Düsseldorf

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Hotspot Kunstgewerbeschule

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kommt es in Düsseldorf zu einem der spannendsten Momente der frühen Moderne, bei dem Grundlagen der modernen Architektur und des Designs gelegt wurden. Dafür gibt es zwei günstige Bedingungen: zum einen die Lage der Stadt im äußersten Westen Deutschlands und die dadurch gegebene Nähe zu Frankreich, Belgien, den Niederlanden und England – Länder, aus denen die neuesten avantgardistischen Strömungen herüberschwappen. Zum anderen gibt es in Düsseldorf neben der Kunstakademie auch noch eine Kunstgewerbeschule. Dadurch zählt Düsseldorf zu den Zentren der Moderne, die eine führende Rolle bei jener Gestaltungsrevolution spielen, die sich im Vorfeld des Ersten Weltkriegs - der Reformzeit - in Deutschland Bahn bricht.

Kunstgewerbeschule wird Zentrum der Reformer

Der Anstoß kommt von außen. Düsseldorfs Kunstgewerbeschule bekommt 1903 mit Peter Behrens einen Reformer als Direktor, der den Lehrplan modernisieren soll. Behrens, zwar hochtalentiert, besitzt aber kaum Erfahrung für diese ehrgeizige Aufgabe. So holt er sich auf Anraten seines Krefelder Förderers Friedrich Deneken Unterstützung aus Amsterdam. Er macht Mathieu Lauweriks zum Leiter der Architekturabteilung und wird selbst zum Schüler. Aus Köln stößt bald der Student Adolf Meyer dazu, der Lauweriks Meisterschüler wird und der dessen Lehren später im Bauhaus verbreiten wird. Durch Lauweriks, insbesondere seine Methode des "Entwerfens nach System“, wird nicht nur Behrens zu einem modern denkenden Architekten und Designer, sondern auch die Architektur und das Design insgesamt erhalten entscheidende Impulse.

Kurzes Experiment mit nachhaltiger Wirkung

Schließlich wirkt Düsseldorfs Nachbarschaft zu verschiedenen Zentren der Moderne - und hier insbesondere Krefeld, Hagen und Köln - als Katalysator der Reformprozesse. So hat etwa der Hagener Kunstreformator Karl Ernst Osthaus seine Netzwerke über sie gespannt. Und auch Behrens ist in all diesen Städten aktiv. Vor diesem Hintergrund kann das kurze Düsseldorfer Reformexperiment, das spätestens 1909, als Lauweriks zu Osthaus nach Hagen geht, bereits wieder beendet ist, eine enorme Wirkung entfalten. Es ist nicht weniger als eine Initialzündung der modernen Architektur.