Langen Foundation zeigt japanische Kunst

Langen Foundation zeigt japanische Kunst

Von Thomas Köster

Japans Kunst ist fremd und farblos? Weit gefehlt! In der Langen Foundation bei Neuss sind farbenprächtige japanische Werke aus acht Jahrhunderten ausgestellt.

Eine erlesene Welt,Langen Foundation, Neuss 2019 (Ausstellungsansicht)

Die Langen Foundation zeigt 80 Objekte aus der eigenen Sammlung, sowohl aus einem religiösen als auch weltlichen Kontext. Sie illustrieren die stilistische und formale Vielfalt der japanischen Kunst vom 12. Jahrhundert bis zur Jahrtausendwende.

Die Langen Foundation zeigt 80 Objekte aus der eigenen Sammlung, sowohl aus einem religiösen als auch weltlichen Kontext. Sie illustrieren die stilistische und formale Vielfalt der japanischen Kunst vom 12. Jahrhundert bis zur Jahrtausendwende.

Bei der Auswahl steht außerdem die Liebe japanischer Künstler zu Farbigkeit und Opulenz im Zentrum. "Dieser Aspekt mag überraschend wirken", betonen die Macher der Ausstellung. Immerhin "verbindet man die Kunst Japans doch häufig mit der minimalistischen, zurückhaltenden Ästhetik der Zen-buddhistischen Kunst und der monochromen Tuschemalerei."

Die Überraschung ist gelungen. Denn in der Ausstellung "Eine erlesene Welt" sind zahlreiche Werke enthalten, die das Vorurteil von Strenge und Monochromie erfolgreich widerlegen.

Manches andere wiederum erscheint, da tausendfach bis zum Kitsch reproduziert, sehr vertraut. Und trotzdem hat auch dieser Drache mit den Türwächtern chinesischer (!) Restaurants hier in Deutschland nicht viel gemein.

Die Werke stammen aus den Beständen des Sammlerehepaares Viktor und Marianne Langen. Sie haben nicht nur religiöse Kunst zusammen getragen, sondern auch Keramiken aus der vorgeschichtlichen Jomon-Zeit oder höfischer Malerei der Kano-Schule - teils sogar aus dem 20. Jahrhundert. Hier betrachtet Sabine Langen-Crasemann eine Zeichenrolle aus dem 17. Jahrhundert.

Für die Ausstellung wurde die Japan-Expertin Khanh Trinh vom Züricher Museum Rietberg ins Boot geholt: Hier arrangiert sie ein kostbares Schreibset für die Vitrine. Dies soll einen "neuen Blick auf das Fundament der Langen Foundation" bieten, wie es im Pressetext heißt. Tatsächlich war ein Teil der jetzt gezeigten Exponate zuvor noch nie zu sehen.

Besonders eindrucksvoll sind dabei die langen Zeichenrollen, die japanische Landschaften durch die Jahreszeiten hindurch zeigen ...

... außerdem die teils überlebensgroßen Buddhastatuen ...

... und die kostbaren Stellschirme mit ihren dekorativen Mustern und naturalistischen Darstellungen, die ursprünglich öffentliche von privaten Räumen teilten. Sie sind besonders schön präsentiert in der Ausstellung.

In den großen, architektonisch überwältigenden Ausstellungshallen des japanischen Architekten Tadao Ando sind also Kostbarkeiten einer uns immer noch recht fremden Kultur versammelt. Im so genannten Japanraum der Langen Foundation zeigt die Künstlerin Anne Pöhlmann, wie sich Künstler der Gegenwart mit dem heutigen Japan auseinandersetzen.

Drei Monate lebte Anne Pöhlmann mit einem Stipendium in Kyoto und hat ihre Eindrücke und Erfahrungen - zum Großteil mit dem Handy - in Fotos festgehalten. In ihren Mixed-Media-Arbeiten kombiniert sie diese mit traditionellen Stoffen, die das Bild umrahmen, aber auch erweitern.

In diesem Sinne spiegeln die Arbeiten auch die tiefe Kluft zwischen hypermodernem Pragmatismus und dem langsam um sich greifenden Verlust kultureller Tradition. Bezeichnenderweise stammen viele der von Pöhlmann verwendeten, teils sehr alten Stoffe, von japanischen Flohmärkten.

Vor allem die über Sockeln drapierten Fotostoffe Pöhlmanns entwickeln eine plastische Kraft, die den ganzen Austellungsraum belebt. So, wie sie drapiert sind, kommt ihnen durchaus die Qualität von Skulpturen zu.

Zurzeit sind einige Arbeiten Pöhlmanns auch in der Ausstellung "Next Generations. Aktuelle Fotografie made im Rheinland" im Museum Morsbroich in Leverkusen zu sehen sind. Genau wie diese Werke belegen auch die Fotos in der Langen Foundation eindrücklich den erweiterten Fotografiebegriff, den zur Zeit viele Künstler in NRW vertreten. So wird eine Brücke nicht nur nach Japan geschlagen.

Wer zur Langen Foundation kommt, sollte unbedingt auch Per Kirkebys begehbare Skulptur "Drei Kapellen" besuchen, an der man von der Straße her kommend vorbei läuft. Davor sind momentan drei schwere Bronzen des dänischen Malers, Bildhauers und Architekten aufgestellt.

Drinnen, in der auf Höhe hin ausgerichteten Architektur der Skulpturen, entfalten die großartigen Gemälde Kirkebys eine Kraft, die den ganzen Raum belebt. Die Ausstellung ist auch deshalb eine Besonderheit, weil die verantwortliche Stiftung Insel Hombroich sonst keine musealen Schauen ausrichtet. Geöffnet ist immer freitags bis sonntags und an Feiertagen.

"Per Kirkeby. Bild und Raum" ist noch bis zum 6. Oktober 2019 zu sehen, "Anne Pöhlmann" und "Eine erlesene Welt" laufen noch bis zum 25. August 2019.

Aber eigentlich ist jetzt die beste Zeit für einen Besuch: Immerhin ist jetzt (gerade noch) die Zeit der Kirschblüte.

Stand: 04.04.2019, 09:00 Uhr