Papst geht einen Schritt auf Homosexuelle zu

Papst Franziskus.

Papst geht einen Schritt auf Homosexuelle zu

Im neuen Dokumentarfilm "Francesco" hat sich Papst Franziskus für einen gesetzlichen Schutz gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften ausgesprochen. Ist das der Durchbruch, auf den viele katholische Lesben, Schwule und Transsexuelle gewartet haben?

Das Oberhaupt der Katholischen Kirche sagt in dem am Mittwoch in Rom erstmals gezeigten Film "Francesco", Homosexuelle hätten das Recht, in einer Familie zu sein. Er unterstütze die Forderungen nach einem Gesetz für zivile Partnerschaften.

Schon 2013 hatte Franziskus gesagt: "Wenn jemand homosexuell ist und guten Willens nach Gott sucht, wer bin ich, darüber zu urteilen?" Die Äußerung war als Anzeichen dafür interpretiert worden, dass der Vatikan unter seiner Leitung eine tolerantere Haltung gegenüber Homosexuellen einnehmen könnte.

Katholisch und schwul

Markus Gutfleisch ist katholisch und schwul. Und das ist für ihn kein Widerspruch. Gutfleisch lebt im Ruhrgebiet und engagiert sich in der Organisation "Homosexuelle und Kirche". Zu den Äußerungen von Papst Franziskus sagt er: "Das ist ein wichtiger Schritt."

Der Papst spricht sich allerdings nicht für die gleichgeschlechtliche Ehe aus – wohl aber für eingetragene Partnerschaften. Das ist neu. Noch vor einigen Jahren lehnte die katholische Kirche diese Lebenspartnerschaften ab. "Ein Fortschritt. Damit geht Papst Franziskus deutlich weiter als seine Vorgänger", meint Christian Weisner von der Organisation "Wir sind Kirche".

Und doch klingt es wie ein Widerspruch. Einerseits homosexuelle Partnerschaften akzeptieren, anderseits Sex zwischen homosexuellen Menschen als Sünde bezeichnen. "Das ist lebensfremd", kritisiert Henny Engels vom Lesben- und Schwulenverband. "Er kann nicht davon ausgehen, dass die Menschen in einer Josephsehe leben."

Katholische Lehre bleibt wie sie ist

Dennoch: Die offizielle Lehre der katholischen Kirche, also das was auf dem Papier steht, ändert sich durch Äußerungen von Papst Franziskus nicht. "Um große Veränderungen anzustoßen, müsste der Katechismus geändert werden, wo homosexuelle Handlungen immer noch verboten sind und als Sünde gelten", fordert Christian Weisner von "Wir sind Kirche".

Homosexuelle Paare schützen: Dieses Signal sendet Papst Franziskus nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. In die katholische Kirche weltweit, erklärt Theo Dierkes von der WDR-Religionsredaktion. "Eine wichtige Botschaft, weil katholische Kreise in den USA, in Polen und fast ganz Afrika entschieden gegen die Anerkennung von homosexuellen Partnerschaften vorgehen."

Gleichberechtigung statt Anerkennung

Anerkennung reicht dem schwulen Katholiken Markus Gutfleisch nicht mehr. Er fordert Gleichberechtigung. "Dass wir auch kirchlich heiraten dürfen. Dass Lesben, Schwule und Transsexuelle offiziell in der katholischen Kirche arbeiten dürfen – und zwar auf allen Ebenen."

Stand: 22.10.2020, 21:29