Shortlist zum Kunstpreis "junger westen 2019" in Recklinghausen

Shortlist zum Kunstpreis "junger westen 2019" in Recklinghausen

Von Thomas Köster

Gerhard Richter hat ihn bekommen, Emil Schumacher und Horst Antes auch: Seit 1948 geht der Förderpreis "junger westen" an Künstler unter 40. In der Kunsthalle Recklinghausen sind die Werke des diesjährigen Preisträgers Ugur Ulusoy zusammen mit denen anderer Nominierter zu sehen.

Ugur Ulusoy, Gewinner des Kunstpreises "junger westen 2019", Kunsthalle Recklinghausen

Nach eigener Aussage entwickelt Ugur Ulusoy "hybride Welten, die offen für alle sind und keine klare Verortung benötigen". Für die Jury von "junger westen 2019" war es vor allem die "ästhetische Kraft" seiner Werke, die den Ausschlag gab, dem 1984 in Oberhausen geborenen und inzwischen in Braunschweig und Karlsruhe arbeitenden Künstler den diesjährigen Förderpreis zu verleihen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.

Nach eigener Aussage entwickelt Ugur Ulusoy "hybride Welten, die offen für alle sind und keine klare Verortung benötigen". Für die Jury von "junger westen 2019" war es vor allem die "ästhetische Kraft" seiner Werke, die den Ausschlag gab, dem 1984 in Oberhausen geborenen und inzwischen in Braunschweig und Karlsruhe arbeitenden Künstler den diesjährigen Förderpreis zu verleihen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.

Ulusoy hat eine Ecke des Ausstellungsraums mit bemalten Tüchern gefüllt, die zum Teil aus dem Fundus seiner türkisch-kurdisch-aserbaidschanischen Familie stammen. Ihm geht es um einen "Ort, an dem verschiedene Kulturen auf Augenhöhe aufeinander treffen - um gemeinsam die Symbole und deren Bedeutung neu zu definieren und so Strereotype und die einhergehenden Machtstrukturen zu brechen".

Alle zwei Jahre wird der Kunstpreis "junger westen" in verschiedenen Genres ausgeschrieben. Diesmal war es die Malerei. Fast 500 Künstlerinnen und Künstler, die nach 1983 geboren sind, hatten sich beworben. Neben Preisträger Ulusoy hat die Jury 20 weitere Kunstschaffende eingeladen, in Recklinghausen ihre Werke zu zeigen. Die Shortlist zum Kunstpreis gewissermaßen. (Manuel Stehli, "Ohne Titel" 2019).

Javkhlan Ariunbold aus der Mongolei ist eine davon. Sie hat die Wände im Treppenhaus des Kunstmuseums mit Punkten versehen. Diese sind in der Farbe jener Schatten gehalten, die unter anderem das Geländer wirft. Inspiriert ist das Muster vom Rhythmus der Nieten in Konstruktionen aus Stahlträgern, wie sie im Ruhrgebiet typisch sind. Zunächst ist die rund fünf Meter hohe Arbeit fast unsichtbar, dann beginnt sie wundervoll zu flirren ("Interrupted Cadence", 2019).

Stärkster Konkurrent von Ugur Ulusoy war offenbar Filiz Öcelik aus Düsseldorf. Auf die beiden Künstler habe sich die Diskussion am Ende zugespitzt, bevor der jetzige Preisträger einstimmig gewählt worden sei, heißt es aus der Jury, zu der in diesem Jahr unter anderem die Richter-Schülerin Karin Kneffel sowie die Museumsdirektoren Katja Baudin aus Krefeld und Roland Nachtigäller vom Marta Herford gehörten.

Damit kamen zwei Kandidaten in die engere Wahl, die Malerei aus ihrer zweidimensionalen Enge befreien wollen und sie auch als Installation verstehen. Wie auch die in Wuppertal geborene und inzwischen in Bremen lebende Lisa Sinan Mrozinski, die raumgreifend arbeitet und die Architektur des Kunstmuseums mit einbezogen hat.

Selbst die Säulen werden da Teil der Malskulptur.

Bisweilen fragt man sich beim Gang durch die Räume ohnehin, ob das, was man sieht, überhaupt dem Genre der Malerei zuzuordnen ist. Kriz Olbrichts "Zoagli" von 2019 etwa besteht aus einer Stahlstrebe, die ein Handtuch an die Museumswand drückt.

Ansonsten gibt es in der Ausstellung aber auch viele fast schon klassisch zu nennende Beispiele dafür, dass die immer wieder einmal gerne totgesagte Malerei auch bei den U40-Künstlern überaus lebendig ist (Anja Warzecha, "3/X", 2017).

Dabei reicht das Spektrum vom Fotorealismus des in Köln lebenden Indonesiers Fakhri Bohang ...

... über Gemälde wie die von Sophie Ullrich aus Düsseldorf, die mit der Auflösung des Gegenständlichen spielen ...

... bis hin zur nackten Abstraktion Linda Eberts aus Kiel.

"Kunstpreis 'junger westen' 2019" ist noch bis zum 2. Februar 2020 in der Kunsthalle Recklinghausen zu sehen. Zur Ausstellung ist ein schön gemachter Katalog mit Werken der gezeigten Künstler erschienen, der leider auf weiterführende Informationen gänzlich verzichtet. Das ist aber auch schon der einzige Makel.

Stand: 02.12.2019, 09:00 Uhr