Kunst mit Ecken: Blinky Palermo in Köln

Kunst mit Ecken: Blinky Palermo in Köln

Von Thomas Köster

Ein blaues Dreieck, ein schwarzer Kubus oder ein Strich mit Wolke: Mehr brauchte Blinky Palermo nicht für seine konzeptuell Weg weisende Kunst. Nun zeigt das Museum Ludwig seine gesamten Editionen. Einfach schön. Und klug zugleich.

Blinky Palermo. Die gesamten Editionen. Schenkung Ulrich Reininghaus, Museum Ludwig, Köln 2020 (Ausstellungsansicht)

Selbst Kunst, die scheinbar wenig für die Sinne bietet, kann überaus sinnlich sein. Dies direkt vor Augen zu führen, gehörte zum Konzept des 1943 in Leipzig geborenen und 1977 schon früh verstorbenen Künstlers Peter Heisterkamp, der sich nach einem schillernden Mafiaboss Blinky Palermo nannte, ...

Selbst Kunst, die scheinbar wenig für die Sinne bietet, kann überaus sinnlich sein. Dies direkt vor Augen zu führen, gehörte zum Konzept des 1943 in Leipzig geborenen und 1977 schon früh verstorbenen Künstlers Peter Heisterkamp, der sich nach einem schillernden Mafiaboss Blinky Palermo nannte, ...

... und der aus einfachen, monochrom bemalten geometrischen Formen ein imposantes Œuvre schuf.

Bekannt wurde Palermo mit Stoff- und Metallbildern, auf denen die Acrylfarbe ein leuchtendes Eigenleben führte. Daneben schuf er während der gesamten Spanne seiner kurzen Karriere Editionen, die seiner Vorstellung vom Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit entsprachen.

Und die trotzdem eine Aura haben.

2018 schenkte der Sammler Ulrich Reininghaus dem Museum Ludwig alle Editionen Palermos. Damit ist das Haus als einzige öffentliche Institution überhaupt im vollständigen Besitz dieses wundervollen Bestands. Nun ist die Schenkung in einer ausgezeichnet kuratierten Ausstellung erstmals zu sehen.

Im Zuge der Vorbereitung auf die Ausstellung wurde die Sammlung der Editionen wissenschaftlich aufbereitet und das vergriffene Werkverzeichnis der Grafik- und Auflagenobjekte Palermos aktualisiert. Die Schau selbst präsentiert einfach die geballte Sinnlichkeit.

In Köln haben die Sieb- und Offsetdrucke, Lithografien und Objekte genügend Platz zum Atmen. Und können so die entscheidende Frage stellen: Wofür kann Kunst in der Epoche industrieller Form- und Farbgebung noch stehen?

Das Zeichen und die Form verweisen nur noch auf sich selbst, auf ihre Stofflichkeit. Selbst Zahlen bekommen so einen neuen Rahmen.

"Palermo hat die Technik der seriellen Fertigung genutzt, um den Statuswechsel der Kunst - und das heißt auch: seines eigenen Werkes - im technischen Zeitalter zu bestimmen", betont Kuratorin Julia Friedrich, die hier Palermos Grafiken erklärt. "Das zu zeigen ist das Ziel der Ausstellung."

Wie klug und ironisch Palermo auch mit dem eigenen Werk verfuhr, zeigt vor allem diese Edition, die dem Sammler neben einer Farbtube und einem Pinsel nur die Schablone für ein Dreieck zur Verfügung stellt. Der Künstler liefert einzig die Idee: Konzeptkunst at it's best.

Wer durch die Räume mit den Grafiken gegangen ist, kann sich mit neuem Blick am Ende noch den vier Unikaten zuwenden, die das Museum Ludwig besitzt. Da kann man dann bestaunen, wie stark sich Palermo und sein damaliger Ateliergenosse Imi Knoebel gegenseitig beeinflusst haben. Auch das ist eine bereichernde Ergänzung zu dieser rundherum gelungenen Schau.

"Blinky Palermo. Die gesamten Editionen. Schenkung Ulrich Reininghaus" ist noch bis zum 3. Mai 2020 im Museum Ludwig zu sehen.

Zur Ausstellung ist ein sehr schön gemachter Katalog erschienen, der im Buchhandel und im Museumsshop gekauft werden kann.

Stand: 19.01.2020, 06:00 Uhr