"Angelika Kauffmann" im Kunstpalast

"Angelika Kauffmann" im Kunstpalast

Von Thomas Köster

Im 18. Jahrhundert war Angelika Kauffmann die weltweit wichtigste Malerin des Klassizismus. Dann geriet sie in Vergessenheit. Zu Unrecht - behauptet jetzt eine Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast und zeigt, wie die Künstlerin damals den "Kauffmann-Kult" auslöste.

Verrückt nach Angelika Kauffmann, Kunstpalast, Düsseldorf 2020 (Ausstellungsansicht)

"The whole world is angelicmad" –"Die ganze Welt ist verrückt nach Angelika". So berichtete der dänische Botschafter 1781 aus London. Für Herder war die schweizerisch-österreichische Malerin Angelika Kauffmann (1741-1807) "die kultivierteste Frau Europas" ("Selbstbildnis mit Zeichengriffel", um 1768).

"The whole world is angelicmad" –"Die ganze Welt ist verrückt nach Angelika". So berichtete der dänische Botschafter 1781 aus London. Für Herder war die schweizerisch-österreichische Malerin Angelika Kauffmann (1741-1807) "die kultivierteste Frau Europas" ("Selbstbildnis mit Zeichengriffel", um 1768).

Am Anfang war Kauffmann, die, bestmöglich gebildet, am Comer See aufwuchs und mit zwölf ihr erstes Selbstbildnis vollendete, zwischen Musik und Malerei hin- und hergerissen. Wie hier auf dem allegorischen Selbstporträt von 1794, auf dem die Entscheidung für die Malerei aber schon gefallen ist. Und wie war sie so als Künstlerin?

Hiervon kann man sich nun in der Ausstellung "Verrückt nach Angelika" selbst ein Bild machen. Rund 100 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen aus der ganzen Welt sind im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen, einige zum ersten Mal überhaupt öffentlich (links: Bildnis der Schwestern Frances, Sophia und Susan Coutts", 1790/91).

Dabei zeigt sich, dass Angelika Kauffmann offenbar alles konnte, wonach die damalige Zeit verlangte: angefangen bei der Porträtmalerei ("Augusta Friederike Luise, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, Prinzessin von Großbritannien, mit Prinz Charles George Augustus", um 1767) ...

... über Tiere ...

... bis hin zur damaligen Königsdisziplin, der Historienmalerei. Hier eines von Kauffmanns Hauptwerken, "Servius Tullius als schlafendes Kind im Flammenwunder", entstanden 1785 auf dem Höhepunkt ihres Ruhms in Rom.

Ein Höhepunkt der Ausstellung sind sicher die vier Deckengemälde, die die Malerin zwischen 1778 und 1780 für die Royal Academy of Arts geschaffen hat, die sie übrigens selbst mitgegründet hat. In England erlebte Kauffmann auch ihre erste Blütezeit. Diese Werke werden erstmals außerhalb von London gezeigt (im Bild: Kauffmanns Allegorien für "Komposition" und "Zeichnung").

Kauffmann war bei Hofe und beim Bürgertum beliebt. Was die geschäftstüchtige und bestens vernetzte Malerin dazu bewog, ihre Werke als Stiche für jeden erschwinglich in Serie gehen zu lassen.

"Viele von Kauffmanns Werken galten als stilprägend und lösten einen regelrechten 'Kauffmann-Kult' aus", betont Kuratorin Bettina Baumgärtel. Ein Kult, der sich mit zahlreichen Devotionalien wie Porzellan, Fächern, Tabakdosen oder Tapeten zelebrieren ließ ...

... und den man im Museumsshop zumindest ein bisschen wieder aufleben lassen kann.

Aber: Was hatte denn die Kauffmann, was andere Klassizisten wie Jacques-Louis David, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Joseph Wright of Derby oder Jean-Auguste-Dominique Ingres nicht hatten? Das erschließt sich beim Besuch der Ausstellung nicht unbedingt "Agrippina trauert über der Urne des Germanicus", 1793.

Ist aber letztlich auch egal. Die Frage, ob man heute noch wie damals verrückt nach Angelika Kauffmann – oder nach der Malerei des Klassizismus generell – sein kann, muss ohnehin jeder Besucher selbst beantworten. Und hierfür unbedingt in die Ausstellung gehen ("Bacchus entdeckt die von Theseus verlassene Ariadne auf Naxos", 1764).

"Verrückt nach Angelika Kauffmann" ist noch bis zum 24. Mai 2020 im Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen. Danach wandert sie in die Royal Academy of Arts nach London weiter – woher die ausgestellten Deckengemälde stammen ("Hektor mahnt Paris, in den Kampf zu ziehen", 1775).

Stand: 30.01.2020, 09:00 Uhr