Bauhaus-Bühnenwelten am Folkwang Museum

Bauhaus-Bühnenwelten am Folkwang Museum

Von Thomas Köster

Vorhang auf fürs Bauhaus-Theater: Denn an der vor 100 Jahren eröffneten Kunst- und Gewerbeschule spielte die Bühne zeitweise eine wichtige Rolle. Das Essener Folkwang Museum widmet diesem Aspekt nun eine kleine Kabinettausstellung.

Bühnenwelten. Museum Folkwang Essen 2019 (Ausstellungsansicht)

Von 1921 bis 1929 hatte das Bauhaus unter anderem unter den Meistern Lothar Schreyer und Oskar Schlemmer auch eine Bühnenwerkstatt. Nach Lyonel Feininger zeigt das Folkwang Museum nun in einer kleinen Schau, wie die Kunst- und Gewerbeschule der Lust am Inszenieren frönte - auch jenseits der Bühnenkunst (Marianne Brandt, "Das Atelier in der Kugel II", 1928/29).

Von 1921 bis 1929 hatte das Bauhaus unter anderem unter den Meistern Lothar Schreyer und Oskar Schlemmer auch eine Bühnenwerkstatt. Nach Lyonel Feininger zeigt das Folkwang Museum nun in einer kleinen Schau, wie die Kunst- und Gewerbeschule der Lust am Inszenieren frönte - auch jenseits der Bühnenkunst (Marianne Brandt, "Das Atelier in der Kugel II", 1928/29).

Gezeigt werden rund 40 Fotografien, Bühnenentwürfe und dramaturgische Skizzen aus eigenen Beständen, die die Entwicklung des performativen Denkens am Bauhaus von einer expressionistischen Anfangsphase bis hin zum Agitproptheater der Spätzeit illustrieren.

Im Zentrum der Schau steht Ernst Ludwig Kirchners Gemälde "Springende Tänzerin. Gret Pallucca" von 1931. An ihrer Palucca-Schule in Dresden unterrichtete die Tänzerin und Tanzpädagogin ihren ganz eigenen Ausdruckstanz. "Palucca verdichtet den Raum, sie gliedert ihn: der Raum dehnt sich, sinkt und schwebt – fluktuierend in allen Richtungen", schrieb damals der Bauhaus-Lehrer László Moholy-Nagy.

Für die expressionistischen Anfänge steht das Werk von Lothar Schreyer, von dem dramaturgische "Bühnengänge" ebenso zu sehen sind ...

... wie eine graphisch hinreißende Partitur zur Dichtung "Erinnerung" des expressionistischen Wortakrobaten August Stramm, die anlässlich der Ausstellung vom Museum erworben werden konnte und die in ihrer Gänze auch noch einmal an einer Wand reproduziert ist.

Bekannt wurde die Bauhausbühne vor allem durch das Schaffen Oskar Schlemmers, der mit seinem abstrakt-geometrischen "Triadischen Ballett" (1922) die Wirkungen des Menschen im Raum und das Spannungsfeld von Form, Farbe, Ton, Bewegung und Licht untersuchen wollte. Von Schlemmer ist unter anderem die Arbeit "Abstrakte Figur nach links" (1923) ausgestellt.

Auch dem am Bauhaus sehr präsenten Phänomen der Maske ist ein Bereich gewidmet. Gerade hier zeigt sich das Spiel mit Konkretheit und Abstraktion, Menschlichkeit und Künstlichkeit, Verbergen und Präsentieren in der Inszenierung besonders deutlich (Gyula Pap, "Maskentanz", um 1923).

Apropos Inszenierung und Bühne: Peu à peu präsentiert das Museum unter seinem neuen Direktor Peter Gorschlüter auch seine ständige Sammlung neu. Die meisten der nun nicht mehr nach Epochen und Stilen, sondern thematisch ausgerichteten Räume sind schon fertig, bis Mitte Juni folgt der Rest.

Aber auch jetzt schon gibt es da auch so manche dramaturgisch klug ausgeleuchtete Neuntdeckung.

Und dann kann sich neuerdings auch jeder selbst im Museum Folkwang inszenieren. Mit der interaktiven Videoarbeit "City of Abstracts" des Künstlers, Tänzers und Choreographen William Forsyth im Foyer. Für Selfies der ganz eigenen Art. Auch diese Serie wird fortgesetzt: Im Frühsommer 2019 geht es mit Forsyths "Human Writes Drawings" weiter.

"Bühnenwelten" in der Reihe "Bauhaus am Folkwang" ist noch bis zum 8. September 2019 im Museum Folkwang in Essen zu sehen. Am 29. September startet dann zum Abschluss des Bauhaus-Jubiläums am Beispiel von László Moholy-Nagy eine kleine Schau zur Hinwendung der Kunst- und Gewerbeschule zu Fotografie und Film (Marianne Brandt, "Selbstporträt mit Schmuck zum Metallischen Fest", 1929).

Stand: 27.04.2019, 10:00 Uhr