Moebius' surreale Comic-Welt in Brühl

Moebius' surreale Comic-Welt in Brühl

Von Thomas Köster

Er war der wohl größte Magier der Comicwelt: Jean Giraud alias Moebius. Dem Genre eröffnete er völlig neue Wege, zudem erfand er ein phantastisches Universum. Unterhaltsam und große Kunst. Im Max Ernst Museum.

Moebius, Max Ernst Museum, Brühl 2019 (Ausstellungsansicht)

In Moebius' ganz eigenes Universum kann man sich nun in Brühl bei Köln versenken. Versammelt sind rund 450 Arbeiten des großen Zeichners, der nicht zuletzt Regisseure wie George Lucas und Ridley Scott beeinflusste und mit Luc Bresson zusammenarbeitete. Zumeist sind es Originale. Aber auch die lebensgroßen Abzüge sind eine echte Schau.

In Moebius' ganz eigenes Universum kann man sich nun in Brühl bei Köln versenken. Versammelt sind rund 450 Arbeiten des großen Zeichners, der nicht zuletzt Regisseure wie George Lucas und Ridley Scott beeinflusste und mit Luc Bresson zusammenarbeitete. Zumeist sind es Originale. Aber auch die lebensgroßen Abzüge sind eine echte Schau.

Mit 14 Jahren entdeckt der Franzose Jean Giraud (1938-2012) die Science-Fiction-Literatur. Die Geburtsstunde von Moebius, wie er sich später nennen wird. Die Elemente des Utopischen werden zum Bestandteil seiner Bildsprache.

Versammelt sind auch die grundlegenden Ideen, die Moebius in seinen Notizbüchern ("Carnets") skizziert hat. So kann man dem Zeichner in gewisser Weise über die Schultern schauen.

Das Wandern zwischen den Welten, das Fliegen und Fallen durch Zeit und Raum sind zentrale Motive im Werk. Es ist eine "Utopie des Wunderbaren", eine "kontrollierte Schizophrenie", in der die geschaffenen Universen durchaus auch als meditative Orte verstanden werden können. Selbst da, wo es an Figuren nur so wimmelt, strahlen die Bilder eine unglaubliche Ruhe aus.

Einem breiteren Publikum bekannt wurde Moebius unter dem Pseudonym Gir in den 1960er Jahren unter anderem mit der Westernserie "Leutnant Blueberry". Dessen Titelheld muss zur Zeit der Besiedelung des Wilden Westens im Auftrag der US-Armee zahlreiche Abenteuer bestehen. Auch hierfür sind in Brühl zahlreiche Beispiele zu sehen.

In "Leutnant Blueberry" kommt die "ganz starke Neigung zur nordamerikanischen Wüste mit ihren Kakteen, die wie reglose Wesen dastehen," zum Tragen. Sie wird in seinen Comics zur unwirklichen Landschaft fremder Planeten. In der Serie "Arzach" mit seinem markanten (und stummen) Helden verschmelzen ab 1975 Wilder Westen und Science-Fiction.

Mit "Arzach" bricht Moebius mit den Mustern des traditionellen Comics, indem er dem Helden mit der phrygischen Mütze in späteren Bänden neue Namen gibt, auf Sprechblasen fast vollständig verzichtet und die Grenzen zwischen Raum und Zeit verschwimmen lässt. Getreu dem laut Moebius vorherrschenden Theorem der Science-Fiction-Literatur, "dass Zeit in verschiedene Ströme unterteilt werden kann, dass jeder Moment zahlreiche Möglichkeiten birgt".

Das gilt auch für die Bände von "Die hermetische Garage", in der Moebius sein Alter Ego, den in Zeitreisen geschulten und von Raum-Magiern ausgebildeten Major Grubert durch ein labyrinthisch verschachteltes, von ihm selbst erzeugtes Universum voller logischer Sprünge reisen lässt.

Für Moebius ist die zeichnerische Außenwelt ohnehin nur Sinnbild der eigenen Innenwelt: "Wir wandeln uns kontinuierlich, meist in Reaktion auf verschiedenste Reize, sichtbare wie unsichtbare, innere wie äußere, die zu einer physischen und psychischen Metamorphose in uns führen. Für mich ist das Prinzip der plastischen Metamorphose, das meine Zeichnungen prägt, kein Fetisch oder zeichnerischer Einfall, sondern ein Sinnbild für den Wandel, der sich in unserem Inneren fortwährend vollzieht" (Selbstporträt, 1999).

Von dieser Warte aus ist es vom Biografischen zum Surrealistischen nicht mehr weit. Ein Grund, warum die Ausstellung im Max Ernst Museum mehr als gerechtfertigt ist. Der eigentliche Grund aber ist wohl, dass bei Moebius nicht nur die Grenzen zwischen Raum und Zeit, sondern auch die zwischen unterhaltsamem Comic und hoher Zeichenkunst aufgehoben sind.

Dass Moebius bisweilen abstrakt wird, ist vielleicht sogar manchem Comic-Fan neu. Gut, dass man in Brühl sogar in diese gegenstandslosen Kosmen des großen Magiers eintauchen kann. Auch das ist ein Aspekt, der die sehenswerte Schau bereichert.

Derart geschult, erkennt man dann, dass die Abstraktion im Grunde bei Moebius im auch gruseligen Kosmos überall schon gelauert hat.

"Moebius" ist noch bis zum 16. Februar 2020 im Max Ernst Museum in Brühl zu sehen. Zur Ausstellung ist ein schön gemachter rund reich illustrierter Katalog erschienen. Im Museumsshop gibt's aber auch die echten Moebius-Comics zu erstehen (im Bild: Peticok-Figur aus "La Faune de Mars", 2007).

Stand: 13.09.2019, 13:00 Uhr