Museum Kunstpalast zeigt Kriegsfotografien von Frauen

Museum Kunstpalast zeigt Kriegsfotografien von Frauen

Von Thomas Köster

Kriegsfotografie ist keineswegs Männersache. Im Düsseldorfer Kunstpalast sind jetzt eindringliche Fotos von Frauen an der Front zu sehen - acht unterschiedliche Perspektiven auf Mord und Leid aus acht Jahrzehnten.

Fotografinnen an der Front, Kunstpalast, Düsseldorf 2019 (Ausstellungsansicht)

"Der wesentliche Beitrag der Frauen zur Kriegsfotografie ist bisher nicht ausreichend gewürdigt worden", sagt Museumsdirektor Felix Krämer. Die Düsseldorfer Schau will da Abhilfe schaffen. Gezeigt werden rund 140 Aufnahmen von acht Fotografinnen, die in den Jahren zwischen 1936 und 2011 entstanden sind (im Bild: Fotografien von Catherine Leroy).

"Der wesentliche Beitrag der Frauen zur Kriegsfotografie ist bisher nicht ausreichend gewürdigt worden", sagt Museumsdirektor Felix Krämer. Die Düsseldorfer Schau will da Abhilfe schaffen. Gezeigt werden rund 140 Aufnahmen von acht Fotografinnen, die in den Jahren zwischen 1936 und 2011 entstanden sind (im Bild: Fotografien von Catherine Leroy).

Eine der berühmtesten Kriegsfotofgrafinnen, die in Düsseldorf vertreten sind, ist sicher Lee Miller, die mit ihrem Selbstporträt in Hitlers Badewanne eine Ikone des Genres schuf. Ihre Fotos von befreiten KZ-Insassen, in den Armen von Krankenschwestern sterbenden Kindern oder geschorenen Nazi-Kollaborateurinnen sind noch heute von erschreckender Intensität.

Ungewöhnlich ist sicher, dass die für die Presse entstandenen Aufnahmen, ihres Informationsauftrags entbunden, nun in musealer Präsentation zu sehen sind. Dabei offenbart sich eindringlich, dass die Fotografinnen ihrem grausamen Gegenstand durchaus mit ästhetischen Erwägungen begegneten (Carolyn Coles Aufnahme eines sterbenden Palästinensers, 2002).

Anspielungen an Ikonen der Kunstgeschichte sind da im Bildaufbau nicht selten. Und es zeigt sich, wie unterschiedlich die Fotografinnen dramaturgisch und kompositorisch auf je eigene Art und Weise durch die Linse blickten. Objektiv und dokumentarisch ist eine Sache. Vor allem aber geht es, natürlich, mit ästhetischem Filter, neben Aspekten des Engagements ums gute Bild (ein libyscher Rebell treibt unter Beschuss geratene Menschen zur Flucht an; Foto von Anja Niedringhaus).

"Bilder von zeitloser Relevanz" nennt Museumsdirektor Krämer die Fotos dem entsprechend. "Museale Anerkennung" will er ihnen durch die Schau verleihen. Das verschiebt den Fokus vom konkreten Dokument von Leid und Gräuel hin zum künstlerischen Werk. Trotzdem sollte man sich immer wieder bewusst machen, was man da tatsächlich sieht (Catherine Leroy: Gefangene Vietcong vor dem Verhör durch US-Soldaten, 1966).

Vor allem aber erzählen die Fotos reale Geschichten, die in den Bildtexten dankenswerter Weise erläutert werden. So wie bei Susan Meiselas. Ihr Bild links zeigt einen Indio-Rebellen, der sich beim Kampf gegen das Somoza-Regime in Nicaragua mit einer traditionellen Tanzmaske tarnt. Die vermeintliche Idylle rechts ist ein Hinrichtungsplatz. Aus der Hose im Vordergrund ragt ein Rückgrat.

"Die Kamera ist ein Vorwand, irgendwo zu sein, wo man sonst nicht hingehört", sagt die Amerikanerin Meiselas über ihre Arbeit an den Fronten in Mittel- und Südamerika. (links: die "weiße Hand" als Zeichen der Todesschwadronen an der Tür eines ermordeten Bauernführers in El Salvador, 1980).

Ein Unterschied zur "männlichen" Kriegsberichterstattung ist vielleicht, dass die Fotografinnen Frauen und Kindern in den Kriegsgebieten viel näher kamen - und so die Sicht der Bevölkerung intensiver bannen konnten. Auch das ist ein wichtiger Aspekt der Schau (Beerdigung eines IRA-Mitglieds in Nordirland 1972, festgehalten von Christine Spengler).

Dass die ausgestellten Fotografinnen an der Front einen gefährlichen Job machten (oder immer noch machen), versteht sich dabei von selbst. Einige bezahlten für ihr Engagement mit dem Leben. So wie Gerda Taro, die mit ihrem Partner Robert Capa mit antifaschistischem Blick den Spanischen Bürgerkrieg dokumentierte (rechts: Opfer eines Luftangriffs im Leichenschauhaus, 1937). Sie erlag 1937 ihren Verletzungen und geriet dann in Vergessenheit.

Oder wie Anja Niedringhaus, die aus dem westfälischen Höxter stammt mit nur 24 Jahren als erste Fotografin bei der European Pressphoto Agency eine Festanstellung erhielt. Sie fotografierte unter anderem in Jugoslawien, Irak, Gaza und Libyen. 2014 wurde sie im Rahmen ihrer Berichterstattung über die Wahlen in Afghanistan erschossen.

Drei Jahre kauften die "Freunde des Kunstpalastes" 74 Aufnahmen von Niedringhaus an. So ist die Ausstellung auch eine gute Gelegenheit, einmal in die Bestände des Museums zu blicken.

"Fotografinnen an der Front. Von Lee Miller bis Anja Niedringhaus" ist noch bis zum 10. Juni 2019 im Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen. Zur Ausstellung ist ein üppiger Katalog erschienen.

Stand: 08.03.2019, 10:19 Uhr