Nevin Aladağ in Düsseldorf

Nevin Aladağ in Düsseldorf

Von Annabelle Steffes-Halmer

In den Werken der deutsch-türkischen Künstlerin spielen kulturelle Identität und gesellschaftliche Codes eine wichtige Rolle. Die Sammlung Philara in Düsseldorf zeigt Nevin Aladağs Wandteppiche, Makrameearbeiten und Musikinstrumente.

"Pattern Kinship Pyramid", 2017, Nevin Aladag

Im Zentrum von Nevin Aladağs Arbeiten stehen Fragen nach Herkunft und der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Dabei löst sie häufig Alltägliches aus gewohnten Zusammenhängen und überrascht mit neuen Konstellationen.

Im Zentrum von Nevin Aladağs Arbeiten stehen Fragen nach Herkunft und der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Dabei löst sie häufig Alltägliches aus gewohnten Zusammenhängen und überrascht mit neuen Konstellationen.

In ihrer Serie "Pattern Matching" etwa schaut sie auf westliche und orientalische Strukturen. Wer näher hinschaut, erkennt: In diesem Orientteppich (Bild) vereint sie die Linien eines amerikanischen Basketballfelds. Durch die Verbindung von westlichem Spiel und morgenländischer Verzierung erwirkt Aladağ eine neue, hybride Bedeutung.

Das Spiel mit der Bedeutung wird auch in ihrer Serie "Colors" deutlich. Seit 2016 ist "Colors" ein integraler Bestandteil des Philara-Cafés "Glas Lennarz". Aladağ hat Lampen des Designers Poul Henningsen mit verschiedenfarbigen Strumpfhosen überzogen und so ihre Leuchtkraft verändert. Die Künstlerin möchte einen Diskurs über Geschlecht, Hautfarbe und Politik eröffnen.

Die in Berlin lebende Nevin Aladağ wurde 1972 in der Türkei geboren, kam im Alter von einem Jahr nach Deutschland und studierte später in München an der Akademie der Bildenden Künste. Zuletzt war sie auf der Documenta 14 in Kassel und Athen sowie auf der Kunstbiennale Venedig vertreten.

Nevin Aladağ möchte in ihrer Kunst Grenzen aufbrechen, "das Fremde" sozusagen dekonstruieren. Aber sie argumentiert nicht aus der Position eines kulturellen Identitätverlusts aus der Migration heraus, sondern entwickelt Gegenentwürfe aus der eigenen Identität.

Auch Klang, Resonanz und Formen spielen in Aladağs Werk eine Rolle: Während der Documenta in Athen führte sie unter anderem ihre Performance "Musikzimmer" auf, während derer sie Möbelstücke in Musikinstrumente transformierte. Diese "Umbrella Stand Drum" (Bild) entstand 2015 während einer ähnlichen Session in Berlin.

Die Düsseldorfer Sammlung Philara zeigt Nevin Aladağs Arbeiten vom 14. April 2018 bis zum 1. Juli 2018. Neben der Sammlung Philara sind ihre Werke unter anderem im Pariser Centre Pompidou, der Sammlung der Neuen Nationalgalerie in Berlin oder der Collection Vehbi Koc Foundation in Istanbul zu finden.

Stand: 11.04.2018, 15:19 Uhr