Neu aufgestellt: "Nur nichts anbrennen lassen" in Bonn

Neu aufgestellt: "Nur nichts anbrennen lassen" in Bonn

Von Thomas Köster

Alle zwei Jahre zieht sich das Kunstmuseum Bonn um. Sprich: präsentiert seine ständige Sammlung neu. Diesmal ist das in der Gesamtschau von Altem und Neuem besonders schön geglückt.

Neu aufgestellt: "Nur nichts anbrennen lassen" in Bonn

Stilistisch bunt und thematisch klug aufgeräumt: So präsentiert sich die Ständige Sammlung im Kunstmuseum Bonn. Neben neu gehängten Klassikern sind vor allem auch Ankäufe und Schenkungen der letzten Jahre sowie Dauerleihgaben aus privaten Sammlungen zu sehen. Im Bild: Katharina Grosse, "Ohne Titel (1005L)", 2001.

Stilistisch bunt und thematisch klug aufgeräumt: So präsentiert sich die Ständige Sammlung im Kunstmuseum Bonn. Neben neu gehängten Klassikern sind vor allem auch Ankäufe und Schenkungen der letzten Jahre sowie Dauerleihgaben aus privaten Sammlungen zu sehen. Im Bild: Katharina Grosse, "Ohne Titel (1005L)", 2001.

Neu geordnet sind die Werken unter anderem nach formalen Aspekten, die sich dem Betrachter schnell erschließen. So scheint Shannon Bools Marmorskulptur "Grey Rock Woven" (2015) nicht nur auf die überladenen Interieurs der Bilder Marcel Odenbachs zu reagieren, sondern auch auf den Parkettboden des Museums.

Andere Räume sind thematisch organisiert. "Farbe" ist da ein wichtiger Aspekt, "Ornament", oder das Verhältnis von Wahrnehmung und Wirklichkeit.

Oder auch die Berge. Hinten eine Arbeit von Herbert Brandl, davor ein handmodelliertes Erinnerungsmassiv des im Allgäu geborenen Bildhauers und Objektkünstlers Stephan Huber aus Dental- und Rigips.

Und der zeitgenössischen Fotografie ist auch ein eigenes Terrain eröffnet (hinten: Heidi Specker, "Fenster I", 2015).

Der Präsentationstitel "Nur nichts anbrennen lassen" bezieht sich übrigens auf ein im doppelten Wortsinn raffiniert-unraffiniertes, 1990 entstandenes Werk von Georg Herold, das spießige Topflappen mit einer vor einer Erdölschicht fast noch triefenden Leinwand kombiniert ...

... und das unter anderem in einer großen Retrospektive des Künstlers (hier im Bild) im Kunstmuseum Bonn 2017 und 2018 schon zu sehen war. In der Neupräsentation hat Herold einen eigenen Raum.

In diesem Rahmen hat das Museum das Gemälde vom Künstler für die ständige Sammlung angekauft. Wie auch die beiden Gemälde von Pia Fries aus der Fries-Ausstellung 2010 ...

... oder diese "Solid half hour friendship" (2015) genannte Arbeit von Stefan Vogel, der noch Anfang 2020 in der Ausstellung "Jetzt! Junge Malerei in Deutschland" zu sehen war (im Vordergrund: Detail von Ulrich Rückriems "Schwarzem Brunnen" von 1986) .

"Die Neuhängung bildet dabei zugleich einen Resonanzraum für die zuvor in 'Jetzt' gezeigten Positionen", sagt Kurator Volker Adolphs, der die Sammlungspräsentation mit Direktor Stephan Berg und dem Museumsteam gestaltet hat. "Denn unser Museum hat die Malerei von Anfang an als Schwerpunkt seiner Sammlung der Gegenwartskunst definiert."

Ein Raum mit Gemälden der 1980er Jahre gibt denn auch einen Rückblick auf eine Zeit, in der sich das Genre in einer emphatischen Hochphase befand - bevor es zeitweise in eine gewisse Krise stürzte. Hier zwei graue Bilder Gerhard Richters ...

... die auf wunderbare Weise mit den durch leichte Farbabweichungen und "Ungeradigkeiten" optisch verstörenden Geometrien Günter Umbergs von 1994 bis 2015 ...

... und der "Drehung I" (1973/74) von Reiner Ruthenbeck in den Nebenräumen korrespondieren. So spinnt sich der Dialog über die gesamte Ausstellungsfläche weiter.

Andere Werke sind schon lange im Museumsbesitz, wurden bisher aber noch nie gezeigt. So wie Milan Kuncs unbetitelte russische Pop-Art-Standarten von 1978.

Und dann gibt es Räume, die - zumindest im Ansatz - mit dem alten, in Bonn oft praktizierten Präsentationskonzept des "Künstlerrraums" spielen. Von Thomas Huber zum Beispiel sind zahlreiche Skulpturen und Gemälde zu sehen ...

... auch wenn Huber gegenüber dann doch wieder ein architektonisch ergänzendes Gemälde von Thomas Scheibitz hängt ("Studio Forms", 2017).

Isa Genzken hat übrigens auch einen eigenen Raum ...

... ebenso wie der grandiose Tobias Pils. Und der ist besonders wundervoll gehängt.

Und über allem schwebt der "Silbermond" (1972) von C.O. Paeffgen.

Die neue ständige Sammlung des Kunstmuseums Bonn ist ab Mittwoch (03.06.2020) geöffnet. Auf eine Eröffnungsfeier muss diesmal wegen Corona verzichtet werden. Und natürlich herrscht in den Ausstellungsräumen Maskenpflicht (Jan Albers, "bOldbOulder", 2018).

Stand: 03.06.2020, 10:00 Uhr