Michael Sandle, Ian McKeever und Tony Cragg in Wuppertal

Michael Sandle, Ian McKeever und Tony Cragg in Wuppertal

Endlich haben auch die Ausstellungshallen im Skulpturenpark Waldfrieden wieder geöffnet. Und zeigen mit Michael Sandle, Ian McKeever und Tony Cragg einen schönen Dreiklang. Wer das sehen will, muss sich allerdings beeilen: Ende Mai ist schon wieder Schluss!

Ian McKeever und Tony Cragg, Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal 2020 (Ausstellungsansicht)

Eigentlich hat Tony Cragg es gut. Schließlich kann sich der britische Bildhauer in seinen Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden die Künstler einladen, die ihm besonders gut gefallen. Und sogar seine eigenen Werke mit denen der Kollegen in Dialog treten lassen.

Eigentlich hat Tony Cragg es gut. Schließlich kann sich der britische Bildhauer in seinen Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden die Künstler einladen, die ihm besonders gut gefallen. Und sogar seine eigenen Werke mit denen der Kollegen in Dialog treten lassen.

Dieses Privilleg nutzt Cragg relativ selten. Aber im Fall von Ian McKeever ist es jetzt wieder so weit. In der unteren Ausstellungshalle, die durch ihre ruhige Architektur dafür besonders geeignet ist, hat Cragg eigene Skulpturen mit den großformatigen Abstraktionen Ian McKeevers kombiniert. Und das funktioniert ganz wundervoll.

Zumal beide Künstler viele Gemeinsamkeiten haben. Nicht nur, dass beide Briten sind und ihren Stil in Deutschland ausgebildet und verfeinert haben: Beide kommen von der Naturdarstellung her. Beide haben von dort aus ihren ganz eigenen, abstrakten Stil entwickelt. Ian McKeever geht es dabei vor allem um den Eigenwert der Farbigkeit.

In Wuppertal sind einige von Ian McKeevers "Henge Paintings" zu sehen. Der Titel bezieht sich auf die beiden prähistorischen Anlagen aus "Standing Stones", aufrecht stehende Steine in Stonehenge und Avebury, in deren Nähe der Künstler lebt und arbeitet. Craggs himmelstrebende Skulpturen passen da ausgezeichnet.

Wie Cragg, so gilt auch McKeever als einer der bedeutendsten britischen Künstler seiner Generation - dies allerdings weniger in Deutschland, sondern eher in seiner Heimat, den USA und im skandinavischen Raum. Jetzt haben wir Gelegenheit, das nachzuholen. Zumal man die Bilder im Kontext der Craggschen Skulpturen fast ungestört genießen kann: Denn wegen der coronabedingten neuen Wegeführung verirrt sich kaum ein Besucher in diese Räume.

Das ist in der oberen Ausstellungshalle des Skulpturenparks Waldfrieden, wo momentan Werke des britischen Bildhauers Michael Sandle zu sehen sind, ganz anders: Denn die durch ihr Glasrondell nur für Skulpturen geeignete Halle ist für jeden, der einen Rundgang durch das bezaubernde Waldgelände macht, gut sichtbar.

Auch inhaltlich könnte der Kontrast nicht stärker sein. Denn bei Sandles archaisch wirkenden Skulpturen geht es nicht um die kontemplative Abstraktion, sondern um die erschreckende Grausamkeit des Menschen im Spannungsfeld zwischen individueller Verantwortung und kultureller Prägung. Vor allem das Genre des Kriegerdenkmals wird immer wieder mit tiefem Ernst aufgegriffen. ("Marquette for Animals in War Memorial", 1999)

Das zeigt sich auch an der ältesten Arbeit der Schau, "Caput Mortuum: A Commentary" (1982), die unmittelbar nach dem Falkland-Krieg entstand: Statt mit Kränzen ist der gefallene Soldat mit Autoreifen bedeckt - und wird so buchstäblich zum "Müll der Geschichte".

"The Sound of Your Silence" von 2009 hingegen ist die personifizierte Hilflosigkeit. In Form einer Pietà gehalten, zeigt sie eine Mutter mit ihrem in Stoffbahnen gewickelten Kind. Während ihr Gesicht wie in einer Foltersituation mit einem Sack verhüllt ist ...

... wirkt ihr gepuckter Säugling wie mumifiziert. Ein Klebestreifen über dem Mund verhindert den Schrei.

Auf jeden Fall hat Michael Sandle - wie auch Tony Cragg - viel getan für das Verständnis der zeitgenössischen Skulptur in Großbritannien und Deutschland. Im direkten Vergleich mit Ian McKeevers Malerei wirkt die Wucht seiner Figurationen noch einmal verstörender. (Detail von "As Ye Sow So Shall Ye Reap: An Allegory", 2015)

Aber es gibt auch wieder Gemeinsamkeiten. Denn auch Sandle hat als Brite einen großen Teil seines Lebens in Deutschland verbracht - unter anderem als Dozent und Professor für Skulptur an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim. Und wie Ian McKeever lässt er sich viel Zeit für jedes einzelne Werk: "Er hielt es immer für Zeitverschwendung, etwas Geringeres als ein Meisterwerk zu schaffen", formulierte es einmal der Kritiker John McEwen. (Detail von "Queen of the Night", 1999)

"Michael Sandle" sowie "Ian McKeever und Tony Cragg" sind noch bis zum 1. Juni 2020 im Skulpturenpark Waldfrieden zu sehen. (Michael Sandle, "St. George's Horse", 2007)

Stand: 12.05.2020, 14:00 Uhr