Folkwang-Ausstellung: Von Menschen und Maschinen

I was a Robot. Science Fiction und Popkultur, Museum Folkwang, Essen 2019 (Ausstellungsansicht)

Folkwang-Ausstellung: Von Menschen und Maschinen

Das Essener Museum Folkwang lotet das komplizierte Verhältnis zwischen Menschen und Maschinen aus.

Die Ausstellung "I was a Robot" zeigt den Roboter mal als Freund und Helfer des Menschen, mal als Feind und Zerstörer. Die Ausstellung präsentiert mehr als 250 populärkulturelle Ausstellungsstücke; Bücher, Plakate, Filme und Videos aus der Welt der Science-Fiction.

Im Folkwang Museum treten klapprige Blechwesen aus den 1930er Jahren auf, Cyborgs und seltsame Mischwesen, Bilder zeigen Szenen aus Kultfilmen wie Terminator und Star Wars. Die Exponate stammen aus einem der weltgrößten Science-Fiction-Museen, dem Maison d'Ailleurs aus der Schweiz.

Fast wie Menschen: Folkwang zeigt "I was a Robot"

Von Thomas Köster

Sie bringen Tee und töten Menschen. Und in "Star Wars" sind sie dumme Killer oder süß wie Kinder. Roboter haben viele Gesichter. Eine Ausstellung im Museum Folkwang Essen zeigt sie uns alle.

I was a Robot. Science Fiction und Popkultur, Museum Folkwang, Essen 2019 (Ausstellungsansicht)

Das Wissenschaftsjahr 2019 widmet sich bundesweit dem hippen Thema der "Künstlichen Intelligenz" (KI). Maschinelles Lernen, autonomes Fahren und die Digitalisierung einer "Industrie 4.0" sind in aller Munde. Schriftsteller und Künstler waren mit ihrer Phantasie an einer robotischen KI schon viel früher dran als die Wissenschaft. Das kann man in Essen nun bestaunen.

Das Wissenschaftsjahr 2019 widmet sich bundesweit dem hippen Thema der "Künstlichen Intelligenz" (KI). Maschinelles Lernen, autonomes Fahren und die Digitalisierung einer "Industrie 4.0" sind in aller Munde. Schriftsteller und Künstler waren mit ihrer Phantasie an einer robotischen KI schon viel früher dran als die Wissenschaft. Das kann man in Essen nun bestaunen.

Auf 800 Quadratmetern sind in Essen über 250 Filmplakate, Zeitschriften, Bücher und Objekte zu bestaunen, die die Funktion des Roboters als Projektionsfläche unserer Ängste und Visionen illustrieren. Zu den Highlights zählen Originale aus Filmen wie "Metropolis", "Star Wars" oder dem "Terminator".

Aber auch Objekte sind zu sehen, die illustrieren, wie selbstverständlich unsere Kinder heute mit der Idee sozialisiert werden, in allzu ferner Zukunft vielleicht nicht mehr die "Krone der Schöpfung" zu sein.

Dabei ist die Biografie des seelenlosen Roboters, dem der tschechische Schriftsteller Karel Čapek in seinem Theaterstück "R.U.R." (1920) den Namen gab, ebenso vielfältig wie erstaunlich. Sie reicht von Anfängen als williger Helfer und Handlanger "glücklicher Hausfrauen" ...

... über weltenlenkende fantastische Wesen ...

... bis hin zum zerstörerischen Koloss, dem man lieber nicht über den Weg laufen möchte.

Andere Exponate wiederum illustrieren, dass sich bestimmte Mythen durch die Zeiten erstaunlich frisch erhalten haben. Die Hefte der deutschen Science-Fiction-Serie "Perry Rhodan" erscheinen immerhin schon seit fast 60 Jahren kontinuierlich jede Woche. Druckauflage: 80.000.

Das Thema hat eine starke künstlerische Präsenz. Der legendäre Ausstellungsmacher Harald Szeemann nahm sich des Themas bereits 1967 an und widmete den fantastischen Bildwelten fünf Jahre später auf der documenta 5 eine eigene Abteilung. Damals arbeitete er mit dem Science-Fiction-Museum "Maison d'Ailleurs" zusammen, aus dem auch die Essener Exponate stammen.

Dessen heutiger Direktor Marc Atallah ist extra aus Yverdon-les-Bains im Kanton Waadt angereist, um die Spielzeug-Exponate in den Vitrinen zu arrangieren. "Roboter beschwören unsere Sorgen und Ängste herauf oder wecken Hoffnungen und Träume", sagt er. "Es wird höchste Zeit, einen genauen Blick auf diese Wesen aus Metall zu werfen und zu verstehen, was sie uns aus der Tiefe ihrer Gehäuse zuflüstern."

Auch wenn in den acht Themenräumen der Essener Ausstellung zumeist nur Zweidimensionales zu sehen ist, entsteht doch ein überaus plastisches Bild. Und wenn man Glück hat, schaut sogar eines dieser elektronischen Schaltkreiswesen zurück.

Überhaupt gibt es gerade drei weitere gute Gründe, um ins Museum Folkwang zu fahren. Einer davon ist die kleine, aber feine Ausstellung mit Arbeiten von László Moholy-Nagy, mit der das Museum seine Reihe "Bauhaus am Folkwang" zum 100. Gründungsjubiläum der legendären Kunst- und Gewerbeschule abschließt. Sie läuft noch bis zum 12. Januar 2020.

Zeitgleich mit "I was a Robot" hat "Made in Japan" mit teils spektakulären Plakatentwürfen von Shin Matsunga, einem Pionier des japanischen Grafikdesigns, eröffnet. Sie ist ebenfalls bis zum 12. Januar 2020 zu sehen.

Die traditionellen Bildmuster aus Grafik, Malerei und Zeichnung Japans sind mit Elementen der westlichen Grafik vermischt. An den zwischen 1969 und 2019 entstandenen Werken kann man sich in der zudem klug arrangierten Ausstellung kaum sattsehen.

Und die raffinierte, Zeiten und Kontinente und Genres übergreifende Neupräsentation der ständigen Sammlung des Museums ist ohnehin eine fulminante Schau.

"I was a Robot. Science Fiction und Popkultur" ist noch bis zum 15. März 2020 im Museum Folkwang in Essen zu sehen. Zur Ausstellung soll auch ein schöner Katalog erscheinen. Und ab dem 8. November 2019 widmet sich die Ausstellung "Der montierte Mensch" dem Thema im Folkwang aus künstlerischer Perspektive. Darauf kann man sich schon freuen.

Stand: 10.10.2019, 15:19