Köln

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Werkbund-Ausstellung: der rauschende Höhepunkt

Die größte rheinische Metropole, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem Korsett seiner mittelalterlichen Stadtmauern platzt, ist in so mancher Hinsicht ein Zentrum der Moderne gewesen - aber keine Hochburg der Reformzeit. Zu Kölner Symbolen des Eintritts in die Moderne gehören die Fertigstellung des Doms mit industriellen Mitteln (und den höchsten Baugerüsten der Welt), die Anlage der Ringstraßen nach Wiener Vorbild und die Gründung der ersten Gasmotoren-Fabrik der Welt durch Nicolaus Otto in Deutz.

Legendäres Großereignis: die Werkbund-Ausstellung

In Köln-Deutz liegt auch das Gelände der Werkbund-Ausstellung von 1914. Dass dieses legendäre Großereignis, das als ein Endpunkt der Reformzeit angesehen werden kann, in Köln stattfindet, ist allerdings eher Zufall. Ein Grund für die Standortwahl mag in der relativen Nähe zu zwei anderen Zentren der Moderne liegen, nämlich Hagen und Krefeld. Friedrich Deneken, Museumsdirektor in Krefeld und der Hagener Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus sind bekannte Reformer und führende Köpfe im Deutschen Werkbund, in dem sich 1907 die Reform institutionalisiert. Der Werkbund will in Köln die Ernte der vorhergegangenen sieben fetten Jahren einfahren.

Mäßiger künstlerischer Erfolg

Doch obwohl der Aufwand gigantisch ist, inklusive Rummelplatz mit "Futuristenkneipe", und sich die Prominenz der Reformzeit die Ehre gibt, wird der künstlerische Ertrag schon von Zeitgenossen als eher mäßig eingeschätzt und manches, wie etwa die neoklassische Festhalle von Beter Behrens, sogar als Rückschritt empfunden. Beifall erhalten nur wenige Beiträge, darunter der Theaterbau von Henry van de Velde mit seinen asymmetrischen Formen sowie die "Musterfabrik" von Walter Gropius und Adolf Meyer. Zur Sensation - obwohl außerhalb der Ausstellung gelegen - wird der Glaspavillon von Bruno Taut. Zu den stillen Innovationen gehört die Hagener Ausstellung von Mathieu Lauweriks, bei der der inspirierte Holländer sein "Entwerfen nach System" auf die Spitze treibt.

Historisch: der "Werkbund-Streit"

Eine Bedeutung für die jüngste Kulturgeschichte bekommt die Kölner Veranstaltung vor allem durch den "Werkbund-Streit", bei dem im Vorfeld der Ausstellung Vertreter der Kunst- und der Industriefraktion aneinander geraten und an dem die weltweit erste nationale Designorganisation fast auseinandergebrochen wäre. Am 1. August ist das rauschende Fest vorbei und der Krieg beginnt. Als Deutschland mobil macht, wird die Ausstellung geschlossen. Sie endet trotz rund einer Million Besucher wie befürchtet als finanzielles Fiasko.