Wuppertal feiert die Malerin Paula Modersohn-Becker

Wuppertal feiert die Malerin Paula Modersohn-Becker

Von Thomas Köster

Selbstbewusst und mit bemerkenswerter Konsequenz entwickelte Paula Modersohn-Becker Anfang des 20. Jahrhunderts einen gänzlich eigenen Stil, der sie zur Wegbereiterin des Expressionismus werden ließ. Eine sehenswerte Retrospektive im Wuppertaler Von der Heydt Museum illustriert ihre Bedeutung.

Paula Modersohn-Becker. Zwischen Worpswede und Paris, Von der Heydt, Museum Wuppertal 2018 (Ausstellungsansicht)

Mit über 20 Gemälden besitzt das Von der Heydt-Museum neben dem Paula-Modersohn-Becker-Museum in Bremen das größte Konvolut mit Bildern der Künstlerin. Da ist die Retrospektive, die ein Publikumsrenner zu werden verspricht, nur konsequent ("Mädchen mit gelbem Kranz im Haar", 1901).

Mit über 20 Gemälden besitzt das Von der Heydt-Museum neben dem Paula-Modersohn-Becker-Museum in Bremen das größte Konvolut mit Bildern der Künstlerin. Da ist die Retrospektive, die ein Publikumsrenner zu werden verspricht, nur konsequent ("Mädchen mit gelbem Kranz im Haar", 1901).

Die Ausstellung "Paula Modersohn-Becker. Zwischen Worpswede und Paris" versammelt 110 Porträts, Selbstporträts, Stillleben und Landschaften sowie Skulpturen aus dem Umfeld der Künstlerin. Bis zu ihrem frühen Tod im Alter von nur 31 Jahren hinterließ sie ein erstaunlich reifes Oeuvre ("Sitzendes Bauernmädchen im Profil nach links", 1899).

Im Spannungsfeld zwischen der norddeutschen Provinz und der französischen Metropole entwickelte Modersohn-Becker einen radikalen Stil, der eher die eigenen Empfindungen zum Ausdruck bringen soll, als das Gesehene abzubilden. Das ist damals revolutionär - was leicht aus dem Blick gerät, weil die Moderne heute dekorativ geworden ist ("Mädchenbildnis mit gespreizter Hand vor der Brust", 1905).

Der Wunsch nach künstlerischer Autonomie ist darin ebenso spürbar wie die Sehnsucht nach einer Familie ("Stehender weiblicher Akt nach rechts", 1899).

1901 heiratet die Künstlerin Otto Modersohn, mit dem sie gemeinsam ihr Faible für die Landschaft Worpswedes entwickelt hatte. Es folgen zahlreiche Reisen, immer wieder auch nach Paris, was die Ausstellung in den Fokus rückt ("Otto Modersohn mit Strohhut im Profil nach rechts", ca. 1905).

Schön ist, dass die Retrospektive das Werk der Künstlerin in Beziehung zu Zeitgenossen oder Künstlern aus dem Umfeld wie Vincent van Gogh oder Félix Vallotton rückt. Das macht, etwa bei der Behandlung von Form und Farbe, eine gewisse Nähe deutlich, offenbart aber auch das Originelle (Vincent van Gogh: "Kopf einer alten Bäuerin mit weißer Haube", 1884).

Auch die Zeit in Worpswede als Künstlerkolonie, die zahlreiche große Maler und Kunsthandwerker hervorgebracht hat, wird so wieder ein Stück weit lebendig (Heinrich Vogeler: "Mutter und Kind im Schlafgemach", 1906).

Teilweise werden die Bezüge, etwa zu antiken Skulpturen oder Steinmasken, nicht gleich greifbar. Das macht aber nichts. Denn auch diese Exponate fügen sich in den Gesamtkontext der Schau nahtlos ein. Und sind von einer teils berückenden Schönheit.

Warum Paula Modersohn-Becker eher im Verborgenen malte und selbst guten Freunden wie Rainer Maria Rilke ihre Werke vorenthielt, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Als eine der wenigen Malerinnen brachte sie eine Ausdrucksstärke und Sensibilität in die Kunst, die man vorher kaum kannte - was sie zu einer der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus macht.

"Paula Modersohn-Becker. Zwischen Worpswede und Paris" ist noch bis zum 24. Februar 2019 im Von der Heydt Museum in Wuppertal zu sehen. Parallel dazu läuft die Ausstellung "Blockbuster - Museum", die man sich auch nicht entgehen lassen sollte.

Stand: 17.10.2018, 11:13 Uhr