts) und Sophie Taeuber-Arp. Dem entsprechend korespondieren Werke der drei Künstler im Obergeschoss miteinander.

"Otto Piene. Alchemist und Himmelsstürmer" ist noch bis zum 5. Januar 2020 im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zu sehen. Zur Ausstellung soll im April, rechtzeitig zur Art Cologne, ein künstelrisch gestalteter Katalog mit Texten, Gedichten und Installationsfotos entstehen.

Und wer schon einmal im schönen, idyllisch am Rhein gelegenen Museum ist, der sollte sich auch die zweite Ausstellung des Hauses mit Barockgemälden aus der Haukohl Family Collection in der Kunstkammer Rau als eine Art Kontrastprogramm nicht entgehen lassen. Sie zeigt, dass man, nicht zuletzt auch ausstellungsarchitektonisch, mit Licht und Farbe und Raum und Form auch ganz anders umgehen kann.

Himmelstürmer Otto Piene

WDR 3 Mosaik 18.03.2019 09:56 Min. Verfügbar bis 17.03.2020 WDR 3

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Licht und Feuer: Otto-Piene-Werkschau in Düsseldorf

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur 22.10.2018 07:14 Min. Verfügbar bis 22.10.2019 WDR 5

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Stand: 18.03.2019, 08:58