Mehr Geld für Kultur in NRW

Mehr Geld für Kultur in NRW

Von Peter Grabowski

  • NRW-Kulturetat wird deutlich erhöht
  • Landtag genehmigt pauschale Steigerung von 20 Millionen Euro
  • Blankoscheck für Kulturministerin Pfeiffer-Poensgen

Wofür die Mittel genau ausgegeben werden, hat die Regierung bislang nicht erklärt. Die Abgeordneten genehmigten die Summe am Mittwoch (17.01.2018) pauschal und stellten der parteilosen Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen damit eine Art Blankoscheck aus. Sprecher aller Parteien hatten das ungewöhnliche Verfahren zuvor im Kulturausschuss einen "großen Vertrauensvorschuss" genannt.

Theater und Orchester sollen profitieren

Düsseldorfer Symphoniker

Düsseldorfer Symphoniker

Als gesichert gilt bislang nur, dass ein erheblicher Teil des zusätzlichen Geldes an die kommunalen Theater und Orchester gehen wird. Der Landesanteil an den Betriebskosten dieser 18 Bühnen und 15 Ensembles liegt zurzeit bei unter fünf Prozent. Der NRW-Städtetag fordert schon seit Jahren einen Landeszuschuss von 20 Prozent zu den laufenden Ausgaben. Zuletzt hatten auch die Regierungsfraktionen eine Erhöhung der Mittel beantragt, allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Freie Szene befürchtet ausschließliche Förderung der Spitze

Im selben Papier mahnten CDU und FDP im Parlament die Stärkung der sogenannten Freien Szene an. Auch die parteilose Kulturministerin hatte bei der Einbringung des Haushalts im Oktober vergangenen Jahres die künstlerische Exzellenz der international nachgefragten Theater- und Tanzensembles betont und deren Absicherung angekündigt. In der Szene selbst fürchtet man allerdings, dass die Konzentration auf die Spitze trotz zusätzlicher Ausgaben zulasten der erst jüngst verbesserten Förderung in der Breite gehen könnte.

Große Bauprojekte und Denkmalschutz

Zusätzliche Mittel sollen außerdem in "fachlich wichtige Bauvorhaben mit landesweiter Ausstrahlung" fließen. Ein Blick auf aktuelle Großprojekte im Kulturbereich legt die Vermutung nahe, dass die Regierung vor allem die Sanierung von denkmalgeschützten Kulturbauten in der Landeshauptstadt selbst sowie in Köln im Auge haben könnte. Beide Städte erneuern derzeit ihre Schauspiel- und Opernhäuser.

Tanzzentrum Pina Bausch in Wuppertal

In Köln soll der Preis für die Opernsanierung von ursprünglich 250 auf mindestens 570 Millionen steigen; in Düsseldorf rechnet die Stadt bislang noch mit einer mittleren zweistelligen Millionensumme. Beide Städte denken jedoch schon über weitere Investitionen in Kulturbauten nach. In Wuppertal entsteht mit dem "Internationalen Tanzzentrum Pina Bausch" im denkmalgeschützten früheren Schauspielhaus ebenfalls ein so genanntes Leuchtturmprojekt für NRW. Die dafür benötigten Mittel sind allerdings eigentlich schon seit Jahren im Landeshaushalt eingeplant.

Langzeitkonzept statt Schnellschüsse

CDU und FDP haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den Kulturetat bis 2022 um jährlich rund 20 Millionen auf dann insgesamt 300 Millionen Euro zu steigern. Die Kulturministerin erklärte, diese Erhöhung in ein langfristiges Konzept einbetten zu wollen. Dafür brauche das Ministerium Zeit, damit es keine "Schnellschüsse aus der Hüfte" gebe, hatte Isabel Pfeiffer-Poensgen mehrfach betont. Diesem Wunsch haben die Abgeordneten mit der ungewöhnlichen pauschalen Etatsteigerung jetzt entsprochen. Detaillierte Pläne zur Verwendung des Geldes erwarten die Parlamentarier bis spätestens Ostern.

NRW Kulturetat steigt - was nun?

WDR 5 Scala - Hintergrund Kultur | 18.01.2018 | 09:05 Min.

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Stand: 17.01.2018, 17:13