Krefeld

Krefeld

Verschmelzung von Kunst und Gewerbe

Um 1900 hat das westlich von Düsseldorf gelegene Krefeld, das gerade Großstadt geworden ist, bereits einen schwindelerregenden wirtschaftlichen Aufstieg hinter sich. Der enorme Wohlstand der zeitweise reichsten Stadt des Deutschen Reiches beruht auf der Verarbeitung hochwertiger Textilien, insbesondere Samt und Seide. Dem Boom der Luxuswaren entspricht der Stolz der Bürger, die ihren Erfolg auch vorzeigen möchten.

Moderne in wilhelminischem Bau

So entsteht 1897 das Kaiser-Wilhelm-Museum, ein mächtiger Bau für eine Stadt dieser Größe und bis heute eines der renommierten Häuser für Kunst und Design. Weder sein etwas antiquiert wirkender Name noch der pompöse Stil des Gebäudes, der noch völlig der Tradition der wilhelminischen Zeit verhaftet ist, lassen erahnen, dass hier von Anfang an die Moderne zuhause ist.

Impulsgeber Friedrich Deneken

Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Gründungsdirektor des Museums. Friedrich Deneken, ein junger Kunsthistoriker, hat das Einmaleins der Reformzeit am Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe gelernt und will genau diese - die Kunst und das Gewerbe - miteinander verschmelzen, um Stil und Geschmack auf höchstes Niveau zu heben. Deneke fördert das Unternehmen "Krefelder Kunstseide", das zwar wirtschaftlich kein Erfolg wird, aber wichtige Anstöße gibt. 1904 kommt es auch in Krefeld zur Gründung einer Kunstgewerbeschule mit Schwerpunkt auf Textilgestaltung. Außerdem gibt es eine Textilingenieurschule mit legendärem Ruf.

Zentrum der Moderne

So wird die Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts über Nacht zu einem Zentrum der Moderne und fast automatisch zur Anlaufstelle für die ganz Großen der Reformzeit wie etwa Henry van de Velde oder Peter Behrens, den Deneken besonders fördert. Deneken, der unermüdliche Streiter für die künstlerische Gestaltung aller Alltagsdinge, bleibt bis Ende der Zwanzigerjahre in Krefeld und personifiziert geradezu die Kontinuität zwischen Vor- und Nachkriegsmoderne. Auch Peter Behrens greift auf seine Krefelder Kontakte zurück. Dank Deneken beruft er den holländischen Designer Mathieu Lauweriks an die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule. Für eine kurze aber intensive Periode fungiert das Städtedreieck Düsseldorf, Hagen und Krefeld als Keimzelle der Reformbewegung in Deutschland.