Frischer Blick auf die Natur. Bik Van der Pol in Krefeld

Frischer Blick auf die Natur. Bik Van der Pol in Krefeld

Von Thomas Köster

Was ist Landschaft, was Natur? Und was tun wir unserer Umwelt an? Das Künstlerduo Bik Van der Pol hat die Bestände des Kaiser Wilhelm Museums in Krefeld durchforstet und beantwortet die Fragen mit Kunst.

Bik Van der Pol. Mama, was ist eigentlich Natur?, Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld 2018 (Ausstellungsansicht)

Zwei Mal im Jahr laden die Kunstmuseen Krefeld in der Reihe "Sammlungssatellit" Künstler, Choreografen oder Schriftsteller ein, ihre Bestände neu zu präsentieren. Diesmal ist das aus Liesbeth Bik und Jos van der Pol bestehende Künstlerduo Bik Van der Pol an der Reihe (hier zwischen Arbeiten von Josef Albers und Yves Klein).

Zwei Mal im Jahr laden die Kunstmuseen Krefeld in der Reihe "Sammlungssatellit" Künstler, Choreografen oder Schriftsteller ein, ihre Bestände neu zu präsentieren. Diesmal ist das aus Liesbeth Bik und Jos van der Pol bestehende Künstlerduo Bik Van der Pol an der Reihe (hier zwischen Arbeiten von Josef Albers und Yves Klein).

Das niederländische Künstlerduo hat ein Konzept entwickelt, das die Museumssammlung um Fragen zum Verhältnis von Kunst und Natur, aber auch zur Auseinandersetzung von Kunst mit der Menschheitsgeschichte oder Phänomenen wie dem Klimawandel gruppiert (Michael van Ofen: "Ohne Titel", 1990).

Insgesamt sind 70 Arbeiten in "Mama, was ist eigentlich Natur?" versammelt. Dabei ist das Spektrum so breit wie das der Sammlung. Gespannt wird der Bogen vom 19. bis ins 21. Jahrhundert, also im Grunde von der Industrialisierung bis in unsere digitale Gegenwart. Vorne: Armans "Poubelle I", gefüllt mit Müll (1960).

Der Titel "Mama, was ist eigentlich Natur?" verdankt sich übrigens einer Rezension zur Ausstellung "Cover" der Architekten- und Künstlergruppe Haus-Rucker-Co, die das Krefelder Haus Lange 1971 in einer spektakulären Aktion mit einer "Schutzhülle" überdachten - als Warnung vor der Zerstörung der Umwelt.

Weitere Zitate von Ausstellungskritiken haben Bik Van der Pol gemeinsam mit dem Typographen Thomas Artur Spallek zu einer Art Geheimschrift verarbeitet, die die Ausstellungsräume wie ein roter Faden durchzieht. Verwendet wurde "Saint Helena" - eine Schrift, die nach einem Olivenbaum benannt ist, der seit 2003 als ausgestorben gilt.

Überhaupt waren Bik Van der Pol nicht nur Kuratoren: Einige der imposantesten Werke in der Ausstellung stammen von ihnen. Hierzu gehört eine dreiteilige Videoinstallation, die im Trialog mit einem Foto Andreas Gurskys und einer idealen "Deutschen Landschaft" (1860, hinten) die Frage nach der Konstruktion von "Natur" durch den Menschen stellt ("One to One", 2017).

Aber auch die hübsche Neonarbeit "Untitled (Gold)" von 2009, die einen Auszug aus einem Gedicht von Thomas Hood aus dem 19. Jahrhundert zum begehrlichen Flackern bringt, stammt vom Künstlerduo selbst. Assoziationen von Gier und Raubbau inbegriffen.

Außerdem haben Bik Van der Pol aus Ausstellungskritiken der Kunstmuseen Krefeld eine Soundcollage erstellt, die den Besucher akustisch durch die Schau begleitet. Weit imposanter klingt allerdings vielleicht noch James Webbs Werk "Children of the Revolution", aus dessen Röhren ein Chor das T.Rex-Lied in einer der elf Amtssprachen Südafrikas intoniert.

James Webbs Werk, das eigentlich an die soziale Ungleichheit in Afrika erinnert, macht deutlich, wie Bik Van der Pols Konzept funktioniert: Die Werke der Museumssammlung werden einfach in einen anderen Kontext gestellt und damit dem Thema der Ausstellung einverleibt (Constant, "Départ pour l'espace", 1958).

Das funktioniert erstaunlich gut. So war Christopher Williams bei seiner Abwrackskulptur "Model: 1964 Renault Dauphine-Four R-1095" (2000) sicher mehr an der Oberflächenfaltung und Farbgebung der Karosserie interessiert als an einer Kritik des Automobils.

Aber unter dem thematischen Motto der Schau werden in den Werken im Auge des Betrachters Schichten freigelegt, die die brennenden Fragen unserer Gegenwart betreffen. So wie bei Michael Sauer, dessen abstrakte Landschaften beim Auswaschen der Pinsel an den Glasinnenseiten entstanden ("Glas, Landschaft", Version 1, 3 und 4, 2008).

Die Reihe "Sammlungssatelliten" solle "das Museum als Atelier und Ort etablieren, wo neue Kunst geschaffen wird", resümiert Direktorin Katia Baudin. "Bik Van der Pol werfen einen frischen Blick auf unsere und die Geschichte der Institution". Und dieser frische, neue Blick ist gut gelungen (Ulrich Rückriem: "Belgischer Granit, gespalten", 1969/1970).

Überhaupt, das Alte und das Neue: Manche Frische entdeckt man buchstäblich nur, wenn man fast mit der Nase ans Objekt stößt. Jannis Kounellis' 17-teilige titellose Arbeit aus Eisenblech und Metalldraht, die auf sehr poetische Weise die globale Ökonomisierung thematisiert, stammt zwar schon von 1969 ...

... das Kaffeepulver allerdings ist frisch aufgeschüttet. Man sollte also kommen, bevor der Duft verflogen ist.

"Sammlungssatellit #2: Bik Van der Pol. Mama, was ist eigentlich Natur?" ist noch bis zum 5. Mai 2019 im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld zu sehen.

Stand: 15.11.2018, 11:00 Uhr