In alter Frische: Arnt der Bilderschneider in Köln

In alter Frische: Arnt der Bilderschneider in Köln

Wegen Corona kann das Museum Schnütgen seine imposante Schau zum mittelalterlichen Schnitzkünstler Arnt der Bilderschneider noch nicht eröffnen. Aber wir waren bei der Restaurierung des Hauptwerks mit dabei! Wir gewähren exklusive Einblicke. So nah werden sie Arnts Altartafel mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige nie mehr kommen!

Restauratorin Andrea Hünteler vor dem Dreikönigsaltar von Arndt dem Bilderschneider, Museum Schnütgen, Köln 2020

Arnt der Bilderschneider gilt als einer der bildgewaltigsten Erzähler des ausgehenden Mittelalters. Und er war der Begründer einer reichen Bildschnitzerschule am Niederrhein, namentlich in Kalkar im Kreis Kleve und später in Zwolle am Ijsselmeer. Eines seiner Hauptwerke ist die Altartafel mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige, die zwischen 1480 und 1490 entstand und nun von Restauratorin Andrea Hünteler aufwendig restauriert - und ergänzt! - worden ist.

Arnt der Bilderschneider gilt als einer der bildgewaltigsten Erzähler des ausgehenden Mittelalters. Und er war der Begründer einer reichen Bildschnitzerschule am Niederrhein, namentlich in Kalkar im Kreis Kleve und später in Zwolle am Ijsselmeer. Eines seiner Hauptwerke ist die Altartafel mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige, die zwischen 1480 und 1490 entstand und nun von Restauratorin Andrea Hünteler aufwendig restauriert - und ergänzt! - worden ist.

1993 erwarb das Museum Schnütgen das durch eine unglaubliche Lebendigkeit und Erzählfreude geprägte Altarrelief aus französischem Privatbesitz für umgerechnet 500.000 Euro. Bis dahin hing es in der Kapelle eines Schlosses unweit von Calais. Schon damals war klar, dass es sich nur um ein - wenn auch nahezu komplettes - Fragment handeln konnte.

2019 gelang es dem Museum Schnütgen, drei bislang verschollen geglaubte Teile zu erwerben, darunter dieses Dienerpaar. Alle Figuren hatten unentdeckt auf dem Dachboden des Schlosses gelagert.

Dabei hatte es zunächst nicht gut ausgesehen. Ende 2018 sollten die Fragmente zu einem Preis versteigert werden, der das restliche Jahresbudget des Museums um Längen überschritten hätte. Aber niemand wollte die Stücke haben. So konnten sie doch noch für kleineres Geld von Museumsdirektor Moritz Woelk erstanden werden. Und wurden danach im Abgleich mit dem Hauptaltarteil repräsentabel gemacht.

Zu den Neuankäufen gehört auch diese vollplastische Dienerfigur, die offenbar den Auftrag hat, die Geschenke eines der Heiligen Drei Könige aus der Tasche zu holen.

Wie bei den anderen Figuren, so war auch an dieser die teils schon abgeplatzte Farbe mit Klebestreifen an die Skulptur geheftet.

In diesen Partien konnte die originale Farbschicht nicht immer gerettet werden. Reste ruhen nun gesammelt in kleinen Plastikbehältern.

Die geblieben Fehlstellen auf den Reliefskulpturen des spätgotischen Künstlers hat Restauratorin Andrea Hünteler inzwischen vorsichtig mit Aquarellfarbe wieder übermalt: nicht illusionistisch, sondern durchaus so, dass der Restaurierungsprozess beim genauen Betrachten immer noch ein wenig durchscheint.

Gerade aus der Nähe zeigt sich in der Restaurationswerkstatt, wie detailverliebt und ausdrucksstark es beim Bilderschneider Arnt zugegangen ist. Schade, dass man das aus der gebührenden Distanz im Museum nicht immer sehen kann.

Die Restaurierung gewährt auch den Blick auf Partien, die dem Betrachter des Altars sonst verborgen bleiben. Und die Meister Arnt und seine Schüler deshalb bewusst gar nicht bearbeitet haben. So wie die Unterleiber der Pferde und Reiter, die jetzt in einem Holzmeer zu versinken scheinen.

Eine große Herausforderung war "neben dem Erhalt und der Konservierung der Substanz" laut Restauratorin Andrea Hünteler vor allem auch, die "drei zum Relief gehörenden neuen Teile korrekt zuzuordnen" (hier ein kleines Architekturelement). Denn sie passen nicht an jenen Teil, an den sie aus kompositorischen Gründen eigentlich gehören würden.

Dass sich die Neuerwerbungen nicht nahtlos an den Hauptteil fügen, liegt laut Hünteler nicht zuletzt am offenbar später veränderten Hauptteil. "Die Figur des schwarzen Königs zum Beispiel wurde nicht nur gedreht, sondern auch so bearbeitet, dass sein Ellenbogen viel zu weit herausragt." Auch seine Beine scheinen verkürzt worden zu sein.

Und es gibt noch weitere Rätsel. Warum stecken nur in den neu erworbenen Teilen Holzdübel aus dem Mittelalter? Wer hat das hochwertige Eichenholz des Originals mit minderwertigem Material ergänzt? Wer hat dem Diener mit dem Goldschatz einen Nagel in den Kopf getrieben?

Und was bedeuten die sonderbaren sichelförmigen Zeichen an der Unterseite der zugekauften Architektur? "Die letzten Rätsel", sagt Hünteler, "sind noch lange nicht gelüftet".

So stehen denn auch die 2019 erworbenen Teile in der Neupräsentation der Altartafel in der Ausstellung ein Stück vom Hauptteil ab. Vielleicht findet sich ja bei genauerem stöbern auf dem Schlossdachboden bei Calais am Ende sogar noch ein Teil, das die klaffende Lücke schließen könnte.

Die Coronakrise hat nicht nur den Zeitplan, sondern auch die Exponatenliste dieser ersten monografischen Ausstellung des Meisters durcheinander gebracht. So konnten einige der rund 60 geplanten Reliefdarstellungen, Heiligenstatuen oder Christusfiguren aus dem Ausland wegen geschlossener Grenzen nicht mehr angeliefert werden. Das ist zwar schade, ändert aber nichts an dem Umstand, dass man sich auf die Ausstellungseröffnung trotzdem schon jetzt vorfreuen sollte.

Denn allein die restaurierte Altartafel mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige des zwischen 1460 und 1492 am Niederrhein tätigen Künstlers lohnt den Besuch.

Und dann wird natürlich trotzdem vieles Staunenswertes aus dem Werk dieses großartigen Bilderschnitzers in Köln zu bestaunen sein. Darunter der imposante, in geöffnetem Zustand rund fünf Meter breite - und ebenfalls vor kurzem restaurierte - Georgsaltar (1483–1487) aus der St. Nicolaikirche in Kalkar, der zum ersten Mal außerhalb des Kirchenraums präsentiert wird.

"Arnt der Bilderschneider. Meister der beseelten Skulpturen" soll mindestens bis zum 5. Juli 2020 zu sehen sein. Ob die Ausstellung verlängert wird, hängt nicht zuletzt davon ab, wann sie wieder eröffnet werden kann.

Stand: 18.04.2020, 06:00 Uhr