Julian Opie lässt in Duisburg Skulpturen laufen

Julian Opie lässt in Duisburg Skulpturen laufen

Von Thomas Köster

Sie heißen Amelia, Daisy, Jeremy, Theresa und Sam - auf anonyme Icons reduzierte Großstadtmenschen des britischen Künstlers Julian Opie. Das Duisburger Lehmbruck Museum bringt sie jetzt zum Laufen.

Der britische Maler, Bildhauer und Videokünstler Julian Opie hat es mit seinen Bildern und Skulpturen von Großstadtmenschen bis auf die documenta und die Biennale in Venedig geschafft. Er reduziert seine Menschen zu anonymen Icons, die gesichtslos im urbanen Raum unterwegs sind. Die comic-artigen Figuren reflektieren den Verlust von Individualität inmitten einer digitalen Bilderflut - und geben dem Einzelnen doch eine gewisse Anmut zurück.

In der Glashalle des Duisburger Lehmbruck Museum sind nun sieben überlebensgroße Metallskulpturen zu sehen - Vorbild waren reale Personen, die Opie in Melbourne fotografiert hat. Die Skulpturen zeigen, wie Opie gerade aus der Abstraktion eine wiedererkennbare Marke gemacht hat. Vor dem Museum laufen seine Figuren auf den vier Bildschirmen einer Computeranimation in Endlosschleife permanent um die Ecke.

"Die schönen und klassisch-modernistischen Ausstellungsräume des Lehmbruck Museums erfordern eine ganz besondere Reaktion und ermöglichen eine dramatische und offene Präsentation der Arbeiten", sagt Opie. Hier inspiziert der Künstler, der sich nicht gern porträtieren lässt, die Gesamtpräsentation.

Vor allem die aus LED-Lichtpixeln bestehenden "Runners" vor der Glasfront des Museums entfalten in ihrem Dauerlauf einen hypnotischen Effekt, sind hochmodern - und verweisen zudem auf den antiken Mythos von Pygmalion, der ja vor allem davon handelt, Skulpturen zum Leben zu erwecken.

In diesem Sinn passt Julian Opie optimal ins Konzept der Reihe "Sculpture 21st" des Lehmbruck Museums, in der es ja vor allem darum geht, die Modernität von Bildhauerei und Plastik in der zeitgenössischen Kunst auszuloten, findet Kuratorin Bettina Dunker. "Seine Art, Skulptur mit modernster Technik in Bewegung zu setzen, ist für unsere Reihe eine spannende Position."

Ihm sei es darum gegangen, die "optimistische und erfrischende Architektur" des Museums als Kulisse zu nutzen, um "eine dynamische Beziehung zu den Vorübergehenden" zu schaffen, sagt Opie.

"Die Sammlung konzentriert sich auf den Körper als Skulptur und ich hoffe, diese Tradition in der Bildsprache der modernen Stadt fortzusetzen", sagt Opie. Das ist ihm in Duisburg zweifellos gelungen.

"Sculpture 21st: Julian Opie" ist noch bis zum 15. September 2019 im Lehmbruck Museum Duisburg zu sehen.

Stand: 05.06.2019, 10:30 Uhr