Die Kulturtipps 2018

Die Kulturtipps 2018

Von Thomas Köster

Schwarzweiße Nackte und rebellisches Theater, Pizza im Rahmen oder Kunst für Kohle nach der Schicht im Schacht: Kulturell verspricht 2018 aufregend zu werden. Wir präsentieren zwölf Highlights.

Sascha Waltz, Allee der Kosmonauten (2017)

Auch wenn es anders aussieht: Das Kulturjahr 2018 wird bestimmt nicht öde. Manches ist sogar ganz große Oper! Die deutschen Erstaufführungen von Peter Eötvös "Angels in America" in Münster und von Joby Talbots "Everest" in Hagen ab Februar bzw. Mai zum Beispiel. Oder die Neuauflage "Allee der Kosmonauten" von Sasha Waltz. Das Tanztheater aus dem Plattenbau ist zwar schon 20 Jahre alt, aber immer noch frisch und wahr. Früher war halt nicht alles schlechter (Schauspiel Köln, Depot I, 06.01.2018 und 07.01.2018).

Auch wenn es anders aussieht: Das Kulturjahr 2018 wird bestimmt nicht öde. Manches ist sogar ganz große Oper! Die deutschen Erstaufführungen von Peter Eötvös "Angels in America" in Münster und von Joby Talbots "Everest" in Hagen ab Februar bzw. Mai zum Beispiel. Oder die Neuauflage "Allee der Kosmonauten" von Sasha Waltz. Das Tanztheater aus dem Plattenbau ist zwar schon 20 Jahre alt, aber immer noch frisch und wahr. Früher war halt nicht alles schlechter (Schauspiel Köln, Depot I, 06.01.2018 und 07.01.2018).

Im Ausstellungssektor wird's dann ab Februar spannend. Das Kunstmuseum Bonn lockt mit einer Schau des abstrakt-figurativen Malers und Bildhauers Thomas Scheibitz, von dessen 70 Gemälden rund die Hälfte eigens zu diesem Zweck entstanden sind (01.02.-29.04.2018). Und im NRW-Forum Düsseldorf wird unter dem Titel "Pizza is God" belegtes Fladenbrot aus Italien an die Wand geklatscht. Als Beilage serviert man Werke der Mode- und Gesellschafts-Foto-Pionierinnen Louise Dahl-Wolfe und Herlinde Koelbl (16.02.-20.05.2018).

50 Jahre nach ihrem Auflodern gehören die Errungenschaften der 1968er-Revolution längst zum kulturellen Establishment. Was die in 56 Ländern tobende Jugend- und Protestkultur künstlerisch zustande brachte, zeigt das Ludwig Forum Aachen ("Flashes of the Future", 20.04.-19.08.2018), die Früh- und Spätfolgen der "68er-Bewegung in der Provinz" das Ziegeleimuseum Lage (18.03.-30.09.2018; hier eine Anti-Atom-Aktion auf dem Marktplatz in Detmold um 1980). Die wahren Hintergründe gibt's im Frühjahr natürlich in einem Schwerpunkt auf WDR 3.

Wie alle wissen, haben die Achtundsechziger die Welt erst richtig bunt gemacht. Vorher war bekanntlich alles schwarz und weiß. Daran erinnert die Grisaille-Schau "Black and White" im Museum Kunstpalast in Düsseldorf, die allerdings nicht nur Werke aus grauer Vorzeit, sondern auch zwei begehbare Installationen von Ólafur Elíasson und Hans Op de Beeck zeigt (22.03.-15.07.2018). Und in der großen Retrospektive der radikalen Performance-Ikone Marina Abramović in der Bonner Bundeskunsthalle (rechtes Bild, links) geht es in den Videos auch recht farbig zu ("The Cleaner", 20.04.-12.08.2018).

Das Kölner Festival "Acht Brücken" feiert Bernd Alois Zimmermann. Zum 100. Geburtstag des Komponisten fragt es im Frühjahr nach der Modernität seiner "pluralistischen" und collageartigen Musik ("Metamorphosen - Variationen", 28.04.-11.05.2018), die Kölner Oper nimmt Zimmermanns gewaltige Oper "Die Soldaten" wieder ins Programm, deren Uraufführung 1965 als größtes Ereignis in der Geschichte des Hauses gilt (Staatenhaus, ab 29.04.2018). Und WDR 3 feiert mit einem großen Schwerpunkt.

Apropos Jubiläen und Soldaten: 2018 ist der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, der Europa in Schutt und Asche stürzte, genau 400 Jahre lang her. Der in Münster und Osnabrück besiegelte Westfälische Friede regelte die Verhältnisse 1648 neu. In einer Mammutausstellung widmen sich deshalb gleich fünf Museen in Münster dem "Frieden. Von der Antike bis heute" (28.04.-02.09.2018). "Hochrangige Exponate aus internationalen Sammlungen" sind angekündigt. Fritz Grotemeyers Historienschinken "Die Friedensverhandlungen im Rathaussaale zu Münster 1648" hängt jetzt schon im beteiligten Stadtmuseum.

Schloss Oberhausen feiert nächstes Jahr auch Geburtstag, allerdings einen nicht ganz so hohen. Die darin beheimatete Ludwig-Galerie wird 2018 erst 20. Seit einigen Jahren versucht sie sich mit Comics einen nostalgisch-frischen Anstrich zu geben. In der Populären Galerie im altrosa Schloss begeht man den Geburtstag dem entsprechend mit "Fix & Foxi – Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse" (10.06-09.09.2018). Im Herbst folgt als pompöser Festakt die international bestückte Ausstellung "Die Geste – Kunst zwischen Jubel, Dank  und Nachdenklichkeit" mit Meisterwerken aus der Sammlung Ludwig (23.09.2018-13.01.2019).

Pompös war auch Johan Simons' Ruhrtriennale-Motto "Seid umschlungen". Nach drei Jahren als künstlerischer Leiter übergibt er die Leitung an Intendantin Stefanie Carp. Mit dabei ist Chef-Regisseur Christoph Marthaler, der unter anderem zum Auftakt alle Teile der Jahrhunderthalle bespielt. Das verspricht einiges, und bei diesem Versprechen müssen wir es hier belassen: Das eigentliche Programm wird nämlich erst im Frühjahr 2018 veröffentlicht. Auch am Motto wird noch gefeilt - nur die Stoßrichtung hat Carp schon verraten: irgendwas "im Sinn von: Let’s create rebellion, let’s create resistance".

Unternehmerisch subventionierte Rebellion hat in der Kunst ja Tradition. Mit "Der böse Expressionismus" führt die Kunsthalle Bielefeld dies noch bis Mitte März 2018 vor Augen. 2018 wird der vom US-Architekten Philip Johnson entworfene und von Rudolf-August Oetker mit-gestiftete Kubus mit seiner roten Sandsteinfassade 50 Jahre alt. Die "Jubiläumsausstellung" zeigt Werke aus der eigenen Sammlung (29.09.2018-27.01.2019). Unbekannteres gibt es in Essen zu entdecken: im Museum Folkwang, mit den Meistern des italienischen Realismo Magico. Rechts Ubaldo Oppis Porträt seiner "Frau vor venezianischer Kulisse" von 1921 ("Unheimlich real. Italienische Malerei der zwanziger Jahre", 28.09.2018-13.01.2019).

Zum Debüt im Oktober 2017 wurde die lit.Ruhr noch skeptisch beäugt. Dann war die Erstausgabe in Duisburg, Bochum, Dortmund und in der Essener Zeche Zollverein ein großer Erfolg (hier Cordula Stratmann bei einer Lesung mit einem Gebärdendolmetscher). Wie bei der großen Schwester lit.Cologne kommen auch 2018 wieder internationale Größen der Literaturszene ins Ruhrgebiet, um aus ihren Werken zu lesen und über aktuelle Themen zu diskutieren (10.10.-14.10.2018). Im November folgt dann das deutsch-türkische Literaturfestival "Literatürk" in Essen, der lit.Ruhr-Festivalzentrale.

Zum Ende des Jahres heißt es dann endgültig Schicht im Schacht. Mit Prosper-Haniel in Bottrop schließt das letzte noch aktive Bergwerk der Region. Im Vorfeld haben sich 17 der 20 Ruhrmuseen zusammengetan, um "Kohle und Kunst - Kunst und Kohle" zu beleuchten (05.05.-16.09.2018). Im Museum Quadrat Bottrop sind Fotografien Bernd und Hilla Bechers zu sehen, das Museum unter Tage in Bochum zeigt schwarze Werke der jüngeren Kunstgeschichte, in der Kunsthalle Recklinghausen ist ein multimediales Kohle-Projekt der Holzschnitt-Shootingstars Gert & Uwe Tobias zu sehen. Dieses Foto der letzten regulären Schicht in der Schachtanlage Zollverein von 1986 hängt dann im Ruhr Museum, Zeche Zollverein.

Aber jedem Ende wohnt ja auch ein Anfang inne, und vielleicht wird Prosper-Haniel in Bottrop nach seiner Schließung 2019 ja auch Kultur-Ort? Überhaupt gilt es am Ende des Jahres nach vorne zu blicken. 2019 ist nämlich Bauhaus-Jubiläum, und die dann frisch renovierten Krefelder Häuser Esters und Lange werden dann zeitgenössische Positionen zur 1919 gegründeten stilbildenden Kunstschule präsentieren. So lange will das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster nicht warten und präsentiert schon 2018 mit "Interactions. Bauhaus und Amerika" Werke, die den Einfluss auf US-Künstler, aber auch auf ZERO und Fluxus illustrieren. Aus dem eigenen Bestand: László Moholy-Nagys "A XXI" (1925), und an der Fassade ZERO-Kugeln von Otto Piene.

Stand: 29.12.2017, 09:00 Uhr