Licht und Bühne: Münster zeigt "Bauhaus in Amerika"

Licht und Bühne: Münster zeigt "Bauhaus in Amerika"

Von Thomas Köster

Nächstes Jahr ist Bauhaus-Jahr. Zum 100. Geburtstag der Kunstschule, die auch für NRW überaus wichtig war, beleuchtet das LWL-Museum für Kunst und Kultur, wie das Bauhaus die Kunst der USA bis heute beeinflusst hat - mit spektakulären Exponaten.

Bauhaus in Amerika, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2018 (Ausstellungsansicht)

Im Grunde fängt die Ausstellung "Bauhaus in Amerika" da an, wo das Bauhaus offiziell aufhörte: 1933 nämlich, als die Nationalsozialisten die 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründete und inzwischen in Berlin ansässige Kunstschule zur Selbstauflösung zwangen. Viele Lehrer flohen in die USA, so auch László Moholy-Nagy, der die Abstraktion der Moderne vorangetrieben hatte ("Komposition A XI", 1923).

Im Grunde fängt die Ausstellung "Bauhaus in Amerika" da an, wo das Bauhaus offiziell aufhörte: 1933 nämlich, als die Nationalsozialisten die 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründete und inzwischen in Berlin ansässige Kunstschule zur Selbstauflösung zwangen. Viele Lehrer flohen in die USA, so auch László Moholy-Nagy, der die Abstraktion der Moderne vorangetrieben hatte ("Komposition A XI", 1923).

Weitere wichtige Figuren waren Anni Albers und ihr Mann Josef, der wie Moholy-Nagy das Staatliche Bauhaus nach seinem Umzug von Weimar nach Dessau geleitet hatte. Beide spielten eine wichtige Rolle an der 1933 neugegründeten Kunsthochschule Black Mountain College in North Carolina, die viele Ideen des Bauhaus aufgriff ("Variant of Related", undatiert).

Dazu gehörte die alltagstaugliche Verschmelzung verschiedener Gattungen und Genres der bildenden und darstellenden Künste, namentlich von Malerei, Film, Theater und Tanz: ein Aspekt, der in der Münsteraner Schau eine zentrale Rolle spielt. Dort sind Kostümentwürfe für Kinderspielzeug oder Bühnenbilder von Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky zu sehen, ...

... die auf das interdisziplinäre Schaffen von amerikanischen und kanadischen Künstlern wie Marcel Dzama wirkten. 2016 schuf Dzama das Kostüm- und Bühnendesign für das New York City Ballet "The Most Incredible Thing". Sein "Merry go round # 2" (2011) macht diese Beeinflussung spürbar.

Gleiches gilt für den Pop-Art-Künstler Robert Rauschenberg, der am Black Mountain College Schüler von Josef Albers war. In Münster ist eine Arbeit zu sehen, die er gemeinsam mit seiner Ehepartnerin Susan Weil geschaffen hat ("Blueprint", 1950).

Auch auf das Werk von Bruce Nauman hat die im Bauhaus gelehrte Verknüpfung von Raum, Figur und vebindender Bewegung deutlich abgestrahlt, wie der Film "Dance or Exercise on the Perimeter of a Square" von 1967 belegt.

Flirrende Bewegung ins Bild setzen: Das wollte auch der Albers-Schüler Julian Stanczak, dessen Ausstellung "Optical Paintings" (1964) den Begriff der Op Art prägte. Überhaupt sind unter den rund 130 in Münster versammelten Exponaten zahlreiche, die die Sinne verwirren ("Brim Two", 1972).

"Dieses Jahrhundert gehört dem Licht", verkündete László Moholy-Nagy. Was er damit meinte, demonstriert sein "Lichtrequisit für eine elektrische Bühne" (1930), das in der Ausstellung als Nachbau zu sehen ist. Leider darf die empfindliche Apparatur immer nur eine Viertelstunde laufen.

Ständig im Einsatz ist die Rekonstruktion von Ludwig Hirschfeld-Macks "Lichtspielapparat" von 1923, der einmal mehr zeigt, wie stark das Bauhaus in den Alltag drängte: Er sollte die Lichtreklame in der Großstadt revolutionieren, kam aber nie zum Einsatz.

Egal. Von der Bauhaus-Idee des wiederum bühnenhaft eingesetzten Lichttheaters führt ein direkter Weg zu den raumsaugenden Installationen des US-Amerikaners James Turrell ("Raethro Pink", 1968) ...

... oder zur unglaublich intensiven, Licht als heilige Materie feiernden Farbfeldmalerei von Richard Anuszkiewicz ("Temple to Albers", 1984) ...

... bis hin zu den atemberaubenden Installationen von Robert Irwin, bei denen sich die Materie des Objekts im Spiel von Licht und Schatten aufzulösen scheint ("Ohne Titel", 1967/68).

Fotogramme gehörten ebenfalls zum experimentellen Repertoire der Bauhaus-Werkstätte - und öffneten die Tür für Künstler auch in Amerika. Diesem Aspekt ist der letzte Raum der Ausstellung gewidmet. Mit tollen Beispielen von Moholy-Nagy bis Aaron Siskind ("Chicago", 1948, unten, "Glouchester 16 A", 1944, oben)

Dass das Münsteraner Museum genau der richtige Ort für die Ausstellung ist, zeigt dann ein Gang durch die Ständige Sammlung, in dem zentrale Werke der Bauhaus-Abstraktion ebenso versammelt sind wie Zero-Lichtkunst oder die amerikanische Moderne. Da sollte man dann anschließend verweilen.

"Bauhaus in Amerika. Experiente in Licht und Bewegung" ist noch bis zum 10. März 2019 im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zu sehen. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen, der eine echte Augenweide ist (links im Bild: Barbara Kasten, "Architectural Site 15", 1987).

Stand: 08.11.2018, 11:00 Uhr