Smiley-Kosmos in der Skulpturenhalle

Smiley-Kosmos in der Skulpturenhalle

Der amerikanische Konzeptkünstler Matt Mullican erfindet Smileys und Icons. Und macht daraus einen eigenen Kosmos, den die Besucher von Thomas Schüttes Skulpturenhalle bei Neuss jetzt ganz individuell entschlüsseln können.

Smiley-Kosmos in der Skulpturenhalle

Von Thomas Köster

Matt Mullican. Banners, Skulpturenhalle, Neuss 2019 (Ausstellungsansicht)

Eigentlich stehen Zeichen wie Emoticons und Icons ja stellvertretend für etwas in der realen Welt. Beim 1951 in Kalifornien geborenen Konzeptkünstler Matt Mullican ist das anders. Hier stehen sie für sich. Hier tun sie nur so, als würden sie für etwas anderes stehen. Und entwerfen einfach ihr eigenes Universum.

Eigentlich stehen Zeichen wie Emoticons und Icons ja stellvertretend für etwas in der realen Welt. Beim 1951 in Kalifornien geborenen Konzeptkünstler Matt Mullican ist das anders. Hier stehen sie für sich. Hier tun sie nur so, als würden sie für etwas anderes stehen. Und entwerfen einfach ihr eigenes Universum.

Das hat vor allem mit Mullicans philosophischer Grundhaltung zu tun, die davon ausgeht, dass auch die Wirklichkeit eigentlich individuell und kulturell konstruiert wird. "Das Leben existiert in unserer subjektiven Erfahrung", sagt der Künstler dementsprechend. "Deshalb ist die abgebildete Realität dasselbe wie die Realität. Das Erdachte entspricht dem Realen."

Für diesen komplexen Gedanken hat Mullican mit seinen teils zusammengenähten, teils bedruckten Zeichenflaggen einen scheinbar simplen Ausdruck gefunden. In der Skulpturenhalle des Bildhauers Thomas Schütte in der Nähe von Neuss ist jetzt ein Parcours zu sehen, der dies eindrucksvoll belegt.

"Flaggen sind schneller als Gemälde", sagt Mullican. Und meint damit sinngemäß, dass die Zeichensprache von Symbolen schneller entschlüsselt werden kann als ein van Gogh. Für seine "Banners" gilt das nur bedingt. Denn sie entwerfen einen eigenen Kosmos, der in seiner Gänze keine Entsprechung hat in der Welt. Das einzelne Zeichen ist schnell zu erdeuten. Aber was ist mit dem ganzen Text?

Aber vielleicht ist das ja auch das Geheimnis von Mullicans eindringlicher, streng subjektiver Kunst: Dass sich der Betrachter in seinem installativen Universum eine eigene Erzählung schaffen muss - gegebenenfalls auch haptisch. Was simpel scheint, ist letztlich doch ein geistiger, vor allem aber: poetischer Akt.

Auf jeden Fall sollte man sich Zeit mitbrigen, wenn man in Thomas Schüttes Skulpturenhalle durch das Dickicht der Zeichen wandert. Wer das tut, wer den teils verschlungenen Pfaden der Symbole folgt, wer Bezüge schafft und gegebenenfalls bereit ist, Bezüge wieder fallen zu lassen, wird mit Geschichten belohnt.

Gemeinsam mit Künstlern wie Barbara Kruger, Cindy Sherman oder Richard Prince wird Mullican zur sogenannten Pictures Generation gerechnet, die sich aus dem Fundus des der aktuellen Medienwelt mit ihren Icons und Hashtags bedient, um mit Erwartungshaltungen zu spielen. In dieser eigentlich sattsam bekannten Gruppe ist Mullican eine Entdeckung.

Auf diesem Bild legt Thomas Schütte mit seinem Assistenten (und der fast schon obligatorischen Mütze) noch letzte Hand an. Inzwischen ist aber alles fertig. "Matt Mullican. Banners" ist noch bis zum 11. August 2019 in Schüttes Skulpturenhalle zwischen Langen Foundation und Museum Insel Hombroich bei Neuss zu sehen. Zur Ausstellung ist ein kleiner Katalog in der hübschen kleinen Reihe der Skulpturenhalle erschienen.

Stand: 05.04.2019, 15:01