Audioarchiv sammelt Stimmen aus der Kunstszene

Studiomikrophon

Audioarchiv sammelt Stimmen aus der Kunstszene

Mit ihrem "Audioarchiv Kunst" bewahren die Journalistinnen Sabine Oelze und Marion Ritter Stimmen aus der Kunstszene der Nachkriegszeit vor dem Vergessen und stellen sie digital zur Verfügung.

WDR: Was wollen Sie in Ihrem Audioarchiv dokumentieren?

Sabine Oelze: Die Idee ist entstanden, als wir Gotthard Graupner, den 20013 verstorbenen Maler, in seinem Atelier besuchten und bei Tee und Gebäck zusammensaßen. Er kam ins Plaudern und fing an, vom Kunstmarkt zu sprechen, der ihn damals so beeindruckt hat. Das war Ende der 1950er Jahre, als er an der Kunstakademie war.

Damals gab es wenige wichtige Kunstorte, wie zum Beispiel die "Galerie 22" in Düsseldorf und all diese Namen, die da fielen, die sagten uns jüngeren Kunsthistorikerinnen eigentlich gar nichts mehr.

Die Initiatorinnen des Audioarchiv Kunst: Sabine Oelze und Marion Ritter

Sabine Oelze und Marion Ritter

Und beim Rausgehen haben wir uns überlegt: "Es ist so schade: Wenn dieses Gedächtnis - Gotthard Graupner ist ein halbes Jahr später gestorben -, wenn diese Zeitzeugen sterben, sind diese Erinnerungen verschwunden."

WDR: Sie bedienen sich des Mittels "Oral Art History". Diesen Begriff müssten Sie bitte erklären.

Marion Ritter: Das ist eine relativ junge Form der Geschichtsschreibung, die versucht, Geschichte möglichst lebendig zu erzählen und zu dokumentieren. Vor allem in Form von Zeitzeugengesprächen. Das Besondere ist auch, dass Geschichte sowohl von Schlüsselfiguren erzählt werden kann, als auch von Figuren, die am Rande des Geschehens standen. So haben wir unser Archiv jetzt auch aufgebaut.

Wir sprechen genauso mit wichtigen Galeristen wie Rudolf Zwirner, Rolf Ricke oder Jean Paul Menz wie auch mit Personen wie Carlo Schröter, der gemeinsam mit Daniel Spoerri in Düsseldorf das "Eat Art" Restaurant als Wirt betrieben hat oder mit Wiebke von Bonin, die als Journalistin die Redaktion Kunst für das WDR Fernsehen aufgebaut hat.

WDR: Warum hat ausgerechnet das Rheinland damals eine wichtige Rolle gespielt?

Sabine Oelze: Zum Teil ist der WDR daran schuld, der hat nämlich schon in den 1950er Jahren dieses Studio für Neue Musik, für elektronische Musik, aufgebaut und die Konzert für Neue Musik veranstaltet, und das zog sehr viele Komponisten an: Stockhausen, David Tudor, John Cage. Nam June Paik war damals noch Komponist, die kamen alle nach Köln.

Und eine Frau spielte eine zentrale Rolle: Mary Bauermeister, die ja heute als Pionierin der Fluxus-Kunst gilt, eröffnete 1959 hier in der Lindgasse in der Kölner Innenstadt ein Atelier, ganz oben im vierten Stock und lud dazu zu einer Versammlung der Musik und der Kunstszene, sie war ja Künstlerin, ein. Dort fanden legendäre Aktionen und Happenings statt, zum Beispiel hat Otto Piene von der Gruppe "Zero" damals sein Lichtballett dort aufgeführt.

Das Interview führte Rebecca Link in WDR 5 Scala. Das gesamte Gespräch können Sie hier nachhören:

Audioarchiv Kunst - Stimmen zur Kunstgeschichte geht online

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur | 12.04.2018 | 07:04 Min.

Download

Stand: 13.04.2018, 11:17