Zeichen und Wunder. Die Nasca-Kultur in Bonn

Zeichen und Wunder. Die Nasca-Kultur in Bonn

Von Thomas Köster

Botschaft für die Götter – oder gar Landeanweisungen für Aliens? Die riesigen, nur aus der Vogelperspektive sichtbaren Affen, Spinnen und Kolibris der Nasca in Peru geben bis heute Rätsel auf. Eine faszinierende Schau in der Bundeskunsthalle versucht, den Schleier ein wenig zu lüften.

Nasca. Im Zeichen der Götter, Bundeskunsthalle, Bonn 2018 (Ausstellungsansicht)

Die teils mehre Kilometer langen Bilder ("Geoglyphen"), die die Nasca in Südperu auf einer Fläche von rund 450 Quadratkilometern in die Wüste scharrten und die für sie nicht zu sehen waren, stellen eines der größten Rätsel der Erde dar (hier eine grafische Darstellung an den Wänden der Bundeskunsthalle).

Die teils mehre Kilometer langen Bilder ("Geoglyphen"), die die Nasca in Südperu auf einer Fläche von rund 450 Quadratkilometern in die Wüste scharrten und die für sie nicht zu sehen waren, stellen eines der größten Rätsel der Erde dar (hier eine grafische Darstellung an den Wänden der Bundeskunsthalle).

Das Geheimnisvolle der weit über 1.500 Nasca-Linien wird noch durch den Umstand verstärkt, dass von der Kultur, die um 200 vor Christus entstand und danach rund 850 Jahre wirkte, keinerlei schriftliche Zeugnisse überliefert sind. Dafür aber eine Fülle an teils hervorragend erhaltenen Zeugnissen aus Keramik und Gold, deren Geschichten von Archäologen gedeutet werden müssen.

In einer unglaublich phantasievollen Bildsprache erzählen diese Zeugnisse vom Alltag und vom Denken einer untergegangenen Kultur in einer der extremsten Klimaregionen der Erde, die offenbar stark von Ritualen, Kunst und Musik geprägt war. Geheimnisvolle Zeichen, die auf heutige Betrachter wie ein künstlerisches Wunder wirken.

In der Bundeskunsthalle sind nun rund 200 mit Menschen, Raubkatzen, Schwertwalen, Vögeln, Blumen und Insekten bemalte Gefäße und Textilien, gestanzte Goldmasken und figürliche Musikinstrumente aus öffentlichen und privaten peruanischen Sammlungen zu sehen, die das Land bisher zum Großteil noch nie verlassen haben.

Die Naca-Kultur fußte vermutlich auf einer Gesellschaft mit einem komplex ausgestalteten Glaubenssystem, in dem der Ahnenkult eine wichtige Rolle spielte. So deutet die Wissenschaft die Gestalt auf diesem außergewöhnlich großen Gefäß, deren Extremitäten in Kakteen und Schlangen münden, als übernatürliche Ahnenfigur mit einer Mundmaske, die an die Schnurrhaare der Pampaskatze erinnert.

Viele der in Bonn gezeigten Exponate sind dem entsprechend Grabbeigaben, die die Bestatteten wohl auf ein Leben nach dem Tod vorbereiten sollten. Dazu gehören auch Echthaarperücken, Kopfschmuck oder Federfächer. Der Fächer im Vordergrund wurde an der Seite einer männlichen Mumie gefunden, die in traditioneller Weise mit angewinkelten Beinen verschnürt war.

Aus Gräbern stammt auch ein Großteil der Textilien, die in Bonn zu sehen sind. Offensichtlich hat sie das extrem heiße und trockene Klima vor dem Verfall bewahrt. Darauf zu sehen sind Ornamente, aber auch fliegende Priestergestalten und das von Archäologen so getaufte "Anthropomorphe Mythische Wesen", das auch auf der Keramik immer wieder auftaucht.

Beim "Anthropomorphen Mythischen Wesen" könnte es sich um die höchste Gottheit der Nasca gehandelt haben – eine These, die sich allerdings ausschließlich auf die Häufigkeit des Motivs stützt. So oder so zeigen die Darstellungen, dass es sich bei der Kultur der Nasca nicht um eine besonders friedliche gehandelt hat.

Das verdeutlichen auch die Darstellungen von Vögeln, die sich offensichtlich vom Körper enthaupteter Menschen ernähren. Eigentlich ist diese Darstellung laut Auskunft der Ausstellungsmacher innerhalb der Nasca-Zeugnisse eher selten. In der Bundeskunsthalle sind aber zahlreiche Beispiele blutiger Verspeisungen Kopfloser zu sehen.

Die neuesten archäologischen Erkenntnisse lassen den Schluss zu, dass die teils figürlichen, teils abstrakten Nasca-Linien nicht dazu dienten, von den Göttern betrachtet, sondern von den Menschen – begleitet von Musik und Drogen – abgeschritten zu werden. Aber im Grunde ist auch mit dieser These eigentlich noch nicht viel gesagt.

Was bleibt, sind Exponate von einer Schönheit und Phantasie, wie man sie wohl schon lange nicht mehr zu Gesicht bekam. Wie eine Kultur in den unwirtlichen Wüstenregionen der heutigen peruanischen Provinzen Palpa und Nasca dies vor über 2.000 Jahren hinbekommen konnte, ist wohl das größte Rätsel.

Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Bundeskunsthalle versucht hat, die Geschichte der archäologischen Funde mit VR-Animationen und die untergegangene Welt der Nasca mit animierten Filmen zu rekonstruieren. Trotzdem ist das mehr als Spielerei – lässt es die Zeit und ihr Denken doch tatsächlich etwas lebendiger erscheinen.

"Nasca. Im Zeichen der Götter. Archäologische Entdeckungen aus der Wüste Perus" sind noch bis zum 16. September 2018 in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen. Zur Ausstellung ist auch ein prächtiger Katalog mit umfangreichen Texten erschienen.

Stand: 11.05.2018, 14:19 Uhr