Abgesang aufs Neon. "Bright!" in Unna

Abgesang aufs Neon. "Bright!" in Unna

Von Thomas Köster

Mit "Bright" setzt das Zentrum für internationale Lichtkunst in Unna die gute alte Neonröhre nochmal in Szene. Eine gute Gelegenheit, eines der außergewöhnlichsten Museen in NRW neu zu entdecken.

Bright, Zentrum für internationale Lichtkunst Unna 2017 (Ausstellungsansicht)

Die unterirdischen Räume einer ehemaligen Brauerei beherbergen heute das Zentrum für internationale Lichtkunst. Seit Samstag (25.11.2017) sind hier Arbeiten von vier Künstlern mehrerer Generationen zu sehen, die sich mit dem Verschwinden von Neon- und Leuchtstoffröhren beschäftigen. Fast nostalgisch ist dabei der Blick von Pedro Cabrita Reis, der das Tonnengewölbe mit einem umgedrehten "T" erleuchtet.

Die unterirdischen Räume einer ehemaligen Brauerei beherbergen heute das Zentrum für internationale Lichtkunst. Seit Samstag (25.11.2017) sind hier Arbeiten von vier Künstlern mehrerer Generationen zu sehen, die sich mit dem Verschwinden von Neon- und Leuchtstoffröhren beschäftigen. Fast nostalgisch ist dabei der Blick von Pedro Cabrita Reis, der das Tonnengewölbe mit einem umgedrehten "T" erleuchtet.

Vladimir Kuzmin (Mitte) vom Künstlerduo Molitor und Kuzmin ist mit seinem Programmierer nach Unna gekommen, um mit "Extension - Modell 1:1" zu den Klängen von John Cage Raum und Schweigen auszuloten. "Licht im Wandel der Zeit und neue Technologien mit ungewissem Ziel" ist ihr Thema. Wobei hier neumodische LED-Röhren das Neon-Gebinde tragen.

Björn Dahlem präsentiert kaltweißes Neon noch einmal in alter Pracht. Seine raumgreifende "Milchstraße" (2017) hat mit fünf Metern Länge fast schon kosmische Dimensionen. Sie spielt auf die Rolle des Lichts in der Astrophysik an, aber auch auf die Immaterialität von Ideen. Und lädt zum Wundern ein.

Das gilt auch für das vielleicht schönste Exponat von "Bright!", Dahlems "Mond", der sich von der "Milchstraße" separiert in einem Nebenraum präsentiert. Auch hier changiert das Objekt zwischen Mikro- und Makrokosmos, wissenschaftlichem (Atom-)Modell und Lampendesign.

Dem gegenüber hat Volkhard Kempter seine Neonröhren aus der Serie "True Lite" (2017) fast lieblos in das historische Gärbecken des Säulenkellers gekippt. Hier lässt er sie stakkatohaft aufblitzen, bis ihr Stern, dem Zeitalter von LED und Energiesparlampen angemessen, verglüht.

Welchen Reichtum die Leuchtstoffröhre der Lichtkunst gebracht hat, kann man in der Dauerausstellung in Unna bestaunen. Anhand von Keith Sonniers "Tunnel Of Tears" (2002), der im Tonnengewölbe mit seinen arg stilisierten, sich im einsickernden Grundwasser spiegelnden "Tränen" den Raum zum Glühen bringt. Beim Verlassen hat die Welt einen Grünstich.

Oder anhand von Jan van Munsters "Ich (im Dialog)" (2005), der mit seiner Installation im ehemaligen Paternosterschacht mithilfe von "Ichs" in zehn verschiedenen Sprachen das oberirdische "Zentrum für Bildung und Information" mit dem unterirdischen Museum verbindet.

Immer reagiert das Werk dabei auf die vorhandene Architektur der ehemaligen Brauerei. Selbst die merkwürdige, den ganzen Raum überspannende Brücke im Zentrum für internationale Lichtkunst war schon da, bevor Joseph Kosuth seine "Signatur des Wortes" (2001) darunter setzte. Mit der Folge, dass man sich sein Heine-Neon-Zitat gehend erlesen muss.

Anderen Kunstwerken scheint das Ende der Neonröhre gar nichts auszumachen. In James Turrells grandiosem Raum "Floater 99" (2001), dessen diffuser Ton von Eisblau zu Magenta wechselt und in dem der Besucher sich schwebend fühlt, sind die lichtspendenden Neonröhren inzwischen gegen LEDs ausgetauscht.

Überhaupt ist es spannend zu sehen, wie die junge Lichtkunst die Möglichkeiten moderner Leuchtmittel nutzt. Für eine junge Künstlerin wie Raika Dittmann ist es natürlich selbstverständlich, LED-Lampen zu verwenden, um organische Schatten von präparierten Klebebandkringeln zu erzeugen.

Und in der jüngsten Arbeit des Museums, "Touch Me" von 2017, lädt das niederländische Künstlerduo Blendid die Besucher ein, ihre Körper von einem riesigen Bildschirm, der die Bilder anschließend in einer Endlosschleife nach dem Zufallsprinzip abspielt, einscannen zu lassen.

So sollte "Bright!" in Unna vor allem auch ein guter Anlass sein, eines der außergewöhnlichsten Museen Nordrhein-Westfalens wieder oder neu zu entdecken. Will man auch noch die Wechselausstellung "mitnehmen", hat man noch bis zum 8. April 2018 Gelegenheit dazu (Rebecca Horn, "Lotusschatten", 2006).

Aber Vorsicht bei der Terminplanung: Nicht nur, weil man sich in den labyrinthischen Gewölben leicht verlaufen kann, kann das Museum bis auf eine Ausnahme (den ersten Sonntag im Monat) ausschließlich im Rahmen öffentlicher Führungen besucht werden (Ólafur Elíasson, "Der reflektierende Korridor", 2002).

Stand: 25.11.2017, 06:00 Uhr