Deutscher Buchpreis wird vergeben

Die Bücher der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019

Deutscher Buchpreis wird vergeben

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels kürt am Montagabend (14.10.2019) den besten deutschsprachigen Roman des Jahres.
Drei Autorinnen und drei Autoren haben Chancen auf den Deutschen Buchpreis.

Die Preisverleihung findet im Frankfurter Römer zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse statt.  Die sechs Titel, die im Rennen sind, seien sechs herausragende Fundstücke, "die formal und stilistisch und in ihrer Klangfarbe unterschiedlicher nicht sein könnten", sagt Jörg Magenau, Sprecher der Jury. Trotzdem eine sie ein großes Thema: "In allen geht es um familiäre Zusammenhänge, um den Ort in der globalen Welt, von dem aus das eigene Dasein zu begreifen ist."

Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis

WDR 3 Kultur am Mittag 17.09.2019 06:29 Min. Verfügbar bis 16.09.2020 WDR 3

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Die Nominierten:

Raphaela Edelbauer: "Das flüssige Land"

Buchcover "Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer

Der Unfalltod ihrer Eltern führt die Physikerin Ruth nach Groß-Einland - ein geheimnisvoller Ort, unter dem sich ein riesiger Hohlraum erstreckt. Das Loch scheint das Leben der Bewohner auf merkwürdige Weise zu bestimmen, doch keiner will darüber sprechen.
Die Jury urteilt über Edelbauers Erstlingswerk, "Das flüssige Land" sei ein ebenso eindrückliches wie fantastisches Debüt. "Raphaela Edelbauer schafft eine Art Super-Metapher, die auf virtuose Weise die physikalische, die psychische, die historische und auch die sprachliche Welt in ihren Abgründigkeiten verbindet." 

Miku Sophie Kühmel: "Kintsugi"

Buchcover "Kintsugi" von Miku Sophie Kühmel

Es ist Wochenende. Ein Haus an einem spätwinterlichen See, das Licht ist hart, die Luft ist schneidend kalt, der gefrorene Boden knirscht unter den Füßen. Reik und Max feiern hier ihre Liebe, die nun zwanzig ist. Doch ruhig bleibt nur der See.
Die Jury lobt den "Ensembleroman auf märkischem Sand" als "psychologisches Kammerstück". Kühmel sei ein äußerst gegenwärtiger Roman von hohem Lesevergnügen gelungen, "der nach heutigen Liebes- und Lebenskonzepten fragt, nach Elternschaft, Sexualität, Erfolg, Karriere und Bindungen".

Tonio Schachinger: "Nicht wie ihr"

Buchcover "Nicht wie ihr" von Tonio Schachinger

Ivo wusste immer schon, dass er besonders ist. Besonders cool, besonders talentiert, besonders attraktiv. Jetzt ist er einer der bestbezahlten Fußballer der Welt. Er fährt einen Bugatti, hat eine Ehefrau und zwei Kinder, die er über alles liebt. Doch als seine Jugendliebe Mirna ins Spiel kommt, gerät das sichere Gerüst ins Wanken. 
Als begeisternd bezeichnet die Jury die "Boxkraft des Tons" und Schachingers Stilsicherheit sowie sein Gespür für Milieus, Jargons, Stimmungen und Tragikomik: "'Nicht wie ihr' ist viel mehr als ein Roman über die Welt des Spitzensports."

Norbert Scheuer: "Winterbienen"

Buchcover: "Winterbienen" von Norbert Scheuer

Die Eifel im Januar 1944: Egidius Arimond, ein frühzeitig aus dem Schuldienst entlassener Latein- und Geschichtslehrer, schwebt wegen seiner Frauengeschichten, seiner Epilepsie, aber vor allem wegen seiner waghalsigen Versuche, Juden in präparierten Bienenstöcken ins besetzte Belgien zu retten, in höchster Gefahr. Seine Situation wird nahezu ausweglos, als er keine Medikamente mehr bekommt, er ein Verhältnis mit der Frau des Kreisleiters beginnt und schließlich bei der Gestapo denunziert wird.
Über den Roman schreibt die Buchpreis-Jury: "Präzise und spannend entwickelt Norbert Scheuer die Geschichte seines Antihelden. Egidius wird Zeitzeuge und Chronist einer durch Bombenangriffe versehrten Landschaft und der damit verbundenen Zerstörung natürlicher und menschlicher Ordnung."

Saša Stanišić: "Herkunft"

Saša Stanišić - Herkunft

Ein autobiografischer Roman. Die Buchpreis-Jury fasst die Handlung wie folgt zusammen. "Über den Zufall, irgendwo geboren zu werden, und was danach kommt. Der Sommer, als der Junge fast ertrank. Der Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als der Jugendliche über viele Grenzen nach Deutschland floh. Ein Flößer, ein Bremser, ein bosnischer Polizist, der gern bestochen werden möchte. Eine Grundschule für drei Schüler. Ein Nationalismus. Ein Yugo. Ein Tito. Ein Eichendorff. Ein Saša Stanišić."
Das Urteil über "Herkunft": "Verschmitzt und behände bleibt der Erzähler stets auf der Hut vor sich selber, mit Klugheit, Humor und Sprachwitz, ohne 'Zugehörigkeitskitsch' und Opferpathos. Sein berückendes Vergnügen am Erzählen macht die bleischweren Themen federleicht – Wundbehandlung mit den Mitteln der Literatur."

Jackie Thomae: "Brüder"

Buchcover "Brüder" von Jackie Thomae

Sie sind Kinder desselben Vaters, den sie nicht kennen. Mick lebt frei von Verbindlichkeiten. Dass die Welt sich ändert, registriert er so zerstreut wie einen neuen Tag, wenn er blinzelnd aus dem Club stolpert. Gabriel ist erfolgreicher Architekt, eingefleischter Londoner und Familienvater. Doch dann verliert er in einer banalen Situation die Nerven und steht als Aggressor da. Die Fragen, die sich den beiden Männern stellen, sind dieselben. Ihre Leben könnten nicht unterschiedlicher sein.
"Man liest in 'Brüder' eine sehr spannende Geschichte, aber Jackie Thomae gelingt es mit Leichtigkeit, geradezu nebenher existenzielle Fragen und Themen einzuflechten," lobt die Jury. Es handele sich um einen groß angelegten Roman, den man in der amerikanischen Erzähltradition verorten könne, der aber mit seinem ungewöhnlichen Plot über zwei sehr konträre Brüder eines afrikanischen Vaters von deren Kindheit in der DDR in die weite Welt bis nach London, Paris und Südamerika führe.

Stand: 14.10.2019, 10:35