Hagen

Hagen

Modernes Zentrum dank eines visionären Ehepaars

Dass die Stadt am südöstlichen Rand des Ruhrgebiets in der Zeit um 1900 eine so wichtige Rolle spielt, liegt an zwei Personen: Gertrud und Karl Ernst Osthaus. Das Ehepaar stößt durch seine Liebe zur Kunst und seine erheblichen finanziellen Mittel eines der erstaunlichsten Projekte dieser Reformzeit an.

Hagen als Mittelpunkt der Reformbewegung

Nachdem Hagen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts an das Eisenbahnnetz angeschlossen wird, setzt eine heftige Industrialisierung ein. Der kulturelle Höhenflug beginnt kurz nach 1900. Osthaus, der Kunstsammler, Visionär und Mäzen und seine kongeniale Ehefrau wollen ihre Heimatstadt und das gesamte Industriegebiet zum Mittelpunkt der Reformbewegung machen.

Es entstehen zwei Museen, eine Kunstgewerbeschule, eine Reformwerkstatt für Silberwaren sowie die Idealsiedlung Hohenhagen als Gartenstadt und Künstlerkolonie. Namhafte Architekten sind daran beteiligt, darunter Henry van de Velde, Peter Behrens, Richard Riemerschmid und Bruno Taut. Hinzu kommt - oft vergessen - der holländische Architekt und Philosoph Mathieu Lauweriks, der vorher an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule unter Behrens Architektur gelehrt hat.

Initiativen mit großer Strahlkraft

Zentrum dieser Initiative sind das Folkwang-Museum und die Künstlerkolonie, die allerdings ein Torso bleibt. Lauweriks leitet in Hagen das ebenfalls neu gegründete Handfertigkeit-Seminar, an das er Künstler aus Holland holt, die in seinem Sinne die von ihm entwickelte Methode anwenden, das "Entwerfen nach System". So bildet sich, was in Hagen bis dahin nicht existierte: ein kreatives Milieu. Es hat mit Tanz- und Theateraufführungen zeitweise den Charakter einer Bohème. Die Strahlkraft der Osthaus-Initiativen ist erheblich. Der holländische Kunsthistoriker Nic Tummers hat dies als "Hagener Impuls" bezeichnet, ein Ausdruck, der inzwischen als kunsthistorischer Fachbegriff und Motto des Stadtmarketings benutzt wird. Dieser Impuls sollte allerdings in einem größeren westdeutschen Zusammenhang gesehen werden.

Einflüsse aus anderen Reformstädten

Düsseldorf, Krefeld und Köln, die drei rheinischen Städte, die sich nach der vorletzten Jahrhundertwende ebenfalls zu Zentren der Moderne entwickeln, liegen in einem Umkreis von rund 80 Kilometern. Eine Nähe, die insbesondere während der Reformzeit zu starken Wechselwirkungen führt. Künstlerarchitekten wie Behrens oder van de Velde sind in allen genannten Städten tätig. Und als 1914 die Werkbund-Ausstellung in Köln stattfindet, lädt Osthaus den gesamten Vorstand nach Hagen ein und mietet dafür einen Sonderzug.