"I'm not a nice girl!" in Düsseldorf

"I'm not a nice girl!" in Düsseldorf

Nein: Nette Mädchen wollten die US-Konzeptkünstlerinnen Lee Lozano, Eleanor Antin, Adrian Piper und Mierle Laderman Ukeles nicht sein. Stattdessen schufen sie Werke mit Sprengkraft, die bis heute hochaktuell ist. Das zeigen Dokumente aus dem Archiv des Düsseldorfer Galeristen Konrad Fischer, die jetzt im K20 zu sehen sind.

I'm not a nice girl! Eleanor Antin, Lee Lozano,  Adrian Piper, Mierle Laderman Ukeles, Kunstsammlung NRW, Düsseldorf 2020 (Ausstellungsansicht)

"Du bist eine gute Malerin und ein nettes Mädchen." Das sagte die Kölner Kuratorenlegende Kaspar König 1965 zu der feministischen US-Künstlerin Lee Lozano. Beides sei falsch, entgegnete diese selbstbewusst: Sie sei eine sehr gute Malerin. Und sie sei ganz bestimmt kein nettes Mädchen. Später wandte sich Lozano von der Malerei ab und einer auf Sprache basierenden Konzeptkunst zu. Kein nettes Mädchen ist sie bis zum Schluss geblieben. ("Ohne Titel", 1970)

"Du bist eine gute Malerin und ein nettes Mädchen." Das sagte die Kölner Kuratorenlegende Kaspar König 1965 zu der feministischen US-Künstlerin Lee Lozano. Beides sei falsch, entgegnete diese selbstbewusst: Sie sei eine sehr gute Malerin. Und sie sei ganz bestimmt kein nettes Mädchen. Später wandte sich Lozano von der Malerei ab und einer auf Sprache basierenden Konzeptkunst zu. Kein nettes Mädchen ist sie bis zum Schluss geblieben. ("Ohne Titel", 1970)

"I'm not a nice girl!" lautet denn auch der Titel, unter dem die Kunstsammlung NRW in ihrem "Nebengebäude" K21 mit Lozano sowie Eleanor Antin, Adrian Piper und Mierle Laderman Ukeles vier amerikanische Konzeptkünstlerinnen der ersten Stunde präsentiert: Konzeptkünstlerinnen, die - bis auf die 1999 in Dallas verstorbene Lozano - bis heute aktiv sind.

Von ihrer Aktualität haben die Arbeiten bis heute nichts eigebüßt, sagt Kuratorin Isabelle Malz: "Im Gegenteil." Und tatsächlich stehen gerade die damals aus feministischer Warte von den Künstlerinnen beleuchteten Themen wie Ausländerfeindlichkeit und soziale Ungerechtigkeit (Adria Piper, "Calysis III" 1970), ...

... aber auch ökologische Nachhaltigkeit heute wieder hoch im Diskurs.

Feminismus ist dabei ein offenbar sehr dehnbarer Begriff. Denn oft geht es auch um die Würde männlicher Arbeiter oder die Geschlechter übergreifende Gleichberechtigung der Ethnien. Oder, neben dem Ausstieg aus dem Kunstsystem, sogar den Boykott von Frauen: Mit dieser Idee etwa versuchte Lee Lozano, die vom Kunstbetrieb missachtet starb, "die Kommunikation zu befördern" - wie immer das auch gehen sollte. Im Bild: Doppelseiten aus Lozanos "Private Books".

Immer geht es auch darum, das eigene Leben zum installativen Kunstwerk zu machen. Wie bei Mierle Ladermann Ukeles, der man schon während ihrer Schwangerschaft prophezeite, dass sie als Mutter in der Kunst keine Rolle mehr spielen könne. Kurzerhand beschloss sie, ihre Mutterrolle zum Thema zu machen und zog mit ihrer Familie temporär in zahlreiche Museen ein. Getreu ihrem Motto: "Mein Arbeiten wird mein Werk sein." Hier ihre gestische Performance, die auch die Ausstellungseinladung ziert.

Von Mierle Ladermann Ukeles stammt das vielleicht eindringlichste Werk der Schau, die Dokumentation zu ihrer 1979 begonnenen "Touch Sanitation Performance", während derer sie allen 8.500 Müllmännern und Straßenreinigern von New York die Hand schüttelte mit den Worten: "Danke dafür, dass Sie New York City am Leben erhalten." Noch heute ist sie "Artist in Residence" der New Yorker Müllabfuhr und hat dort ein Büro.

Eleanor Antin thematisierte in "Carving: A Traditional Sculpture" 1972 ihre eigene Körperlichkeit im Kontext des Diätenwahns: "Ich betrachte das als performative Konzeptkunst, bei der die Fotografie als Medium dient. Jede Skulptur dokumentiert den Verlust von ungefähr fünf Kilo durch eine Ernährung, die auf Gewichtsverlust ausgerichtet ist."

Jeden Morgen fotografierte Antin ihren nackten Körper von vorne, von hinten und von der Seite - fast bis hin zu ihrem Idealgewicht. "Für das erste 'Carving' brauchte ich ungefähr 48 Tage. Für das zweite, 45 Jahre später, ungefähr dreieinhalb Monate."

Ausgangspunkt der Ausstellung war die Recherche im Archiv von Dorothea und Konrad Fischer, deren Sammlung das Museum vor einigen Jahren geschenkt bekam. Die Kisten, in denen die zahlreichen ausgestellten Dokumente und Kunstwerke gelagert wurden, stehen wie ein Monument in einer Vitrine.

Der Düsseldorfer Galerist Fischer, der sich schon in den 1960er Jahren um die Konzeptkunst verdient machte und seine berühmte Galerie 1967 mit Arbeiten von Carl Andre eröffnete, stand mit allen vier Künstlerinnen in regem Austausch. Ausgestellt hat er sie merkwürdigerweise nie. Möglichkeiten dazu hätte es genug gegeben. Lee Lozano zum Beispiel hat offenbar jahrelang ausgiebig über ein Ausstelllungskonzept in den Räumen der Galerie Konrad Fischer nachgedacht, wie Briefe und Postkarten belegen.

Außerdem gibt es in Düsseldorf auch Arbeiten zu sehen, die dem Geist Carl Andres sehr nahe sind. Und es mit seinem Werk klar aufnehmen können (Adrian Piper, "Infinitely Divisble Floor Construction", 1968). Was also sprach gegen die Künstlerinnen, die Fischer "Fräulein" nannte? Vielleicht bringen weitere Recherchen im Archiv das noch ans Licht.

"I'm not a nice girl! Eleanor Antin, Lee Lozano,  Adrian Piper, Mierle Laderman Ukeles" ist noch bis zum 17. Mai 2020 im K21 der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf zu sehen. Und Kunst zum Mitnehmen gibt es auch.

Stand: 18.01.2020, 06:00 Uhr