Ein Gedicht. "Erklär mir, Liebe" in Neuss

Ein Gedicht. "Erklär mir, Liebe" in Neuss

Von Thomas Köster

Was soll man sagen: Liebe kann man nicht erklären. Und wenn, dann nur mit Poesie. So macht es jetzt das Clemens Sels Museum Neuss und stellt in "Erklär mir, Liebe" Bilder aus der ständigen Sammlung mit Lyrik oder Dichterzitaten in Dialog. Wir geben einen Vorgeschmack, indem wir es einfach genauso machen.

Erklär mir, Liebe. Clemens Sels Museum Neuss 2018 (Ausstellungsansicht)

"Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!"

(Gedicht: Johann Wolfgang von Goethe. Gemälde: Ker-Xavier Roussel, "Arkadische Szene", um 1920 )

"Ich bin bei dir; du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!"

(Gedicht: Johann Wolfgang von Goethe. Gemälde: Ker-Xavier Roussel, "Arkadische Szene", um 1920 )

"Auf die Hände küßt die Achtung,
Freundschaft auf die offne Stirne,
Auf die Wange Wohlgefallen,
Sel’ge Liebe auf den Mund."

(Gedicht: Franz Grillparzer. Skulptur: Rudolf Bosselt und Hugo Pelargus, "Frühling", um 1912)

"Jetzt bist du da, dann bist du dort,
Jetzt bist du nah, dann bist du fort,
Kannst du’s fassen? Und über eine Zeit
gehen wir beide in die Ewigkeit
dahin – dorthin. Und was blieb? …
Komm, schließ die Augen und hab mich lieb."

(Gedicht: Christian Morgenstern. Gemälde: Heinrich Campendonk, "Zwei Akte", 1913)

"Nie mag von Liebe scheiden,
Wer einmal recht geliebt.
Er trägt die heißen Schmerzen
Viel lieber in der Brust,
Als daß er nie im Herzen
Von solchem Glück gewußt."

(Gedicht: Emanuel Geibel. Gemälde: Edward Burne-Jones, "Bildnis Maria Theresa Zambaco", 1870)

"Nun zeigt ein Brief, daß ich zu lange
Nicht sonderlich zu dir gewesen bin.
Ich nahm das Gute als Gewohnheit hin.
Und ich vergaß, was ich verlange."

(Gedicht: Joachim Ringelnatz. Skulptur: Filomena Robakowska, "Brautpaar", o.J.)

"Und ruhten wir beide so Brust an Brust,
Und rissest das Herz du mir aus vor Lust,
Ich schaute dich an, ich lachte dich an
Und wär noch im Sterben ein seliger Mann."

(Gedicht: Ludwig Jacobowski. Skulptur: Christian Behrens, "Der Kuss der Sphinx", 1879)

"Die süße Stunde werd ich nie vergessen,
als mich der liebe Leib so süß umschlungen,
auch Du von meinem Leben warst durchdrungen,
uns beid umschwebt ein seliges Vergessen!
Was darf mit freier Liebeslust sich messen,
wenn endlich jeder Zweifel nun bezwungen,
die Welt in einen Augenblick verschlungen,
und Freude macht das leichte Herz vermessen?"

(Gedicht: Friedrich von Schlegel. Druck: Aristide Maillol, "Daphnis und Cloe", 1937)

"Die Hoffnung ist es,
die die Liebe nährt."

(Gedicht: Ovid. Skulptur: Nach Jean-Jacques Caffieri, "Die Liebe, von der Hoffnung genährt", um 1780)

"Und wann ist Lieb am reichsten?
Das ist sie, wenn sie gibt!
Und sprich, wie redet Liebe?
Sie redet nicht, sie liebt!"

(Gedicht: Friedrich Halm. Gemälde: Giovanni Antonio Pellegrini, "Der schlafende Endymion", 1715)

Halt - doch noch ein paar Worte: Die Idee zur Ausstellung hatte Kurator Ulf Sölter (hier im Museumstreppenhaus). "Die Ausstellung zeigt, wie variantenreich Liebe zum Ausdruck kommt", schreibt Sölter im Katalog, der das Prinzip Bild-Gedicht weiterführt. "Liebe ist das, was allem einen Sinn verleiht." Auch dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

"Erklär mir, Liebe" ist noch bis zum 14. Oktober 2018 im Clemens Sels Museum Neuss zu sehen. Der Katalog ist übrigens auch sehr liebenswert. Nur etwas fehlt: Das titelgebende Gedicht von Ingeborg Bachmann, das den unüberwindlichen Gegensatz von geistiger und körperlicher Liebe thematisiert. "Dein Herz hat anderswo zu tun", heißt es darin, "dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein, / das Zittergras im Land nimmt überhand, / Sternblumen bläst der Sommer an und aus." Sollte man auch einmal lesen.

Stand: 07.07.2018, 18:00 Uhr