Lichtkunst: Köln feiert Rembrandt

Lichtkunst: Köln feiert Rembrandt

Von Thomas Köster

Licht und Schatten prägten Rembrandts Schaffen. Zum 350. Todestag des niederländischen Malerstars widmet was Kölner Wallraf-Richartz-Museum den Tragödien und Komödien in seinem Werk eine umfassende Schau - ganz großes Theater.

Inside Rembrandt 1606-1669, Wallraf-Richartz-Museum, Köln 2019 (Ausstellungsansicht)

Alle Gesichter des Malers Rembrandt van Rijn "scheinen ein äußerst schwerwiegendes, dichtes Drama in sich zu bergen", schrieb der seelenverwandte Schriftsteller Jean Genet 1958. Und tatsächlich hat es wohl kaum ein anderer Maler des 17. Jahrhunderts derart virtuos verstanden, dank einer ausgefeilten Lichtdramaturgie Emotionen und Charakter der von ihm Porträtierten auf die Leinwand zu bannen. Das strahlt bis heute, wie die Schau "Inside Rembrandt. 1606-1669" beweist.

Alle Gesichter des Malers Rembrandt van Rijn "scheinen ein äußerst schwerwiegendes, dichtes Drama in sich zu bergen", schrieb der seelenverwandte Schriftsteller Jean Genet 1958. Und tatsächlich hat es wohl kaum ein anderer Maler des 17. Jahrhunderts derart virtuos verstanden, dank einer ausgefeilten Lichtdramaturgie Emotionen und Charakter der von ihm Porträtierten auf die Leinwand zu bannen. Das strahlt bis heute, wie die Schau "Inside Rembrandt. 1606-1669" beweist.

Insgesamt 63 Werke Rembrandts haben die Macherinnen und Macher der Ausstellung aus den eigenen Beständen, aber auch aus den großen Museen in den Niederlanden, aus Deutschland, Schweden und den USA zusammengetragen. Sie geben einen überzeugenden Überblick über die Anfangsjahre des Malers in seiner Geburtsstadt Leiden, über seine Hochzeit in Amsterdam bis hin zum Alterswerk ("Brustbild eines Mannes mit Pelzmütze", 1630).

Im Wallraf-Richartz-Museum sind die Werke auf eine schöne Art dramaturgisch, wie auf der Bühne ausgeleuchtet, in Szene gesetzt. In einem Fall verstecken sie sich sogar hinter einem Samtvorhand - Reminiszenz an die damalige Präsentation von Gemälden und Druckgrafiken vornehmlich erotischen Inhalts in Sammlerkreisen. Und zudem ein probates Mittel, die oft äußerst lichtempfindlichen Werke zu schonen.

Als echten Coup muss man es wohl bezeichnen, dass auch das Meisterwerk "Der Gelehrte im Studierzimmer" den Weg nach Köln gefunden hat: Es kommt aus der Nationalgalerie in Prag und wurde zum ersten Mal seit rund 70 Jahren überhaupt für eine Ausstellung im Ausland entliehen.

Gezeigt werden Rembrandts Werke mit Arbeiten von Zeitgenossen, Mitarbeitern, Schülern und Weggefährten: Wie den Gemälden und Grafiken von Rembrandts Freund Jan Lievens, mit dem der Maler in Leiden 1625 eine eigene Werkstatt gründete. In Kombination mit eigenen Werken gleicher Motive zeigt sich die gegenseitige Beeinflussung, aber auch die Unterschiede in der Umsetzung (Jan Lievens, "Greis mit Vollbart, Profil nach links", um 1631).

Der Höhepunkt im Schaffen Rembrandts fällt mit der Heirat Saskia van Uylenburghs zusammen, die die Nichte seines Kunsthändlers und die Tochter eines wohlhabenden Patriziers war. Fortan muss sie auf seinen Bildern in zahlreichen, teils verführerischen Rollen und Posen agieren. Eine glückliche Zeit, die Rembrandt in das für ihn typische, golden-verklärende Licht getaucht hat ("Saskia Uylenburgh als Mädchen", 1633).

In seiner Werkstatt beschäftigte Rembrandt zahlreiche Mitarbeiter, was ihm neben dem Verkauf von Werken viel Geld in die Kasse spülte. Gefiel ihm ein Werk, signierte er es als sein eigenes und verkaufte es den Kunden, die Schlange standen.

Deshalb ist es für die Forschung heute nicht ganz einfach, "echte Rembrandts" von Werken seiner Schüler und Mitarbeiter zu unterscheiden. Auch der einstmals berühmte "Mann mit dem Goldhelm" (um 1650) entpuppte sich 1986 als Arbeit aus dem Umfeld. Das "Bildnis eines unbekannten Mannes" (um 1634) stammt vom Mitarbeiter Jacob Adriaenszoon Backer, das "Porträt einer jungen Frau" (1633) wohl von Rembrandt selbst.

Aber auch bei den Werken aus Rembrandts Umfeld gibt es wegen der zahlreichen Kollaborationen immer wieder Zweifel. Stammt dieses "Vanitas-Stillleben mit Violine, Buch und Schädel" (1627) wirklich von Jan Lievens, oder von einem anderen Leidener Meister des 17. Jahrhunderts? Vielleicht werden wir es nie erfahren.

Wie stark Freud und Leid bei Rembrandt beieinanderliegen, zeigt vor allem das Jahr 1642, in dem Rembrandt das Meisterwerk "Die Nachtwache", das nicht in Köln zu sehen ist, fertigstellte, und seine geliebte Frau Saskia starb. Der Tod von Saskia treibt den Maler zunächst in eine Schaffenskrise, dann in die Verschuldung und in die Insolvenz.

Rembrandts Alterswerk ist geprägt von sarkastischem Humor. Auch hierfür sind in Köln zahlreiche Beispiele versammelt. Wie das berühmte "Selbstbildnis als Zeuxis" (um 1663) aus den eigenen Beständen, in denen ein stark ausgeleuchteter Greis im Halbprofil das eigene Schicksal belacht. Hier porträtiert sich Rembrandt als Zeuxis, der sich der antiken Überlieferung zufolge im Alter zu Tode gelacht haben soll, als er eine alte Frau malen sollte. Rund fünf Jahre später stirbt Rembrandt.

Wer sich nach dem Ausstellungsbesuch immer noch nicht satt gesehen hat, kann noch ins graphische Kabinett des Museums wandern. Die kleine, aber feine Ausstellung "Rembrandts graphische Welt. Experiment. Wettstreit. Virtuosität" ist die perfekte Ergänzung.

"Inside Rembrandt 1606-1669" ist noch bis zum 1. März 2020 im Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu sehen (Jan Lievens, "Halbfigur eines Mannes in orientalischem Kostüm", um 1629).

Stand: 31.10.2019, 09:00 Uhr