Wolfgang-Hahn-Preis für Haegue Yang

Wolfgang-Hahn-Preis für Haegue Yang

Im Kölner Museum Ludwig ist am Dienstag (17.04.2018) der Wolfgang-Hahn-Preis an die Künstlerin Haegue Yang verliehen worden. 120 Werke der Preisträgerin werden nun in Köln präsentiert.

Im Zwischenreich: Haegue Yang in Köln

Von Thomas Köster

Haegue Yang im Museum Ludwig 2018

Cindy Sherman hat ihn bekommen, Franz West, Isa Genzken und Peter Doig: Die Liste der Träger des Wolfgang-Hahn-Preises, den die Gesellschaft für Moderne Kunst am Kölner Museum Ludwig seit 1994 jährlich im Vorfeld der Art Cologne vergibt, liest sich wie ein Who is Who der zeitgenössischen Kunst. 2018 wird die 46-jährige Haegue Yang ausgezeichnet.

Cindy Sherman hat ihn bekommen, Franz West, Isa Genzken und Peter Doig: Die Liste der Träger des Wolfgang-Hahn-Preises, den die Gesellschaft für Moderne Kunst am Kölner Museum Ludwig seit 1994 jährlich im Vorfeld der Art Cologne vergibt, liest sich wie ein Who is Who der zeitgenössischen Kunst. 2018 wird die 46-jährige Haegue Yang ausgezeichnet.

"ETA" heißt ihre Ausstellung, die das Museum Ludwig der südkoreanischen Installationskünstlerin anlässlich der Preisverleihung eingerichtet hat. ETA ist eigentlich die gebräuchliche Abkürzung für jene "Estimated Time of Arrival", die Navigationsgeräte oder Anschlagtafeln im öffentlichen Nah- und Fernverkehr eher schillernd als Ankunftszeit prophezeien.

In Köln verweist der Titel dieser ersten großen Überblicksausstellung vor allem auf die ständigen Ortswechsel Haegue Yangs, die immer noch zwischen ihren Studios in Seoul und Berlin hin und her pendelt - Aber auch auf den Kunst- und Ausstellungsbetrieb als Transitzone. Diese hier besteht aus geliehenen Stühlen Kölner Prominenter wie Lukas Podolski oder Hella von Sinnen.

Die Orte, an denen sie gelebt habe, seien ihr eher zugefallen, sagt Haegue Yang: "Sie erscheinen wie Fallen, die die Umstände und Situationen aufgestellt hatten. Zugleich sind diese Orte das Objekt starker Emotionen, wie Enthusiasmus, Mitgefühl und dergleichen." Je nach Umgebung sei ihre Haltung zum Leben eine jeweils andere gewesen.

Wechselvoll wie ihr Leben und ihre Haltung zu ihm wirkt auch "ETA". Dass all die Skulpturen und Objekte, Videos, Lackbilder, Fotografien und Papierarbeiten von ein und derselben Person stammen sollen, ist fast unglaublich. Anlässlich von "ETA" wäre sie gefragt worden, ob dies nicht eher eine Gruppenausstellung sei, sagt die Künstlerin und lacht.

Auch die Klänge und die - nicht nur angenehmen - Gerüche, die mit "ETA" einhergehen, weisen auf diesen sehr persönlichen Zugang zum Zwischenreich des Künstlerischen hin. Dass sich das Werk trotzdem nicht im Hermetischen verliert, sondern sich auch dem Dialog mit dem Betrachter öffnet, ist eine große Stärke.

Denn eigentlich reicht es schon, mit dem Titel im Kopf und offenen Augen wie auf einer Expedition durch die 1.500 Quadratmeter große Ausstellungsfläche zu wandern. So gelingt es, zumindest einem Teil jener Spuren nachzugehen, die die Documenta- und Biennale-Teilnehmerin mit ihren Werken seit 1994 auslegt. Genau hinzuschauen, das ist das ganze Geheimnis.

Aus dieser Perspektive erscheinen die "Vulnerable Arrangements" oder "Medicine Men" wie teils gutmütige, teils bedrohliche, verkleidete Schamanen aus einer anderen, phantastischen - und in ihren Bestandteilen doch auch sehr alltäglichen - Welt. Es ist wie bei der Baumarktkunst von Georg Herold, deren Meisterschülerin Haegue Yang 1999 war: Das alles hat man vermeintlich schon einmal gesehen. Und trotzdem ist das alles gänzlich neu.

Mit ihrer durch Leuchtkörper belebten und auf einem Skelett aus Kleider- und Infusionsständern basierenden Skulpturenserie imaginiert Haegue Yang etwas zwischen Krankenhausaufenthalt und Drag-Queen-Szene. Letztlich bleibt es dem Betrachter überlassen, seine persönlichen Schlüsse zu ziehen.

Nicht nur die Titel der Figuren, die "Hairy Mad Joint" oder "Indiscreet Other World" heißen, illustrieren Haegue Yangs Hang zu skurrilem Humor. Auch die gefundenen Elemente, die die merkwürdigen Wesen am Körper tragen, beweisen Witz. Soll man die Perücken vielleicht vom Ständer nehmen und sich verkleiden? Karneval ist ja auch ein Zwischenreich.

Da ist es nur konsequent, dass Haegue Yang einen Teil ihrer Werke für die Kölner Schau gleich in Luftpolsterfolie und Kartons belässt. Anlässlich einer Einladung zu einer Galerieausstellung 2004 in London war dies aus der Not geboren und hat längst Methode. Die hier noch verhüllten Werke sind allerdings inzwischen ausgepackt.

Ausgepackt ist auch die Jalousien-Installation "Mountains of Encounter", die die Gesellschaft für Moderne Kunst im Rahmen des Wolfgang-Hahn-Preises angekauft hat und dem Museum Ludwig als Dauerleihgabe überlässt. Auch das Politische bleibt bei Haegue Yang nicht ausgespart.

"Haegue Yang. ETA. 1994-2018" ist noch bis zum 12. August 2018 im Museum Ludwig in Köln zu sehen. Zur Schau ist ein Ausstellungsbegleiter erschienen, der auf der Website des Museums heruntergeladen werden kann. Also ausdrucken und dann schnell hingehen.

Haegue Yang - Estimated Time of Arrival 1994 - 2018

WDR 3 Mosaik | 18.04.2018 | 07:44 Min.

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Stand: 18.04.2018, 08:56