Wie die Chinesin Cao Fei Kunst mit Cosplayern macht

Wie die Chinesin Cao Fei Kunst mit Cosplayern macht

Von Thomas Köster

Kämpfende Cosplayer, tanzende Fabrikarbeiter und Staubsaugerroboter: Die Kunst der Chinesin Cao Fei ist verspielt, bunt, multimedial. Und sie spiegelt die Umbrüche in ihrer Heimat. Jetzt ist sie im K21 in Düsseldorf zu sehen.

Cao Fei, K21, Düsseldorf 2018 (Ausstellungsansicht)

Im New Yorker MoMa und in der Londoner Tate waren die Werke von Cao Fei schon, auch die Biennale von Venedig hat sie schon bespielt. Nun ist sie in Düsseldorf mit einer Retrospektive zu Gast, die Werke von 1995 bis 2017 vereint und zuvor im MoMa-Ableger PS1 zu sehen war.

Im New Yorker MoMa und in der Londoner Tate waren die Werke von Cao Fei schon, auch die Biennale von Venedig hat sie schon bespielt. Nun ist sie in Düsseldorf mit einer Retrospektive zu Gast, die Werke von 1995 bis 2017 vereint und zuvor im MoMa-Ableger PS1 zu sehen war.

Cao Fei ist in Guangzhou geboren, und zwar 1978. Das ist wichtig, denn in diesem Jahr öffnete sich das Land nach Maos Kulturrevolution wieder anderen Einflüssen. Diese Zeit des urbanen und gesellschaftlichen Wandels spiegelt ihre Kunst - mit den Möglichkeiten modernster, digitaler Technologie.

Guangzhou liegt im boomenden Pearl-River-Delta rund um Hongkong, in dem die Jugend besonders stark nach einer neuen Indentität sucht. Cao Fei illustriert dies unter anderem im Film "Cosplayers", bei der Anime- und Manga-Fans durch das Brachland und die Flüsse der Region streifen.

In diesem spielerischen Umgang mit Identitäten verortet sich auch die Künstlerin selbst: In Arbeiten wie "i.Mirror" (2007) oder "RBM City" (2007-2011) findet sie im Avatar "China Tracy" ein virtuelles Alter ego. Dort ist sie natürlich nicht allein.

Ganz anders geht Cao Feis postapokalyptischer Hauptfilm "La Town" von 2014 zur Sache, der schon im Titel Globalität signalisiert und in einer von der Künstlerin bearbeiteten Eisenbahnlandschaft spielt. Inspiriert von Alain Resnais' "Hiroshima Mon Amour" ebenso wie von der Fernsehserie "The Walking Dead". In Düsseldorf sind Set-Modelle zu sehen.

Besonders beeindruckend aber ist die mit Standbildern umrahmte Videoinstallation "Whose Utopia", eine zur mehrteiligen Serie ausgeweiteten Auftragsarbeit auf dem Gelände einer Osram-Glühbirnenfabrik in Foshan. Hier brachte sie künstlerischen Ausdruck subversiv ins Innere der kapitalistischen Produktionsapparatur.

Die Fabrikarbeiter brechen aus der Monotonie ihres Alltags aus, tanzen Ballett und spielen Gitarre. "Meine Zukunft ist kein Traum" steht am Ende in chinesischen Lettern auf den zuvor noch weißen T-Shirts der Protagonisten.

In ihre Installation "Nation Father" hat Cao Fei auch Werke ihres Vaters Cao Chong'en, eines in China sehr populären Bildhauers, integriert, der mit seinen Bronzeskulpturen den Umbruch in China begleitet hat.

Die Schau "Cao Fei" steht für die Strategie der neuen Direktorin Susanne Gaensheimer, im renovierten ehemaligen Ständehaus K21 noch stärker als bisher Gegenwartskunst und im Stammhaus K20 am Grabbeplatz eher die Moderne zu zeigen. "Ich glaube einfach, dass die Häuser ein ganz klares Profil brauchen können", sagt sie im Interview.

Nicht zuletzt geht es Gaensheimer darum, in jedem Haus "ein bestimmtes Publikum ansprechen, bestimmte Kommunikationsformen und Formate entwickeln zu zu können". Mit der chinesischen Multimediakünstlerin könnte das bei einem besonders jungen Publikum gut gelingen.

Nicht alles, was Cao Fei im K21 präsentiert, ist auf den ersten Blick verständlich - oder als Kunst erkennbar. Das hat vor allem auch damit zu tun, dass die Chinesin mit den Genres spielt und Werbe-Ikonografie und TV-Serien-Ästhetik in ihre Werke mit einfließen lässt.

Aber das bedeutet eigentlich ja nur, dass man sich als Betrachter - wie bei "Rumba 01 & 02" mit seinen Staubsaugerrobotern - von einer strengen Trennung zwischen Hoch- und Tiefkultur wohl endgültig trennen muss. Die Zeiten ändern sich. Und mit den "Digital Natives" wächst eine Generation heran, die Kunst vielleicht ganz anders rezipiert.

"Cao Fei" ist noch bis zum 13. Januar 2019 im Ständehaus K21 der Kunstsammlung NRW zu sehen.

Stand: 17.10.2018, 10:24 Uhr