Making-of als Schau: "Blockbuster" in Wuppertal

Making-of als Schau: "Blockbuster" in Wuppertal

Von Thomas Köster

Restauratorentische im Showroom, Klimakisten und Farbeimer auf dem Fußboden: So unaufgeräumt hat man das Von der Heydt Museum in Wuppertal noch nicht gesehen. Kein Wunder: "Blockbuster" zeigt, wie Ausstellungen entstehen und präsentiert nebenbei Meisterwerke des Museums.

Blockbuster - Museum, Von der Heydt Museum, Wuppertal 2018 (Ausstellungsansicht)

Um bedeutsame und lehrreiche Ausstellungen für ihre jährlich über 100 Millionen Besucher auf die Beine zu stellen, müssen die Mitarbeiter der 4.699 deutschen Museen eine Menge leisten. Das Von der Heydt Museum in Wuppertal macht dies auf sehr illustrative Art und Weise deutlich. Etwa anhand eines Restauratorenraums mit wurmstichigen Heiligen - und einem anbetungswürdigen Feininger.

Um bedeutsame und lehrreiche Ausstellungen für ihre jährlich über 100 Millionen Besucher auf die Beine zu stellen, müssen die Mitarbeiter der 4.699 deutschen Museen eine Menge leisten. Das Von der Heydt Museum in Wuppertal macht dies auf sehr illustrative Art und Weise deutlich. Etwa anhand eines Restauratorenraums mit wurmstichigen Heiligen - und einem anbetungswürdigen Feininger.

Rund 3.000 Gemälde, 500 Skulpturen und 30.000 Grafiken gehören zum Bestand des Von der Heydt Museums. Aber wie kommt so eine Sammlung überhaupt zustande? Wer entscheidet, welches Exponat für eine Ausstellung ausgewählt wird? Mit welchem Anstrich bringt man diesen Beckmann voll zur Geltung? Auch das sind Fragen, die in Wuppertal beleuchtet werden.

Eigentlich wurde "Blockbuster" aus der Not geboren. Im Mai 2018 musste das Musem, das ausschließlich über Sponsoren finanziert wird, die geplante Ausstellung zum "Frankreich der Aufklärung" wegen fehlender Gelder absagen. Ausliegende Listen zu Transportkosten und Versicherungsgebühren machen transparent, wie so etwas passieren kann. Die eindrucksvollen Stücke lassen hoffen, dass die Absage ein Einzelfall bleibt.

So illustriert "Blockbuster" die prekäre Situation, in der sich manches Museum in Nordrhein-Westfalen und anderswo durch finanzielle Kürzungen befindet. Bei einer zerschnittenen Leinwand von Lucio Fontana sind Einschnitte anderer Art ganz plastisch erkennbar.

In einer derart politisch aufgeladenen Schau kann man es auch wagen, Tabubrüche zu begehen. Diese durch Granatsplitter kriegsversehrte Hitlerbüste von Arno Breker stammt aus dem Giftschrank des Museums. Sie erinnert an eine auch für die Kunst in Deutschland schreckliche Zeit.

Es passt, dass "Blockbuster" teilweise schon wieder vergepackte Rudimente der Vorgängerausstellung zu Jankel Adler präsentiert nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung. Im Nationalsozialismus gehörte Adler zu den als "entartet" verfehmten und verfolgten Künstlern. Auch diesen geschichtlichen Bogen schlägt die Schau.

"Die Besucher sollen durch die Ausstellung einen kleinen Einblick in unsere Arbeit bekommen, ohne dass wir alles haarklein erklären", sagt Museumsdirektor Gerhard Finckh. "Wir wollen nur einige Anregungen geben, über die sich der Besucher dann selbst seine Gedanken machen kann." Durchaus gelungen.

Mit "Blockbuster" hat sich Finckh, der die Schau kuratiert hat, ein versöhnliches Abschiedsgeschenk gemacht: Im März 2019 geht er in den Ruhestand. Sein Schreibtisch steht schon, melancholisch und verloren, im Museumsraum.

Nebenan steht ein Gartentisch, der nicht zuletzt das Vorurteil auf die Schippe nimmt, dass Kuratoren ständig in der Toskana oder New York mit Künstlern und Museumsdirektoren Wein oder Kaffee trinken. Vielleicht ist es ein Fingerzeig, was das Museum seinem scheidenden Direktor für den Ruhestand wünscht.

Auch wenn die Schau wohl nicht Hunderttausende ins Museum locken wird, ist sie klug durchdacht und fällt innerhalb der Konzeptionen und kuratorischen Ideen in diesem Jahr buchstäblich aus dem Rahmen.

Der eigentliche Blockbuster des Wuppertaler Museumsjahres findet mit einer Ausstellung zu Paula Modersohn-Becker ohnehin ein Stockwerk tiefer statt. Im Doppelpack famos.

So möchte man dem Von der Heydt Museum wünschen, wehrhaft zu bleiben und seine Pfründe gegen alle Widrigkeiten finanzieller und politischer Natur zu verteidigen. Damit auch weiterhin bedeutsame, lehrreiche Ausstellungen gezeigt werden können.

"Blockbuster" und "Paula Modersohn-Becker. Zwischen Worpswede und Paris" sind noch bis zum 6. Januar 2018 im Von der Heydt Museum in Wuppertal zu sehen.

Stand: 08.10.2018, 09:00 Uhr