Intime Momente: Fotos von Norman Seeff in Köln

Intime Momente: Fotos von Norman Seeff in Köln

Von Maximilian Burk

Die Porträts des Fotografen Norman Seeff zeigen intime Momente mit den Rolling Stones, Tina Turner oder Steve Jobs - jetzt zu sehen in Köln. Was bei den ungewöhlichen Sessions im Studio geschah, erzählte Seeff uns im Interview.

Der Fotograf Norman Seeff

Norman Seeff fotografierte in den siebziger und achtziger Jahren die ganz großen Popstars. Das Museum für Angewandte Kunst in Köln (MAKK) zeigt eine Auswahl seiner Porträts. Das Bild entstand bei einer Ausstellung in Mannheim im Jahr 2014 - in Köln war er nicht anwesend.

Norman Seeff fotografierte in den siebziger und achtziger Jahren die ganz großen Popstars. Das Museum für Angewandte Kunst in Köln (MAKK) zeigt eine Auswahl seiner Porträts. Das Bild entstand bei einer Ausstellung in Mannheim im Jahr 2014 - in Köln war er nicht anwesend.

"Ray Charles hatte richtig schlechte Laune", erzählte Seeff im WDR-Interview. Bevor er das wohl berühmteste Foto des Soul-Musikers aufnahm, musste er ihn erst in ein fast zweistündiges Gespräch über Kreativität verwickeln. "Es war eine der tiefsten Gespräche, die ich je geführt habe." Am Ende blieben noch zehn Minuten, um die Bilder zu machen. "Er war so aufgedreht, dass ich das Bild nach fünf Minuten im Kasten hatte."

Die Produzenten des biografischen Films "Ray" kauften Norman Seeff die Rechte an dem Bild ab und stellten die Aufnahme mit Schauspieler Jamie Foxx für die Filmplakate nach. - Seeffs Fotosessions wurden auch gefilmt. Legendäre Shootings, wie die mit dem Regisseur Billy Wilder, sind neben den Porträts im MAKK zu sehen.

Bei seinen Fotosessions spielte Norman Seeff oft laut Musik ab. Als er den Dirigenten Zubin Mehta fotografierte, lief gerade Beethovens Neunte. "Er zog sein Shirt aus und sagte: 'Komm, ich zeig dir, was wir machen, wenn wir dirigieren.' Das Bild zeigt ihn in dem Moment, in seiner eigenen Welt und einem Zustand der kreativen Exstase." Dass Seeffs Hunde im Hintergrund durchs Bild laufen, ist ein für ihn typischer Zufall.

Die Rolling Stones kamen zu einem für sie "typischen Zeitplan" in sein Studio: um Mitternacht. Seeff und seine Crew hatten den ganzen Tag schon Wein getrunken, doch als die Stones erschienen, wirkten sie nüchtern dagegen.

"Meine Assistentin stand neben mir, als ich die Fotos machte", so Norman Seeff. "Plötzlich geht sie spontan zu Mick Jagger und versucht ihn zu küssen. Die beiden fallen dabei hin und ich mache dieses Foto. Wir sprechen seitdem von dem 'Rolling-Stones-Moment', den wir versuchen bei den Sessions zu erreichen."

Diese Fotografie von "The Band" brachte Seeff den Durchbruch. Er war gerade aus Südafrika wegen der Apartheid nach New York ausgewandert und sollte die Fotos von Bob Dylans Band in Woodstock machen, verfuhr sich aber im Rechtsverkehr. Mit fünf Stunden Verspätung und zu wenig Filmen kam er an. In der einzig gelungenen Aufnahme der Fotosession machte er dazu einen Anfängerfehler: Das Blitzlicht spiegelt sich in der Scheibe. Seeff dachte, dass seine Karriere vorbei war, bevor sie begonnen hatte. Wochen später erfuhr er, dass "The Band" die Aufnahme liebte und sie als Posterbeilage im nächsten Album millionenfach erscheinen würde.

Norman Seeff hat in seinen Fotosessions stets eine intensive Beziehung zu den Menschen vor der Kamera aufgebaut. Es ging ihm um den Moment, weniger um das Bild: "Ich werde es nie vergessen, wie Johnny Cash mitten auf einem Feld in Nashville für mich gesungen hat. Er hatte keine Starallüren, war vollkommen demütig."

Im Nachhinein sieht es aus, als habe Seeff Apple-Grüner Steve Jobs in Yoga-Pose als Guru mit seinem Macintosh inszeniert. Doch Seeff versichert: "Wir haben ein Bier getrunken und uns über kreative Prozesse unterhalten. Dann sprang Jobs auf sagte: 'Ich muss Dir was zeigen', holte den Computer und setzte sich im Schneidersitz vor mich. Ich musste nur noch abdrücken."

Kein Hochglanz: Da es Norman Seeff um die Authentizität des Moments geht, machte er auch die Umgebung des Shootings sichtbar. Oftmals ragen Mikrofone in seine Bilder oder Ständer und Mitarbeiter stehen mit im Bild. Hier, im Bild mit Donna Summer, ist der Pappwedler zu sehen, mit der ihre Haare zum Fliegen gebracht werden sollten.

Für dieses Bild gab's Ärger: Für ein Plattencover montierte Seeff den Kopf von Tina Turner auf den Körper einer anderen Frau. Turners damaliger Ehemann Ike Turner war außer sich, da er annahm, Seeff habe seine Frau nackt fotografiert.

Die Ausstellung ist noch bis zum 8. März 2020 im Museum für Angewandte Kunst (MAKK) in Köln zu sehen.

Stand: 19.09.2019, 17:04 Uhr