Die Außenwelt der Innenwelt. Eva Hild in Wuppertal

Die Außenwelt der Innenwelt. Eva Hild in Wuppertal

Von Thomas Köster

Mit ihren Skulpturen aus Keramik, Aluminum und Bronze verwandelt Eva Hild die Ausstellungshalle im Skulpturenpark Waldfrieden in einen Wohnraum für Korallen- und Flügelwesen. Berückend schön.

Eva Hild. Entity, Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal 2018 (Ausstellungsansicht)

"Meine Faszination gilt dem Verhältnis zwischen innerlichen und äußerlichen Wirklichkeiten, dem Dualismus zwischen Innen und Außen, Inhalt und Form, Gefühl und Gestalt, Eindruck und Ausdruck", sagt die schwedische Bildhauerin Eva Hild. Wie sie das meint, kann man jetzt in Wuppertal erfahren.

"Meine Faszination gilt dem Verhältnis zwischen innerlichen und äußerlichen Wirklichkeiten, dem Dualismus zwischen Innen und Außen, Inhalt und Form, Gefühl und Gestalt, Eindruck und Ausdruck", sagt die schwedische Bildhauerin Eva Hild. Wie sie das meint, kann man jetzt in Wuppertal erfahren.

Im mittleren Ausstellungspavillion von Tony Craggs Skulpturenpark Waldfrieden sind zehn teils großformatige Arbeiten Hilds zu sehen, die das Innen nach außen stülpen. International seit fast 20 Jahren überaus erfolgreich, ist es doch die erste größere Einzelausstellung der in Sparsör bei Boras in Südschweden lebenden Hild in Deutschland.

"Meine Arbeit reflektiert meine inneren Formenlandschaften. Körper, in denen Anwesenheit und Abwesenheit zusammenkommen", sagt Hild. Was kryptisch klingt, wird in der Anschauung ihrer sich windenden, auf- und einstülpenden und überaus dünnhäutigen Keramiken, Aluminium- und Bronzearbeiten offenbar. Leere und Volumen scheinen sich wie selbstverständlich auseinander zu ergeben.

Spielerisch und heiter sind Hilds Arbeiten, die trotzdem wie ganz ernste "Forschungsarbeiten" zum Verhältnis von Innenräumen und äußerer Umgebung sind und in einem oft sehr langem Schaffensprozess entstehen. Manchmal würde sie mit ihren Skulpturen sprechen, sagt Hild. Wegen der langen Zeit, die sie mit ihnen verbringe.

Lange Zeit brauchen die überaus organisch und filigran wirkenden Skulpturen mit ihren sorgsam geglätteten Oberflächen auch, weil Hild keine Skizzen fertigt, sondern am "lebenden Objekt" intuitiv die Formensprache entwickelt, bis ihr die Proportionen "sinnvoll" erscheinen. Alles wuchert langsam, bis am Ende ein überaus stimmiges Objekt entstanden ist.

"Entity" hat Hild ihre Ausstellung deshalb auch genannt. Denn jedes ihrer Exponate ist eine Entität, ein Wesen, das einen individuellen Ausdruck und ganz spezifische Eigenschaften hat, die Assoziationen wecken und mit denen man als Betrachter kommunizieren kann.

"Wie eine Internistin" gehe sie an ihre Skulpturen heran, sagt Hild, die ursprünglich medzin studieren und dann zeitweise Physiotherapeutin werden wollte. Aber so kalt geht es dann gar nicht zu. Vielmehr sinnlich und fast schon meditativ.

Vielleicht sind die Keramiken Hilds von allen je im Skulpturenpark Waldfrieden gezeigten Werken diejenigen, die am nähesten dran sind am Werk von Tony Cragg. Oftmals jedenfalls sehen sie den monumentalen Arbeiten des Briten, der den Park 2006 anlegte, sehr ähnlich. Und sind doch in ihrer entrückten Zartheit teils ganz anders.

Das Interesse an einer Balance zwischen materieller Erdenschwere und himmlisch-ideeller Leichtigkeit jedenfalls wohnt Hilds zauberhaften Wesen ebenso inne wie den technisch nicht minder ausgefeilten Skulpturen Craggs. Das zeigt sich vor allem bei den draußen stehenden Werken Hilds, die mit Arbeiten Craggs in Sichtweite korrespospondieren.

"Ich denke schon, dass es zwischen meiner und Tony Craggs Auffassung eine Verbindung gibt", sagt Hild dem entsprechend. "Eine Skulptur, die ein Gefäß ist, ein Volumen, oder sich auf den menschlichen Körper bezieht. Da denken wir ähnlich." Zu nah möchte sie Cragg aber nicht sein: "Künstler müssen ja immer noch ihr eigenes Universum erschaffen." Das ist Hild in "Entity" auf jeden Fall gelungen.

Besonders hübsch ist drinnen übrigens anzusehen, wie Hilds Skulpturen als Kunst auch die Natur der Umgebung mit reflektieren. Deutlich wird dies bei Sonnenschein, wenn die Schatten der Bäume über die Skulpturen wandern und aus ihnen Meereswesen macht. Man sollte also auch deshalb etwas länger in der kleinen, aber feinen Ausstellung verweilen.

"Eva Hild. Entity" ist noch bis zum 27. Januar 2019 im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal zu sehen. Zur Ausstellung soll auch ein kleiner Katalog erscheinen (hier eine andere Publikation zu Hilds Werk aus dem Museumsshop, mit der man bis dahin Vorlieb nehmen muss).

Wer zu spät kommt, muss sich übrigens auch nicht allzusehr grämen. Eva Hilds Bronzeskulptur "Irruption" gehört schon seit langem zum Dauerbestand von Tony Craggs 15 Hektar messendem Skulpturenpark, der mit seinen Schatten spendenden Bäumen und Bänken gerade im hitzigen Sommer angenehme Kühle spendet. Unbedingt jetzt hingehen!

Stand: 23.08.2018, 09:00 Uhr