"Große Köpfe" von Hede Bühl in Wuppertal

"Große Köpfe" von Hede Bühl in Wuppertal

"Der Kopf ist für mich ein Universum", sagt die 79-jährige Hede Bühl. Die Bildhauerin gilt immer noch als Geheimtipp. Im Wuppertaler Skulpturenpark von Tony Cragg zeigt sie ab Samstag wundervoll umgrünt ihre "Großen Köpfe".

Hede Bühl. Skulpturen, Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal 2019 (Ausstellungsansicht)

Seit 1983 formt die Düsseldorferin fast ausschließlich Abstraktionen, die an Kopfstrukturen erinnern und einen eigenen Kosmos eröffnen. In der Abgeschiedenheit ihres Ateliers in der weißen Künstlersiedlung in Düsseldorf-Golzheim entstand ein beeindruckend konsequentes Werk, das sich fast ausschließlich um abstrahierte "Große Köpfe" dreht. Sechs sind nun in den Skulpturenpark Waldfrieden gekommen. Einer war schon länger da.

Seit 1983 formt die Düsseldorferin fast ausschließlich Abstraktionen, die an Kopfstrukturen erinnern und einen eigenen Kosmos eröffnen. In der Abgeschiedenheit ihres Ateliers in der weißen Künstlersiedlung in Düsseldorf-Golzheim entstand ein beeindruckend konsequentes Werk, das sich fast ausschließlich um abstrahierte "Große Köpfe" dreht. Sechs sind nun in den Skulpturenpark Waldfrieden gekommen. Einer war schon länger da.

In der mittleren Skulpturenhalle von Tony Craggs Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal sind nun sechs "Große Köpfe" Hede Bühls versammelt, die in einem langwierigen Annäherungsprozess zwischen 1991 und 2001 entstanden. Und die zeigen, wie unterschiedlich Bühl den menschlichen Kopf so reduziert, dass seine Oberfläche zum Reflexionsraum für Assoziationen wird ("Großer Kopf VI").

Sinnesorgane sind nur durch Wölbungen angedeutet - mal in spiegelglatt polierter Bronze, mal aus Aluminium. Aber sind es überhaupt Sinnesorgane ("Großer Kopf V")?

Oder führt uns der Titel der Arbeiten, in denen wir uns selber spiegeln, schon in die Irre ("Großer Kopf IV", gespiegelt in "Großer Kopf VII")?

In den 1960er Jahren war Hede Bühl Meisterschülerin von Joseph Beuys, aber mit seinem Begriff der nach außen wirkenden, "sozialen Skulptur" haben die Arbeiten der Künstlerin nichts gemein. Die "Großen Köpfe" ruhen in ihrer Spannung ganz in sich - und verweisen eher auf den "klassisch" arbeitenden Bildhauer Ewald Mataré, in dessen Düsseldorfer Atelier Bühl von 1963 bis 1965 mitarbeitete.

Bewacht werden Bühls "Große Köpfe" von einem 2,10 Meter hohen Koloss, der den menschlichen Körper abstrahiert. Aber auch er kann eigentlich nichts bewachen: Arme stehen dem mumienhaften Torso nicht zur Verfügung, Augen und Ohren wirken wie bandagiert. Die Kraft der trotzdem dynamisch wirkenden Figur geht nach innen.

Der "Große Kopf III" (1994/95) aus dunkel patinierter Bronze steht schon seit einigen Jahren wundervoll umgrünt auf dem Außengelände des Wuppertaler Skulpturenparks. Jetzt kann man die Skulptur gemeinsam mit den in der mittleren Halle ausgestellten Köpfen betrachten.

Wer zu Bühls "Großem Kopf III" gelangt ist, sollte auch das kurze Stück weiter zur oberen Skulpturenhalle gehen. Dort sind - sehr konkrete - Menschenskulpturen Martin Dislers zu sehen, die erstmals wieder in dieser Fülle versammelt sind. Und einen schönen Kontrapunkt setzen zu Bühls Abstraktionen - noch bis zum 16. Juni 2019.

In jüngster Zeit überzieht Bühl ihre Skulpturen mit ornamenthaften Gliederungen, "so dass jeglicher Bezug zu den dem menschlichen Kopf anhaftenden Sinnesorganen verschwindet", wie es die Macher der Ausstellung formulieren. Auch hierfür sind Beispiele im wundervollen Ambiente der Villa Waldfrieden zu sehen, ...

... ebenso wie andere Kleinskulpturen Bühls.

Von einem Freund habe sie zu Akademiezeiten einen Schädel bekommen, sagt Bühl. "Die Form des Hinterkopfes, wie sich das rundet, sich schließt - die äußeren und inneren Formen in ihrer Komplexität begeistern mich nach wie vor." Aus dieser Begeisterung hat die Künstlerin wirklich Bemerkenswertes geschaffen (links: "Großer Kopf IV", rechts: "Großer Kopf V").

"Hede Bühl. Skulpturen" ist noch bis zum 11. August 2019 im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal zu sehen. Und der ist auch aus anderen Gründen immer eine Reise wert.

Schließlich gibt es auf dem verwunschenen Gelände viel zu entdecken (Wilhelm Mundt, "Trashstone", 2008).

Stand: 23.05.2019, 11:51 Uhr