Die Schlüsselfigur

Die Schlüsselfigur

Architekt, Designer
geboren 1881 in Mechernich, gestorben 1929 auf Baltrum

Adolf Meyer stammt aus Mechernich, einem Eifelstädtchen in der Nähe von Bonn. Schon in der Volksschule fällt sein Zeichentalent auf. Mit 13 macht er eine Tischlerlehre in einer Möbelwerkstatt, wo er das Handwerk von Grund auf erlernt. Nebenbei nimmt Meyer Stunden bei einem ortsansässigen Technischen Zeichner. Mit 16 beginnt seine dreijährige "Wanderschaft", die ihn quer durchs Rheinland führt. Bewusst sucht er sich moderne Betriebe aus, in Köln, Krefeld und Düsseldorf. Seine Militärzeit leistet Meyer bei einem Eisenbahnregiment ab und kommt mit der Konstruktionslehre in Berührung.

Meyer geht zu Peter Behrens nach Düsseldorf ...

1903, nun ist er 22 und hat neun Jahre lang gelernt, entschließt sich Meyer zu einer künstlerischen Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Köln. Dass er bereits im Jahr darauf - mit gutem Semesterabschluss - an die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf wechselt, liegt an deren neuem Direktor Peter Behrens, der einen Reformstudiengang einrichtet. In Düsseldorf lehrt auch Mathieu Lauweriks, ein prophetischer Erneuerer, bei dem Meyer das "Entwerfen nach System" kennenlernt. Eine Entwurfslehre mit auffälligen geometrischen Mustern, die bald ähnlich bei Peter Behrens auftaucht und später auch bei Entwürfen des Baubüros von Walter Gropius und Adolf Meyer. So etwa beim berühmten Alfelder Faguswerk von 1910 und der Musterfabrik für die Werkbund-Ausstellung 1914 in Köln.

... und folgt ihm nach Berlin

Der Student Meyer entwickelt in Düsseldorf ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Lehrer Lauweriks. Als er trotz hervorragender Leistungen aus finanziellen Gründen die Schule verlassen muss, setzt sich Lauweriks mehrfach für Meyer ein und vermittelt ihm Stipendien. Als Peter Behrens 1907 die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf verlässt, um in Berlin ein Baubüro zu gründen, macht er Meyer  - per Telegramm - das Angebot, für ihn am Großprojekt des AEG-Konzerns mit zu arbeiten. Wohl auf Empfehlung von Lauweriks, der ihn aus seiner Architekturklasse kennt. Bei Behrens trifft Meyer auf Mies van der Rohe und Gropius.

Meyers Name fehlt bei vielen Entwürfen

1910 gründet Gropius mit Meyer ein gemeinsames Baubüro in Berlin, in dem er über 15 Jahre hinweg als "Büroleiter" arbeitet, davon sechs Jahre am Bauhaus in Weimar. Nach dem Ersten Weltkrieg sagt Gropius Meyer vertraglich zu, dass bei sämtlichen Entwürfen, einschließlich denen aus der Vorkriegszeit, beide Namen genannt werden. Dies ist bis heute nicht der Fall. Selbst bei Entwürfen wie der berühmten "Bauhaus-Klinke", die definitiv Meyer zuzuschreiben ist, wird weiterhin Gropius als Urheber genannt.

Baurat im "Neuen Frankfurt"

Meyer lehrt am Bauhaus Werkzeichnen und Konstruktion, gilt aber nur als "außerordentlicher" Meister. In dieser Zeit hat ihn sein Lehrer Lauweriks häufig besucht. Dessen Vorlesungsmitschriften, verfasst von Adolf Meyer und später verschwunden, kursieren damals am Bauhaus und verbreiten so den späteren Bauhaus-Code: das "Entwerfen nach System". Auch Meyers Einfluss auf das Bauhaus – genau wie der seines Lehrers Lauweriks – gilt es noch zu entdecken. 1926 geht Adolf Meyer als Baurat ins "Neue Frankfurt"; er wird zu einem profilierten Vertreter des Neuen Bauens und wäre wohl als Berliner Baurat unter anderem Arbeitgeber von Walter Gropius geworden, wenn er nicht bei einem Badeunfall 1929 in der Nordsee ertrunken wäre. 

Adolf Meyer

Fagus-Werk Karl Benscheidt, Alfeld, Zeichnung um 1910

Carl Benscheid, der Gründer des Fagus-Werkes in Alfeld, wünschte eine auffällige Fassade. Walter Gropius und Adolf Meyer lieferten ein "Schaufenster" im Stil der Großstadtkaufhäuser, die sie aus Berlin kannten. Die Projektskizze von 1910 stammt von Adolf Meyer.

Carl Benscheid, der Gründer des Fagus-Werkes in Alfeld, wünschte eine auffällige Fassade. Walter Gropius und Adolf Meyer lieferten ein "Schaufenster" im Stil der Großstadtkaufhäuser, die sie aus Berlin kannten. Die Projektskizze von 1910 stammt von Adolf Meyer.

Die Glasfassade am Verwaltungsgebäude des Fagus-Werkes mit ihren Fensterbändern sollte die Werbewirkung der Architektur verstärken.

Im Eingangsbereich des Fagus-Werkes verwendeten Walter Gropius und Adolf Meyer Liniensysteme, die stark an Entwürfe von Mathieu Lauweriks erinnern. Darin steckte weit mehr als Dekoration. Die Linien waren Teil des "Entwerfens nach System" - einer Methode, die man auch als versteckten Bauhaus-Code verstehen kann.

Es ist einer der berühmtesten Designentwürfe aus der Periode der Neuen Sachlichkeit: der Türdrücker. Dieses erste Massenprodukt aus dem Bauhaus eignet sich wegen der zahlreichen Varianten und verschiedenen Hersteller als Objekt der Designarchäologie. Die Entwürfe dieses Urtyps aller modernen Türdrücker sind im Büro von Gropius und Meyer entstanden und wurden automatisch Ersterem zugeschrieben. Es hat lange gedauert, bis aus der "Gropius-Klinke"  eine "Meyer-Klinke" wurde, zumindest in der Fachliteratur.

Glaszylinder: Das Bürogebäude auf der Kölner Werkbundausstellung von 1914 verfügte über frei stehende transparente Treppenhäuser. Ob der Entwurf wirklich von Walter Gropius stammt, ist ungewiss. Planung und Durchführung lagen in der Hand von Adolf Meyer.

Musterhaft: Das Weimarer Haus am Horn, das 1923 auf der ersten Bauhausausstellung als "Musterhaus" das "Neue Bauen" und das "Neue Wohnen" demonstrieren sollte . Der Entwurf stammte von Georg Muche und wurde unter Adolf Meyer umgesetzt. Zur Eröffnung hielt Walter Gropius einen Vortrag über "Kunst und Technik – eine neue Einheit". Dieses Motto war einem Artikel von Peter Behrens aus der Vorkriegszeit entlehnt - genau wie der sachliche Stil.

Ikone: Das Haus am Horn ist die einzige in Weimar realisierte so genannte Bauhausarchitektur. Heute gehört es zum UNESCO-Welterbe "Bauhaus und seine Stätten in Weimar und Dessau".

Alles neu: 1925 wurde Adolf Meyer Baurat im „Neuen Frankfurt“. Nach den Plänen eines sozialistischen Stadtrats wurde dort das "Neue Bauen“ im großen Stil umgesetzt. Und auch das systematische Entwerfen erreichte neue Dimensionen.

Urbane Versachlichung: Baurat Adolf Meyer, der sich auch pädagogisch engagierte, schuf im "Neuen Frankfurt" sachliche Interieurs von hohem Systematisierungsgrad und praktischem Nutzen. Glaslehrküche um 1928.