Jazz-Star Till Brönner zeigt seine Ruhrpott-Fotos

Jazz-Star Till Brönner zeigt seine Ruhrpott-Fotos

Von Thomas Köster

Till Brönner ist nicht nur ein begnadeter Jazztrompeter. Er hat auch ein verdammt gutes Auge. Das zeigen seine Ruhrpott-Fotos im Duisburger Museum Küppersmühle für moderne Kunst.

Till Brönner in seiner Ausstellung "Melting Pott, MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg 2019

Till Brönner ist zweifellos Deutschlands Jazz-Musiker Nummer eins. Seit zehn Jahren gehört neben seiner Trompete aber auch die Leica-Kamera zu seinen Instrumenten. Erstes Ergebnis war der Bildband "Faces of Talent" mit Backstage-Porträts von Musikern. Und jetzt eben "Melting Pott": eine Bestandsaufnahme über Menschen und Orte aus dem Ruhrgebiet.

Till Brönner ist zweifellos Deutschlands Jazz-Musiker Nummer eins. Seit zehn Jahren gehört neben seiner Trompete aber auch die Leica-Kamera zu seinen Instrumenten. Erstes Ergebnis war der Bildband "Faces of Talent" mit Backstage-Porträts von Musikern. Und jetzt eben "Melting Pott": eine Bestandsaufnahme über Menschen und Orte aus dem Ruhrgebiet.

Ein Jahr lang ist der gebürtige Viersener im Auftrag der Brost-Stiftung, die sich der Zukunft der Region verschrieben hat, durch den Schmelztiegel Ruhrgebiet gereist und hat mit dem Auge des Musikers Fotos der Region komponiert. Rund 200 Bilder sind jetzt in Duisburg zu sehen ("U-Bahn-Station, Westfalenhallen, Dortmund", 2019).

Interessiert ist Brenner an Strukturen und Architekturen, an alten Bausünden und neuen Entwicklungen des urbanen Raums ("Uhr vor dem Rathaus von Marl", 2019).

Besonders stark ist der Jazz-Musiker aber da, wo er die "direkten, aber herzlichen" Menschen des Ruhrgebiets fotografiert, die trotz des Strukturwandels in der Bergbauregion ihren Lebensmut nicht verloren haben ("BVB-Südtribüne, Dortmund", 2018).

Vom Taubenzüchter über die zufällige Straßenbekanntschaft bis zum Fußballstar reicht das Spektrum.

"Der Weltstar Till Brönner hat sein Revier entdeckt", sagt der Vorstand der Brost-Stiftung, Bodo Hombach (SPD), über die Fotos. "Er hat Bilder in die Welt gesetzt, die spiegeln, offenbaren und sich in die Köpfe eingraben. So wie der musikalische Ohrwurm eines Virtuosen." Da schließt sich der Kreis. ("Alteingesessene Galerie am Bochumer Westring", 2019).

Die Kommunikation im Jazz sei eine ähnliche, wenn nicht sogar identische wie in der Fotografie, sagt auch Brönner. "Deshalb war das für mich eine ganz natürliche Geschichte, dass ich zur Kamera greife und mich ausprobiere." Das Experiment hat sich gelohnt ("Thyssen-Werk Duisburg", 2019).

Ein spezieller Stil ist dabei kaum auszumachen. Nur die jeweiligen Werkgruppen sind in sich sehr homogen. Immer wieder blitzen die unterschiedlichsten Vorbilder durch. So hat man manchmal das Gefühl, es bei "Melting Pott" mit einer Sammelausstellung zu tun zu haben (Ruhrbrücke, Mülheim an der Ruhr", 2019).

Stilistische Vielfalt ist ja kein Manko. In der Kunst nicht, und schon gar nicht im Jazz. Und vielfältig und vielstimmig, das zeigen Brönners Fotos allemal, ist eben auch der Pott.

So sieht es offenbar auch Brönner, der inzwischen neben Berlin vor allem in Los Angeles zu Hause ist: "Ich habe verstanden, dass es das eine Bild vom Ruhrgebiet nicht gibt." Die Region stehe für "eine riesige Ambivalenz".

Für Brönner ist der Ruhrpott in seiner Polyphonie nämlich "das Amerika Deutschlands".

"Till Brönner. Melting Pott" ist noch bis zum 6. Oktober 2019 im MKM Museum Küppersmühle für moderne Kunst in Duisburg zu sehen. Der dazu erschienene Katalog, der die Komposition der Fotos bisweilen vielleicht ein wenig zu sehr beschneidet, ist auch eine echte Schau.

Nach der Duisburger Eröffnungsstation soll die Ausstellung übrigens auch an verschiedenen Orten Deutschlands und in Nachbarländern gezeigt werden. Das ergibt Sinn. Denn in künstlerischer wie dokumentarischer Hinsicht ist "Melting Pott" wundervolles Anschauungsmaterial über eine Region im Wandel.

Stand: 03.07.2019, 09:00 Uhr