Zu Gast bei Joana Vasconcelos im Max Ernst Museum

Zu Gast bei Joana Vasconcelos im Max Ernst Museum

Von Thomas Köster

Behäkelte Keramikhunde, ein Wohnzimmer mit Rosensofa und Föhnfrisuren aus dem Windkanal: Mit "Maximal" verwandelt die Portugiesin Joana Vasconcelos das Max Ernst Museum in Brühl in ihr ganz persönliches Kunst-Haus. Mitmachen darf man (teilweise) auch.

Joana Vasconcelos. Maximal, Max Ernst Museum Brühl 2019 (Ausstellungsansicht)

In der Kunstwelt gilt die 1971 in Paris geborene Joana Vasconcelos als eine der bekanntesten zeitgenössischen Künstlerinnen Portugals. 2005 sorgte sie mit einem Kronleuchter aus Tampons auf der Biennale in Venedig für Furore, sieben Jahre später präsentierte sie dort eine von ihr umgestaltete Fähre.

In der Kunstwelt gilt die 1971 in Paris geborene Joana Vasconcelos als eine der bekanntesten zeitgenössischen Künstlerinnen Portugals. 2005 sorgte sie mit einem Kronleuchter aus Tampons auf der Biennale in Venedig für Furore, sieben Jahre später präsentierte sie dort eine von ihr umgestaltete Fähre.

Es ist ein Markenzeichen von Vasconcelos, teils banale Alltagsgegenstände umzufunktionieren und zu monumentalen Skulpturen zusammenzusetzen. Das gilt für einen imposanten High Heel-Schuh aus Kochtöpfen. Es gilt aber auch für das zweite Highlight der Schau: das von Fado-Musik umspielte "Rote unabhängige Herz" von 2013, ...

... das aus verformtem rotem Plastikbesteck besteht. Wie fast alle Arbeiten von Vasconcelos verweist das Material dabei auf den humorvollen Feminismus der Künstlerin, die sich mit Vorliebe mit Geschlechterrollen auseinandersetzt.

So ist es auch bei der 2005 gefertigten Skulptur "Esposas (Ehefrauen/Handfesseln)", die ein wenig an eine Szene in einem städtischen Sado-Maso-Center erinnert. Wobei die Schnürung aus ordinärem Kabelbinder besteht.

Insgesamt sind im Max Ernst Museum Objekte und Installationen der Künstlerin aus rund 20 Jahren versammelt. Es ist die erste Retrospektive der Künstlerin in Deutschland. Und der ideale Ort - schließlich war die Verfremdung von Objekten in anderem Kontext auch Max Ernsts Markenzeichen im Surrealismus. Und in "Cottonopolis (Baumwollstadt)" von 2014 ...

... ist sogar Max Ernsts Bronze "Mondsüchtig" (1944) integriert. Man muss sie nur finden. (???)

"Ich lade Menschen ein in mein persönliches künstlerisches Haus, um Teil meiner Vorstellungskraft zu werden", umreißt Joana Vasconcelos das Konzept der Schau. Und wie ein Haus oder eine Wohnung, mit allen dazugehörigen Intimitäten, ist das Max Ernst Museum denn auch eingerichtet.

Da gibt es zum Beispiel ein Bad, dessen verdoppeltes Waschbecken und Pissoir die Künstlerin umhäkelt hat - so wie traditionellerweise mit Weiblichkeit konnotierte Fertigkeiten wie Häkeln, Stricken oder Nähen bei Vasconcelos eine zentrale Rolle spielen.

Im imaginären Wohnzimmer, mit seinem ebenfalls den Surrealismus zitierenden (und ein wenig müffelnden) Pastikrosensofa, läuft auf dem umhäkelten Fernseher übrigens eine besonders schräge Ausgabe der "Eurovision" (2005). Gut, dass man nicht allzu viel sehen kann.

Natürlich ist Joana Vasconcelos eine gute Gastgeberin. So darf man sogar die Föhns in ihrem Badezimmer mitbenutzen. Wer auf die Empore steigt und in den Spiegel schaut (was nicht so einfach ist!), sieht sich mit windzerzaustem Haar wie auf der Reling eines Motorboots ("Spin", 2001).

Und bei "Passerelle (Laufsteg)" darf man sogar das Porzellan der künstlerischen Hausherrin zerschlagen. Per Fußpedal setzen sich die aufgehängten Keramikhunde in Bewegung, schlagen aneinander - und gehen dabei entzwei.

Allerdings muss man erst an einem "Matilha" (2005) genannten Rudel vorbei, das in der für Vasconcelos typischen Art und Weise behäkelt ist. Und ein Gutteil von "Passerelle (Laufsteg)" liegt, wie so manche mit zerschlagenem Porzellan begonnene Ehe, schon jetzt in Scherben.

Aber keine Sorge: Selbst wer nicht in den ersten Tagen der Ausstellung kommt, darf noch Teil des interaktiven Kunstwerks werden und an der Zerstörung seine Freude haben: Das Museum hat noch rund 100 der niedlichen Ersatzhunde in petto.

"Die Besucher der Ausstellung haben hoffentlich ihre Freude daran, sich mit meinem Blick auf Alltagsgegenstände, auf die Themen und das Leben in unserer Welt auseinanderzusetzen", sagt Vasconcelos. Das trifft "maximal" zu, möchte man als begeisterter Besucher antworten.

"Joana Vasconcelos. Maximal" ist noch bis zum 4. August 2019 im Max Ernst Museum in Brühl zu sehen. Kommen Sie einfach auf ein Tässchen Tee vorbei.

Stand: 09.04.2019, 07:00 Uhr