Linien für Räume: Lisa Busche in Köln

Linien für Räume: Lisa Busche in Köln

Von Thomas Köster

Mit nahezu kalligraphisch gezogenen Linien aus der Sprühdose und minimalistischen Eingriffen mit Klebeband reagiert Lisa Busche auf den Raum, in dem sie ihre Bilder ausstellt. Kleine Effekte mit großer Wirkung, wie man jetzt in der "artothek" im spätgotischen Haus Saaleck in Köln sehen kann.

Lisa Busche.Tolerante, Artothek Köln 2020 (Ausstellungsansicht)

"Ich arbeite gern mit dem Raum, dessen Strukturen ich mit einbeziehe", sagt Lisa Busche. Für die Ausstellung im "Raum der Kunst" hat sie die geschwungenen Formen der Galerie und des Geländers in ihren Bilderkosmos aufgenommen.

"Ich arbeite gern mit dem Raum, dessen Strukturen ich mit einbeziehe", sagt Lisa Busche. Für die Ausstellung im "Raum der Kunst" hat sie die geschwungenen Formen der Galerie und des Geländers in ihren Bilderkosmos aufgenommen.

Lisa Busche denkt gestisch. Der Verlauf der Linie, der wie zufällig aussieht, ist von langer Hand geplant. "Auch wenn es spontan aussieht, ist es ein langer Weg dahin", sagt sie. "Durch Zeichnen. Durch Überstreichen. Durch Ausprobieren." Das passiert im Atelier. Und es ist wichtig. "Weil ich ja später nichts korrigieren kann."

Eigentlich trägt Busche ihre teils dank Klebebandabdeckung nur als Farbrand sichtbare Sprühfarbe gern direkt auf die Wand auf. Aber das war im denkmalgeschützten ehemaligen Bürgerhaus Saaleck, das noch aus dem Mittelalter stammt, nicht möglich.

Deshalb finden sich Busches Striche hier nur auf den Leinwänden. Und eben, für die Künstlerin eher ungewöhnlich, auf Acrylglasscheiben in Türgröße. "So bleibe ich meiner Arbeit trotzdem treu."

Der Titel der Ausstellung - "Tolerante" - verdankt sich übrigens einem Schiffsnamen, den Busche am Rhein entdeckt hat: "Da ziehen Schiffe mit teilweise sehr geheimnisvollen Namen vorbei." Einige sind in die Titel ihrer Werke eingeflossen. In "Astra" und "Spero" zum Beispiel.

Ob Busche den Draht, der die Vorlage für ihre Einladungskarte war, auch am Rhein gefunden hat? Die Künstlerin weiß es nicht mehr. "Drähte sind ja auch eine Art dreidimensionale Zeichnung, die ohne mein Zutun entstanden ist", sagt Busche. Hübsch ist das verfremdete Ergebnis, das irgendwie wieder wie gesprüht aussieht, auf jeden Fall. Und es passt ganz wunderbar zu ihrer Kunst.

Der "Raum für junge Kunst" befindet sich in der Kölner "arthotek", in der man seit 1973 gegen einen geringen Jahresbeitrag (5 Euro) und eine ebenso geringe Leihgebühr (6 Euro) Kunst - vor allem Grafik, aber auch ein bisschen Skulptur - für jeweils zehn Wochen fertig gerahmt und gut verpackt mit nach Hause nehmen kann. 25 Artotheken gibt es in NRW; allein in Köln haben im vergangenen Jahr 350 Menschen dieses Angebot genutzt. Hier steht die künstlerische Leiterin Astrid Bardenheuer im riesigen Depot.

Über 1.500 ausleihbare Arbeiten, die irgendwie mit Köln und dem Rheinland verknüpft sind, sind hier versammelt. Die teils sehr hochwertigen Werke stammen aus Ankäufen, Schenkungen von Sammlungen oder von den im "Raum für junge Kunst" ausstellenden Künstlern. Aussuchen kann man sie im Internet. Oder, ganz nostalgisch, vor Ort in einem Dia-Katalog. (Im Bild: eine Übermalung des großen Arnulf Rainer).

"Lisa Busche. Tolerante" ist noch bis zum 22. Februar 2020 im "Raum für junge Kunst" der "arthothek" in Köln nahe beim Museum Ludwig zu sehen.

Stand: 17.01.2020, 09:00 Uhr