Amsterdam

Amsterdam

Heimat des "Entwerfens nach System"

Die größte Stadt der Niederlande ist seit Jahrhunderten, allein bedingt durch seinen Seehafen, ein Synonym für Weltläufigkeit, Modernität und freies Denken. Mit dem enormen Wirtschaftswachstum des späten 19. Jahrhunderts verändert sich auch das kulturelle Amsterdam. So gehört die Stadt bereits vor dem Ersten Weltkrieg zu den führenden europäischen Zentren der Moderne, und dies insbesondere in Kunst und Architektur.

Systematisches Entwerfen in der Kunstschule Vahana

In Holland wirken Kräfte, die es in Deutschland und anderen europäischen Ländern so nicht gibt. Neben der Öffnung des Kolonialhandels gehört dazu auch die Emanzipation des Katholizismus, Entwicklungen, die nicht nur einen ungeheuren Bauboom auslösen, sondern auch einen Stilwandel hin zu geometrischen Formen. In dieselbe Richtung wirkt die theosophisch ausgerichtete Kunstschule Vahana, die die Architekten Karel de Bazel und Mathieu Lauweriks 1897 gründen und die nach der Methode systematischen Entwerfens vorgeht. Sie zieht zahlreiche junge Talente an und bringt innerhalb weniger Jahre eine neue Avantgarde hervor.

Diese Bewegung, entstanden um 1900, wird nach Arts and Crafts Bewegung in England zur zweiten Inspirationsquelle der deutschen Reformbewegung. Es ist ein Befreiungsschlag, durch den die verlogenen Stilimitate des 19. Jahrhunderts weggewischt werden und der Jugendstil gleich mit. In der Reformzeit beginnt die Ära der Sachlichkeit.

Linie Amsterdam - Westdeutschland - Bauhaus

Die "Nieuwe Kunst", die niederländische Version des Jugendstils, die "Amsterdamse School", eine der ersten modernen Baubewegungen, und später der radikale "De Stijl" sind allesamt Strömungen, die im Ausland große Beachtung finden und auch in Deutschland direkten Einfluss ausüben.

Als 1903 in Krefeld eine Ausstellung über niederländische Kunst gezeigt wird und Lauweriks nur ein Jahr später unter Peter Behrens in Düsseldorf Architektur lehrt, findet dieser Impuls in Deutschland Widerhall - der neuen Drehscheibe der Reform. Aus Amsterdam führt eine direkte stilistische Linie über die westdeutschen Zentren der Reformzeit bis ins Bauhaus hinein.

Als eine Art Übervater der modernen Architektur in den Niederlanden wird gewöhnlich Hendrik Berlage angesehen. Als Schlüsselwerk gilt die ihm zugeschriebene Neue Börse von 1903, ein frühes Beispiel für eine Architektur unter dem Primat der Geometrie. Er ist jedoch nicht der Urheber dieser Richtung. Berlage profitiert von Mathieu Lauweriks und seiner Methode, dem "Entwerfen nach System".