Beim Jupiter! Römischer Fund im Tagebau Hambach

Beim Jupiter! Römischer Fund im Tagebau Hambach

Von Cornelia Wegerhoff

Im Tagebau Hambach wird nicht nur Braunkohle aus der Erde geholt. Gleich neben der Abbruchkante haben Archäologen jetzt einen Brunnen aus der Römerzeit entdeckt. Als Wasserquelle ist er längst versiegt, aber die Götter sind ihm treu geblieben - in Form einer besonders gut erhaltenen Jupitersäule.

Im Fordergrund arbeitet ein Grabungsteam am Fundort. Im Hintergrund steht ein großer Schaufelbagger.

Große Schaufeln, kleine Schaufeln. Die Experten vom Amt für Bodendenkmalpflege des Landeschaftsverbandes Rheinland (LVR) arbeiten in Sichtweite des riesigen Braunkohlebaggers 260. Während der Koloss aus Stahl pro Stunde etwa 5.800 Kubikmeter Erdreich abbaut, ist bei den Altersforschern Fingerspitzengefühl gefragt. Deren Arbeit wird hier in unserer Fotostrecke von dem LVR-Fotografen Marcel Zanjani dokumentiert.

Große Schaufeln, kleine Schaufeln. Die Experten vom Amt für Bodendenkmalpflege des Landeschaftsverbandes Rheinland (LVR) arbeiten in Sichtweite des riesigen Braunkohlebaggers 260. Während der Koloss aus Stahl pro Stunde etwa 5.800 Kubikmeter Erdreich abbaut, ist bei den Altersforschern Fingerspitzengefühl gefragt. Deren Arbeit wird hier in unserer Fotostrecke von dem LVR-Fotografen Marcel Zanjani dokumentiert.

Mit kleinen Kellen, teilweise sogar mit dem Pinsel legt das Grabungsteam (Hussein Al-Moustafa, Henry van den Booren und Daniel Gansera, v.l.) die schweren Steinquader des Brunnens frei. Der Fund ist kein Zufall. Bereits zu Beginn der 1980er Jahre entdeckten Archäologen in der Jahrtausende alten Kulturlandschaft die Überreste einer sogenannten "Villa rustica", einem großzügig angelegten Bauernhof. Der wohlhabende Besitzer versorgte die römischen Truppen am Rhein mit Getreide.

Mit den Plänen der früheren Funde ließen sich mögliche neue Fundstellen in dem weitläufigen Tagebaugebiet bereits erahnen. Auf den Ackerflächen wurden zunächst römische Scherben und andere Spuren gefunden, danach Suchschnitte angelegt. Am neuen Fundort konnte mit Unterstützung der RWE ein Arbeitsplateau errichtet werden.

Grabungstechniker Daniel Gansera (Mitte) erläutert Dr. Martin Grünewald (links), dem zuständigen Archäologen der LVR-Außenstelle Titz im Kreis Düren, den Befund. Ein Teil des Brunnens ist bereits freigelegt.

Die schweren Steinquader bestehen vermutlich aus Nideggener Sandstein, so Archäologe Grünewald. Die Römer müssen sie über Dutzende Kilometer aus den Nordeifeler Steinbrüchen hierher geschafft haben. Daniel Gansera zeigt auf Holzstücke. Er nimmt an, dass sie zur Brunnenkonstruktion gehören.

Hussein Al-Moustafa und Daniel Gansera lösen vorsichtig eines der Holzstücke aus dem kompakten Schutt, mit dem der Brunnen in der Antike verfüllt wurde. Auch Münzen, eine römische Sandale und ein antikes Sieb sind vom LVR-Team gefunden worden.

Frischhaltefolie im Dienst der Archäologie: Yannik van Wezemael, Hussein Al-Moustafa und Daniel Gansera (von links nach rechts) packen eines der Hölzer in Folie, damit es nicht austrocknet. Mit Hilfe von dendrochronologischen Untersuchungen im Labor lässt sich eventuell ermitteln, wann das Holz geschlagen wurde. Davon ausgehend, dass die Brunnenkonstruktion mit Frischholz errichtet wurde, ließe sich so das präzise Alter des Brunnens ermitteln, hofft Gansera.

Im Inneren des Brunnens wurden auch Teile einer sogenannten Jupitersäule entdeckt - ein für die Römerzeit typisches religiöses Denkmal, das oft auf Bauernhöfen zu finden war. Grünewald und Gansera zeigen den Fund ihrem Kollegen Jens Schubert vom Bonner LVR-Amt für Bodendenkmalpflege. Das Amt hat die Aufgabe, "das rheinische Kulturerbe zu erfassen, zu erforschen, zu bewahren und zu pflegen". Dass fast alle Teile der Jupitersäule entdeckt wurden, macht diesen Fund besonders.

Auf einem gut erhaltenen Säulenrelief sind drei Göttinnen zu sehen. Dieses Bild zeigt mit großer Wahrscheinlichkeit Nemesis Diana. Die Göttin "des gerechten Zorns" wird sonst eher im militärischen Kontext gepriesen und sei im Rheinland nur selten verehrt worden, so Martin Grünewald. Der Rock der Göttin "flattert" nach 1.500 Jahren unter der Erde nun wieder unter freiem Himmel.

Den Abschluss der Säule, die zwischen vier und fünf Meter hoch gewesen sein muss, bildet die Figur des thronenden Jupiters. Seine untere Hälfte (im Bild) konnte ebenfalls aus dem Brunnen geborgen werden. Bei genauerem Hinsehen erkennt man den rechten Fuß Jupiters, der auf dem runden Globus ruht. Damit wird der Machtanspruch der höchsten römischen Gottheit klar. Dass die Säule vermutlich erst im 5. Jahrhundert nach Christus im Brunnen verschütt ging, sei wissenschaftlich besonders spannend, so Grünewald. Denn es könnte bedeuten, dass in der römischen "Villa Rustica" noch Götter verehrt wurden, als andernorts längst Kirchen standen.

Die ursprüngliche Lage des römischen Brunnens und sein Inhaltes wurden mit Hilfe von Zeichnungen und Fotos genau dokumentiert. Jetzt müssen die Relikte der Vergangenheit abtransportiert werden, damit der Tagebau-Betrieb in Hambach fortgesetzt werden kann. Wenn Bagger 260 anrückt, wird dieses Stück Landschaft verschwinden.

Stand: 10.08.2020, 13:00 Uhr