Ein Mann sitze vor einem Schauffelradbagger, hat die Arme weit ausgebreitet, im Hintergrund ist ein Braunkohletagebau zu sehen

NRW-Pressefoto des Jahres gekürt

Stand: 06.12.2022, 19:48 Uhr

In Düsseldorf wurde das NRW-Pressefoto des Jahres gekürt. Gewonnen hat ein Bild der Fotografin Barbara Schnell, das im Dorf Lützerath im rheinischen Braunkohlerevier enstanden ist.

Es zeigt einen einzelnen Klima-Aktivisten, der sich einem riesigen Braunkohlebagger entgegenstellt. Auch auf die Plätze zwei und drei wählte die Jury Fotos, die sich Umweltthemen widmen. Der Preis wird vom NRW-Landtag vergeben und ist mit insgesamt 22.000 Euro dotiert. Die prämierten Fotos werden bis zum 19. Januar im Landtag ausgestellt.

NRW-Pressefotos des Jahres 2022

Von Sabine Tenta

Die Pressefotos des Jahres wurden vom NRW-Landtag ausgezeichnet. Die ausgewählten Bilder lassen in starken Momenten die wichtigsten Ereignisse des Jahres Revue passieren.

Aus der Froschperspektive ist ein Einkaufswagen am Rheinufer zu sehen, er ist verrostet und voller Unrat, der Fluss führt Niedrigwasser und gibt weite Bereiche des Ufers frei.

Wie ein archäologischer Fund wirkt dieser vom Rhein-Niedrigwasser freigesetzte Einkaufswagen. "No shipping, no shopping" nannte Benjamin Westhoff seine Aufnahme, denn das Niedrigwasser bremste den Warenverkehr der Schifffahrt aus. Die Jury lobte "die gelungene Kombination aus starken Farbkontrasten und ungewöhnlicher Perspektive" und belohnte Westhoff mit dem dritten Platz.

Wie ein archäologischer Fund wirkt dieser vom Rhein-Niedrigwasser freigesetzte Einkaufswagen. "No shipping, no shopping" nannte Benjamin Westhoff seine Aufnahme, denn das Niedrigwasser bremste den Warenverkehr der Schifffahrt aus. Die Jury lobte "die gelungene Kombination aus starken Farbkontrasten und ungewöhnlicher Perspektive" und belohnte Westhoff mit dem dritten Platz.

Auf den zweiten Platz wählte die Jury "Nach dem Feuer. Ein Förster erzählt" von Ralf Rottmann. Im August 2022 lichtete er den Forstamtsleiter Jörn Hevendehl in einem Waldstück bei Lüdenscheid ab. "Auf einer Betrachtungsebene hat dieses Bild etwas Neo- Romantisches. Der einzelne Mensch vor der Erhabenheit einer Naturkulisse. Man fühlt sich an Caspar David Friedrich erinnert. Und doch geht es um etwas ganz anderes, eher um die Apokalypse. Die südwestfälische Variante der Ästhetik des Grauens. Es ist diese innere Spannung, diese Ambivalenz, die das Foto nach Meinung der Jury so anregend macht", schreibt die Jury dazu.

Den ersten Platz belegt ein Foto von Barabara Schnell mit dem Titel "Unbeirrbar". Das gilt für den Aktivisten, der sich vor dem Braunkohlebagger kniet ebenso wie für den Bagger, der sich weiterdreht. Die Jury beeindruckte hier die "David gegen Goliath-Szene". Das Bild zeige "den Protest eines Einzelnen gegen einen übermächtigen Gegner. Mensch gegen Maschine. Allein gegen den Riesen. Die Arme erhoben, wehrlos und in Lebensgefahr."

Der Sonderpreis der Jury geht an Gerd Wallhorn für "Außergewöhnliches Wahllokal": Im Antiquitätengeschäft "Beim Holländer" in Oberhausen-Holten wurde im Mai der Urnengang ermöglicht.

In Warstein-Mülheim entstand das Foto "Schwein gehabt" von Daniel Schröder, der dafür den Nachwuchspreis erhielt. Bei einem Großbrand retteten die Feuerwehrleute 165 Schweine, die Scheune brannte komplett nieder. Doch am Ende sind auch die geretteten Schweine auf dem Teller gelandet, genauso wie ihre Kollegen des nächsten Fotos.

Lars Berg fotografierte diese neugierigen Gesellen auf einem Hof für nachhaltige Ferkelaufzucht und Sauenhaltung. Dieses Foto und weitere wurden für eine Ausstellung im Landtag ausgewählt, die dort bis zum 19. Januar 2023 zu sehen sind.

Am 24. Februar überfiel die russische Armee die Ukraine. Vier Tage später demonstrieren in Köln 250.000 Menschen dagegen. Die Menschenmassen hat Eduard Bopp eindrucksvoll festgehalten.

Der russische Angriffskrieg ist der Beginn einer Energiekrise. Jetzt ist Sparen angesagt, auch bei öffentlichen Gebäuden, wie dem Kölner Dom. Marius Becker hat das Restlicht von umliegenden Laternen genutzt, um das Weltkulturerbe im Dunkeln zu zeigen.

Ist das jetzt Wetter oder Klima? Diese Frage begleitete alle Wetterextreme des Jahres. Sturm Zeynep ließ am 18. Februar auf der Kölner Domplatte Menschen wie Spielfiguren purzeln, wie uns Alexander Schwalger zeigt.

Und dann diese Hitze im Sommer! Gut, dass diese Wasserschläuche für Abkühlung sorgten und gut, dass Costa Belibasakis die Szene eingefangen hat.

Die Rahmedetalbrücke wurde Ende 2021 komplett für den Verkehr gesperrt - damit wurde das Leben in einer ganzen Region umgekrempelt. "Lasst uns Brücken bauen" klingt hoffnungsfroh und nach Aufbruch. Aber immer noch offen ist, wann die neue Brücke das Tal vom Durchgangsverkehr befreien wird.

Neben all den Krisen geht das Leben weiter - und das Sterben. Im Kinderhospiz in Gelsenkirchen zeigt uns Ingo Otto, wie erfüllt ein Moment sein kann, wenn eine Ehrenamtlerin wie Anja Mertin-Krebs sich liebevoll um ein Kind kümmert.